Pflege-Hype Kokosöl
von Thomas Helbing
Was kann das neue Beauty-Wunder?

Kokosöl gilt als DIE neue Allzweckwaffe in Sachen Schönheit und Pflege: Es soll beim Abnehmen helfen, ebenmäßige Haut zaubern und sogar Heilkräfte haben – und das für nur wenige Euros. Was ist dran am Beauty-Hype?

„Einen Tag ohne Kokosöl gibt es für mich nicht“, so lautet das Schönheitsgeheimnis von Miranda Kerr. Das Topmodel nimmt davon vier Esslöffel täglich zu sich, um Haut und Haare zu pflegen. Gwyneth Paltrow schwört ebenso auf das exotisch duftende Öl – nicht nur in ihrer Salatsoße oder im Smoothie, sondern auch zur Körperpflege als Body-Lotion. Der Beauty-Hype um die Frucht ist aktuell groß.

  • Beauty-Wunder Kokosöl

    Foto: Getty Images

    Stars schwören jetzt auf diese Beauty-Wunderwaffe: Kokosöl, genauer gesagt das gehärtete Kokosfett


STYLEBOOK.de beantwortet die wichtigsten Fragen zur neuen Wunderwaffe:

Was ist Kokosöl?
Eigentlich muss es Kokosfett heißen, da es bei Zimmertemperatur (20 Grad Celsius) cremig ist und erst bei ca. 25 Grad Celsius flüssig wird. Kokos-Fett wird aus dem getrockneten Fruchtfleisch der Kokosnuss gewonnen und besteht zu etwa 90 Prozent aus gesättigten Fetten. Hauptbestandteil des Kokosfetts ist die Fettsäure Laurin. Dieser werden positive Eigenschaften nachgesagt, die sich unter anderem auf das Herz-Kreislaufsystem und den Cholesterinspiegel auswirken, sowie den Stoffwechsel ankurbeln sollen. Angeblich soll Kokosfett deshalb sogar beim Abnehmen helfen. Die ebenfalls im Kokosfett enthaltene Caprylsäure hat antibakterielle Eigenschaften.

Ist Kokosfett gesund?
Den Hype ums Kokosfett kann Ernährungsexpertin Dagmar von Cramm nicht nachvollziehen. „Kokosfett besteht hauptsächlich aus gesättigten Fettsäuren, die sind nun mal einfach ungesund“, so die renommierte Food-Journalistin im STYLEBOOK-Interview. „Wer einfach sein Raps- oder Olivenöl gegen Kokosfett auswechselt, wird nicht plötzlich gesünder.“ Ihr Tipp: Kalt gepresstes Raps-, Walnuss- oder Olivenöl seien für eine gesunde Ernährung viel besser. Auch den therapeutischen Nutzen der im Kokosfett enthaltenen Laurinsäure hält Dagmar von Cramm für aufgebläht. „Natürlich enthalten alle Nahrungsmittel pflanzlichen Ursprungs Bio-Aktivstoffe. Aber im Hinblick auf Laurinsäure besteht noch reichlich Forschungsbedarf. Sinnvoll ist gutes Kokosfett höchstens zum Frittieren, weil es hoch erhitzbar ist. Aber auch Frittiertes bitte nur ab und zu essen!“

Macht Kokosfett schön?
Kalt gepresstes Kokosfett wird nicht nur für die Ernährung, sondern auch für die Körperpflege als neues Wundermittel propagiert. Als Vorbild dienen tropische Urvölker, die Kokosfett schon seit Jahrhunderten als Beauty-Elixier benutzen. Es soll der Haut Feuchtigkeit spenden, Haarspliss bändigen, geruchsbindend wie ein Deo wirken, Make-up entfernen, zur Mund- und Zahnhygiene dienen, als leichter Sonnenschutz taugen und Hautreizungen lindern. Ein wahrer Tausendsassa also?

„Alle Öle und Fette sind gut bei trockener Haut“, sagt Dermatologe Dr. Reinhard Mrotzek. Der Vorteil von Kokosfett sei seine Konsistenz, so der Experte, es ist nicht so schmierig wie andere Öle. Erst beim Auftragen auf der Haut verflüssigt sich Kokosfett. Die dadurch entstehende Verdunstungskälte habe zudem einen kühlenden Effekt. Ein weiterer Pluspunkt gegenüber anderen Ölen sei natürlich der angenehme Kokosduft. Und sonst? Dr. Mrotzek: „Es ist richtig, dass Kokosfett Vitamin E enthält, allerdings kann das in dieser Form gar nicht in die Haut eindringen. Abgesehen davon ist Vitamin C viel wichtiger bei der Hautpflege.“ Gut ist Kokosfett bei gereizter Haut durch den kühlenden Effekt und durch den Anteil an Caprylsäure, die antiseptisch und entzündungshemmend wirkt. Das Fazit vom Experten: „Kokosfett ist nicht das Wundermittel, sein Hype eine Modeerscheinung. Aber natürlich kann man es unbedenklich benutzten.“

Was muss ich beachten beim Kauf?
Die dem Kokos zugeschriebenen Eigenschaften gelten ausschließlich für reines, kalt gepresstes Kokosfett. Das ist wichtig, damit alle Inhaltsstoffe und Fettsäuren erhalten bleiben. Bei Kokosfett mit folgenden Kennzeichnungen greift man zum richtigen: „extra nativ“, „kaltgepresst“, „extra virgin“. Ein gutes, kalt gepresstes Kokosfett in Bio-Qualität kostet ca. 20 Euro pro Kilo. Sofern „gebleicht“, „geschmacksneutral“, „raffiniert“, „desodoriert“ oder „gehärtet“ auf dem Etikett steht, wurde das Kokosfett mechanisch stark verarbeitet und erhitzt – und ist wirkungslos. Auch bei kosmetischen Produkten, die mit Kokos werben, muss man genau die Inhaltsstoffe studieren, ob auch dort wirklich natives Kokosfett drin ist. Oft enthalten sie maximal noch den typischen, exotischen Kokosduft und kaum noch die positiv pflegenden Eigenschaften des Fetts.

FAZIT: Kokosfett kann keine Wunder vollbringen, schlank wird man davon schon gar nicht. Aber es ist ein gutes, günstiges, natürliches Pflegeprodukt bei trockener, gereizter Haut und es pflegt sprödes Haar wieder glänzend. Vorteil des reinen, nativen Kokosfetts: Es enthält keinerlei chemische Zusatzstoffe wie andere handelsübliche Kosmetika.

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