Geschmacksdiktat bei Instagram
von Laura Pomer
Sind diese Bilder zu eklig fürs Netz?

Gertenschlank, enthaart und appetitlich – so lautet das unausgesprochene Beautydiktat für Frauenkörper. Ein gesellschaftliches Problem, das fünf Feministinnen nun mit brutal unzensierten Instagram-Fotos anprangern.

Nicht immer sind die Benutzerrichtlinien auf Instagram, Twitter und Co. ganz nachvollziehbar. Beispielsweise erlauben sie Zeichnungen unbekleideter Frauen samt ihrer Geschlechtsmerkmale. Doch Fotos, die „echte“ nackte Haut zeigen, werden zensiert oder entfernt. Weibliche Realität ist verpönt, auch über die sozialen Netzwerke hinaus – kein Wunder, dass frau sich heutzutage für nachwachsende Härchen, Pickel, Körperflüssigkeiten oder Speckröllchen schämen muss. Doch damit soll jetzt Schluss sein.

  • Arvida Byström

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    Foto: Instagram / arvidabystrom

    Die gebürtige Schwedin Arvida Byström arbeitet als Fotografin in Los Angeles. Auf Instagram zelebriert sie „echte“ Frauenkörper, die – wie ihr eigener – nicht vor nachwachsenden Härchen gefeit sind. Weder unter den Armen, noch ...

Eine „echte“ Revolution
Mit einem großen Gruppen-Interview stellt das Lifestyle-Magazin „Dazed & Confused“ nun fünf Frauen vor, die gegen das Perfektionsdiktat und die zweifelhaften Bestimmungen von Instagram vorgehen: Saerah Lee, Arvida Byström, Molly Soda, Alexandra Marzella und Rupi Kaur. Mit Selfies und Fotografien verfechten sie den weiblichen Körper, der nicht immer perfekt sein kann, und setzen ihn provozierend und mitunter anstößig in Szene.

thank you @instagram for providing me with the exact response my work was created to critique. you deleted a photo of a woman who is fully covered and menstruating stating that it goes against community guidelines when your guidelines outline that it is nothing but acceptable. the girl is fully clothed. the photo is mine. it is not attacking a certain group. nor is it spam. and because it does not break those guidelines i will repost it again. i will not apologize for not feeding the ego and pride of misogynist society that will have my body in an underwear but not be okay with a small leak. when your pages are filled with countless photos/accounts where women (so many who are underage) are objectified. pornified. and treated less than human. thank you. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀ ⠀⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀⠀ ⠀ ⠀⠀⠀ ⠀ this image is a part of my photoseries project for my visual rhetoric course. you can view the full series at rupikaur.com the photos were shot by myself and @prabhkaur1 (and no. the blood. is not real.) ⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀ ⠀⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀⠀ ⠀ i bleed each month to help make humankind a possibility. my womb is home to the divine. a source of life for our species. whether i choose to create or not. but very few times it is seen that way. in older civilizations this blood was considered holy. in some it still is. but a majority of people. societies. and communities shun this natural process. some are more comfortable with the pornification of women. the sexualization of women. the violence and degradation of women than this. they cannot be bothered to express their disgust about all that. but will be angered and bothered by this. we menstruate and they see it as dirty. attention seeking. sick. a burden. as if this process is less natural than breathing. as if it is not a bridge between this universe and the last. as if this process is not love. labour. life. selfless and strikingly beautiful.

Ein von Rupi Kaur (@rupikaur_) gepostetes Foto am

Tabu-Bruch Periode
Rupi Kaur hatte im Frühjahr für Aufregung gesorgt, als sie die Rückansicht einer Frau mit Menstruationsflecken auf der Jogginghose postete. Mit der Begründung, das Bild würde gegen die Instagram-Richtlinien verstoßen, wurde es durch die Betreiber der App gelöscht – die Fotografin lud es erneut hoch. „Das Mädchen ist komplett bekleidet“, so ihre Rechtfertigung, „weder greift das Motiv eine bestimmte Gruppierung an, noch ist es Spam.“ Als Frau blute Rupi halt jeden Monat, damit die Existenz der Menschheit ermöglicht wird. Dass dieser Prozess als weniger natürlich angesehen wird, als das Atmen, empfindet sie als sexistische „Gewalt und Degradierung“.

Gegenüber „Dazed & Confused“ bestätigen auch ihre Kolleginnen Marzella, Lee, Byström, und Soda, dass derartige Darstellungen erlaubt sein müssen. „Es ist nur ein menschlicher Körper“, argumentiert etwa Saerah Lee und appelliert, jeder solle diesen so zeigen, wie er ist – ob stoppelig, vernarbt, verpickelt oder blutverschmiert. „Brustwarzen sind Brustwarzen, Hintern sind Hintern“, so Lees Überzeugung, „übrigens auch unabhängig vom Geschlecht.“




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