Immer mehr Frauen leiden an der „Stewardessen-Krankheit”
von Laura Pomer
Wenn zu viel Pflege zum Problem wird

Wer quasi über Nacht rote, schuppige Pusteln im Gesicht hat, der leidet wohl an Perioraler Dermatitis, der sogenannten „Stewardessen-Krankheit“. Der Grund dafür ist nicht zu wenig, sondern zu viel Pflege. STYLEBOOK.de verrät, was gegen dieses fiese Beauty-Problem am besten hilft.

Sie entdecken plötzlich rote Bläschen rund um Mund und Nase, die jucken und spannen – und das, obwohl Sie Ihre Haut so gründlich mit zahlreichen Produkten pflegen? Sehr wahrscheinlich ist genau DAS Ihr Problem. STYLEBOOK.de sprach mit der Münchner Dermatologin Dr. med Sabine Zenker über das unangenehme und unschöne Phänomen.

  • Periorale Dermatitis

    Foto: Getty Images

    Periorale Dermatitis ist die Quittung für zu viel oder die falsche Pflege. Aber keine Panik: Wird die sogenannte „Stewardessenkrankheit“ richtig behandelt, verschwindet sie wieder

PERIORALE DERMATITIS – WAS IST DAS?
Der medizinische Fachbegriff beschreibt eine nicht ansteckende Hauterkrankung, die sich „perioral“, also „um den Mund herum“, ansiedelt – meist hervorgerufen durch die falsche oder zu viel Pflege. Wer seine Kosmetik häufig wechselt, zu viele Produkte gleichzeitig verwendet oder ständig Neues ausprobiert, kann Gefahr laufen, eines Tages mit dem lästigen Ausschlag aufzuwachen. „Das Phänomen ist auch als Stewardessenkrankheit bekannt,“ erklärt Dr. med. Zenker. Der Grund: Von Berufswegen kamen Flugbegleiterinnen in Duty-Free-Shops einfach mit zahlreichen Kosmetikartikeln und -pröbchen in Kontakt und konnten so ständig Neues ausprobieren. „Aufgrund des riesigen Angebots heutzutage trifft es aber durchaus auch viele andere Menschen“, so die Expertin.

WIE KOMMEN DIE HAUTVERÄNDERUNGEN ZUSTANDE?
Bei der Perioralen Dermatitis handelt sich um eine Entzündungsreaktion der Haut – eine Art Abwehrreaktion gegen Überpflegung. Die Haut wird trockener und schuppig, sie spannt, bildet Pickel und rote Knötchen. Für Betroffene erscheint es logisch, noch mehr zu cremen, um den Feuchtigkeits- und Fetthaushalt der Haut aufzubessern. Langfristig verschlimmert das die Symptome jedoch, da die Hautzellen in eine Art Abhängigkeit geraten.

Wie Frau Dr. med. Sabine Zenker erklärt, kann die Haut auch scheinbar plötzlich auf ein Produkt reagieren, das sie seit Jahren scheinbar gut vertragen hat. „Durch die ständige Wiederholung kann sich sogar eine Allergie gegen Inhaltsstoffe bestimmter Kosmetika bilden.“

WAS HILFT?
Sobald erste Pusteln oder Entzündungen um Ihren Mund auftauchen: Setzen Sie Ihre Gesichtspflege ab und suchen Sie schnellstmöglich einen Dermatologen auf. „Früher riet man zur sogenannten Nulltherapie“, erklärt Dr. med Zenker, also den Verzicht auf jegliche kosmetischen Produkte. Heute behandeln Hautärzte ihre Patienten in der Regel mit dermatologisch wirksamen Medikamenten, um die Beschwerden zu lindern und eine schnelle Heilung zu fördern. Um spezifisch helfen zu können, muss die Haut zunächst auf etwaige Unverträglichkeiten getestet werden. Je nach Schwere der Erkrankung kann die Vergabe eines niedrig dosierten, wirksamen Antibiotikums nötig sein.

KEINE DOKTOR-SPIELCHEN!
Dr. med. Zenker rät Betroffenen dringend von dem Versuch ab, sich selbst zu therapieren. Höchstens Umschläge mit Schwarztee sind erlaubt, um die die Entzündung fürs Erste zu lindern. Lassen Sie von Salben oder Tinkturen aus der Hausapotheke bitte unbedingt die Finger, speziell von Kortisonsalben. „Diese bringen zwar kurzzeitig eine Besserung“, räumt Dr. med. Zenker ein, „nach dem Weglassen der Salbe tritt jedoch eine sogenannte ‚Entzugsdermatitis‘ auf, mit umso schlimmeren Symptomen.“

Wer an der „Stewardessenkrankheit“ leidet, muss aber die Hoffnung nicht verlieren, jemals wieder strahlend schön auszusehen. Die Entzündungen betreffen nur oberflächliche Schichten der Haut und verabschieden sich mit der richtigen Behandlung meist nach wenigen Wochen, ohne Spuren zu hinterlassen.

UNSERE TIPPS, DAMIT ES GAR NICHT ERST SO WEIT KOMMT:

Verwenden Sie eine geeignete Pflege
Mit Anfang 20 braucht es nicht die reichhaltigste Anti-Aging-Nachtcreme sein – damit würden Sie Ihre Haut bloß überpflegen. Setzen Sie am besten auf ein Produkt mit hohem Wasseranteil und feuchtigkeitsspendenden statt lipidreichen Zusätzen.

Finger weg von Zusätzen
Pflegeprodukte, die Duft- und Konservierungsstoffe enthalten, erhöhen das Risiko auf Periorale Dermatitis. Gehen Sie mit einer pH-neutralen Pflege auf Nummer sicher.

Bleiben Sie bei einem bewährten Produkt
Nicht jedes Kosmetikpröbchen, das in Ihrer Einkaufstüte landet, muss ausprobiert werden. Und auch die Pflege aus der Werbung/Ihrer besten Freundin/aus dem Sonderangebot ist nicht automatisch auch für Ihre Haut geeignet.

Lassen Sie Milde walten
Speziell sensible Typen sollten ihre Haut schonen. Am besten Sie reinigen Ihr Gesicht nur mit lauwarmem Wasser und tupfen es im Anschluss nur vorsichtig mit einem Handtuch ab, anstatt zu rubbeln.

Sparsam eincremen
Morgens und abends das Gesicht einzucremen reicht in der Regel völlig aus.

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