Lichtschutzfaktor, Schatten, richtig eincremen...
von Susanna Riethmüller
Die zehn wichtigsten Regeln zum Sonnenschutz

Endlich scheint wieder die Sonne! Vor lauter Freude vergessen wir manchmal, dass das auch Risiken für unsere Haut birgt – nicht nur im Urlaub, sondern auch im Alltag. Oder wie war das noch mal mit meiner Eigenschutzzeit? Und muss ich mich eigentlich auch im Schatten mit LSF eincremen? STYLEBOOK beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Sonnenschutz.

1. Wie lang kann ich in der Sonne bleiben – ohne Sonnenschutz?
Das kommt auf Ihren Hauttyp an. Sind sie Typ 1, also sehr hell, beträgt Ihre Eigenschutzzeit rund zehn Minuten. Sind Sie Typ 2 – wie die meisten Mitteleuropäer – 20 Minuten, und so weiter. Auf www.uv-check.de können Sie Ihren Typ bestimmen und Ihre Eigenschutzzeit ausrechnen lassen. Im Zweifel gilt aber immer: Lieber früher aus der Sonne gehen als später.
 
2. Wie lange kann ich in der Sonne bleiben – mit Sonnenschutz?
Ganz wichtig: Niemals unbegrenzt, egal, wie hoch der Lichtschutzfaktor (LSF) ist. Als Orientierung: Benutzen Sie Lichtschutzfaktor zehn, verzehnfacht sich die Zeit, die Sie in der Sonne bleiben können. Für Hauttyp 1 bedeutet das etwa 100 Minuten. ABER: Diese Zeitangaben sind  theoretische Werte und gelten nur, wenn Sie sich optimal eingecremt haben. In der Praxis kann der Sonnenschutz durch Faktoren wie Schwitzen, Schwimmen oder Abrieb deutlich niedriger sein. Experten empfehlen deshalb, immer maximal 75 Prozent der errechneten Zeit in Anspruch zu nehmen. ACHTUNG: Ihre Sonnenschutzzeit verlängert sich nicht, wenn Sie nachcremen. Sie fangen nicht wieder bei Null an, sondern müssen die Zeit, die Sie schon in der Sonne waren, abziehen. Die Sonnenzeit verlängert sich nur, wenn Sie zwischendurch in den Schatten gehen. 

3. Wie viel Sonnencreme muss ich benutzen?
Pro Eincremen von oben bis unten sollten Sie 30 bis 35 ml benutzen. Hilfestellung: Wenn Sie eine 100 ml-Flasche haben, sollte die Menge für dreimal Auftragen  reichen. Nützlich ist auch die Zwei-Finger-Regel: Zeige- und Mittelfinger rausstrecken und auf beide Finger jeweils einen Streifen Creme auftragen. Und dann: Zwei Finger für Kopf und Hals, zwei für Brust und Bauch, zwei für jeden Arm, zwei für die Oberschenkel, zwei für die Unterschenkel. Wichtig ist auch das Wann: Das Mittel immer eine halbe Stunde, bevor Sie in die Sonne gehen, auftragen. Die Wirkstoffe brauchen Zeit, um vollständig in die Haut einzudringen.

4. Wie hoch sollte der LSF sein?
So hoch wie nötig. Da das von vielen Faktoren abhängt – ob Sie in den Bergen sind oder am Meer, ob Sie dort sporteln oder sonnenbaden –, warum nicht einfach: so hoch wie möglich? Wenn Sie sowieso schon am Eincremen sind, machen Sie es doch gleich mit mindestens LSF 30. Zu dünn aufgetragener Lichtschutzfaktor hat außerdem nicht die volle Schutzkraft. Je höher der LSF, desto höher ist also Ihre Chance, trotzdem ausreichend geschützt zu sein. Keine Sorge: Sie werden trotz hohem Lichtschutzfaktor braun. Es dauert einfach ein bisschen länger.

5. Muss ich mich auch eincremen, wenn ich nur im Schatten liege?
Ja. Hier kommen immer noch 50 Prozent der UV-Strahlung an. Ihre Eigenschutzzeit verdoppelt sich, ist aber trotzdem begrenzt. Die gute Nachricht ist dafür, dass Sie auf Dauer auch im Schatten braun werden.

6. Welche Körperpartien sind besonders empfindlich und brauchen Extra-Schutz? 
Sonnenterrassen wie Nase, Ohren, Schultern. Und natürlich die Kopfhaut. Es gibt zwar spezielle Sprays und Shampoos, doch am besten schützt hier eine Kopfbedeckung. Die deckt auch gleich die Haare ab, die zwar keinen Sonnenbrand kriegen, aber austrocknen können. Auch Augen brauchen unbedingt Schutz, also vor allem in der Mittagszeit immer eine Sonnenbrille tragen. ACHTUNG: Wenn die Haut noch keinen eigenen Lichtschutzfaktor aufgebaut hat, ist sie generell und überall sehr empfindlich, egal, welcher Hauttyp Sie sind. Dann reicht eine Woche Urlaub nicht, um tiefbraun zu werden. Finden Sie sich einfach damit ab: Bronzebraun und trotzdem gesund, das gibt es auf die Schnelle nicht.

7. Milch, Gel, ÖL, Spray – welche Konsistenz ist die richtige für mich?

Die meisten Menschen mit normaler Haut kommen mit normaler Sonnenmilch oder -Lotion gut zurecht. Wer zu Unreinheiten im Gesicht neigt, kann eine leichtere, nicht-komedogene Creme benutzen, die die Poren nicht verstopft. Trockene Haut verträgt die neuen Sonnenöle, die es mittlerweile auch mit sehr hohem Lichtschutzfaktor gibt. Wichtig: Je weniger Duft- und Zusatzstoffe enthalten sind, desto allgemein verträglicher ist ein Produkt. 

8. Gilt bei Sonnencremes: teuer gleich besser?
Nein. Es gibt günstige Drogerie-Produkte mit sehr guten Testergebnissen, die ebenfalls schnell einziehen und angenehm riechen. 

9. Kann Sonnencreme Hautkrebs verhindern?
Nein. Aber das Risiko, dass Hautkrebs entsteht, wird deutlich gemindert. Die Gefahr einer Erkrankung dürfen Sie nie unterschätzen: Experten rechnen allein in diesem Jahr mit 250.000 Neuerkrankungen in Deutschland. Der schwarze Hautkrebs (Malignes Melanom) hat ein jährliche Steigerungsrate von sechs bis acht Prozent – die Häufigkeit der Fälle verdoppelt sich also alle zehn Jahre. Damit ist der Hautkrebs die häufigste Tumorart in Deutschland. Vorbeugen können Sie einzig und allein mit einem ausreichender Schutz vor UV-Strahlung. Übrigens: Mittlerweile bietet jede gute Hautarztpraxis einen Hautkrebs-Check an. Ab einem Alter von 35 Jahren übernimmt die Krankenkasse alle zwei Jahre eine Untersuchung, einige Kassen sogar früher.

10. Sollte ich im Sommer jeden Tag LSF verwenden – auch wenn ich gar nicht im Urlaub bin?
Ja. Der Sonne ist es egal, ob Sie am Strand liegen oder durch die Stadt laufen. Experten empfehlen, Gesicht und Hände ab Ostern täglich mit einem Lichtschutzfaktor zu schützen. Bei T-Shirt-Wetter sollen alle Körperteile, die Sie zeigen (Arme, Beine, Dekolleté), eingecremt werden.

Medizinische Beratung: Dr. Reinhard Mrotzek.

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