Keine Angst vorm Nichtstun!
von Laura Pomer
Studie belegt: Langeweile ist gesund

Wer rastet, der rostet? Von wegen! Tatsächlich steigert gelegentliches Nichtstun Einfallsreichtum und Produktivität. Das haben britische Forscher herausgefunden.

  • Studie belegt: Langeweile fördert die Kreativität

    Foto: Getty Images

    Wer bei der Arbeit Löcher in die Luft starrt, ist nicht nutzlos: Britische Forscher haben herausgefunden, dass Tagträume den Ideenreichtum positiv beeinflussen. Wer sich ab und zu Ruhepausen gönnt, soll kreativere Problemlösungen finden

Einen langweiligen Tag im Büro gehabt? Glückwunsch: Dann haben Sie etwas für Ihre Kreativität getan!

Wie eine Studie der University of Central Lancashire belegt, sind Phasen der Langweile und des Tagträumens wichtig, um produktiv zu sein – und somit auch im Sinne des Arbeitgebers.

„Eltern sind stets besorgt, ihre Kinder könnten sich langweilen“, erklärte Professor Sandi Mann kürzlich auf einer Konferenz des Berufsverbands britischer Psychologen. Er wisse, dass das Nichtstun gesellschaftlich eher negativ behaftet ist. Dabei helfe es langfristig, den Einfallsreichtum zu steigern, „weil der Geist die Möglichkeit hat, zu wandern.“ Jetzt galt es nur noch, seine Theorie in einer Studie zu beweisen.

Der Wissenschaftler betraute 40 Probanden mit einer besonders anspruchslosen Aufgabe: Sie sollten Nummern aus dem Telefonbuch abschreiben. Im Anschluss kam es zum Kreativitätsvergleich mit weiteren Studienteilnehmern, die von diesem eintönigen Job verschont geblieben waren. 

Wer würde einfallsreichere Verwendungsmöglichkeiten für Styropor-Becher finden? Das erstaunliche Ergebnis: Gruppe eins schnitt deutlich besser ab!

Das musste daran gelegen haben, dass sie beim langweiligen Zahlenabschreiben Zeit zum Seelenbaumeln hatte, so die Interpretation des Wissenschaftlers. Um diese zu stützen, wiederholte er den Test. Erneut wurden Telefonnummern abgeschrieben, 30 weitere Teilnehmer sollten diese lediglich überfliegen. Beim Kreativitätsvergleich hatten wieder diejenigen die Nase vorn, die im Vorfeld weniger „geleistet“ hatten.

Der Umkehrschluss: Ein pausenlos stressiger Job, ohne einen Moment zum Abschalten, ist kontraproduktiv für die Kreativität.

Die Neurowissenschaft nennt dieses Prinzip „Default Network“: Erst, wenn sich das Hirn in einer Art Leerlauf oder Ruhephase befindet, werden die Regionen aktiv, in denen sich das Ideenreichtum versteckt. Diese sind bei geistiger Anstrengung deaktiviert – so also auch bei der Arbeit.

Ungünstig für geistige Höchstleistungen im Büro... aber in jedem Fall eine gute Ausrede für Tagträume am Schreibtisch! 

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