Heisse Zitrone trinken, das Bett hüten
von Laura Pomer
7 Dinge, die Sie bei einer Erkältung niemals tun sollten

Heiße Zitrone und ein heißes Bad machen? Stimmt gar nicht! Viele Mythen zum Thema Erkältung halten sich hartnäckig. STYLEBOOK hat beim Experten nachgefragt, was dran ist.

Menschen leiden 200 bis 300 Mal im Laufe ihres Lebens an einer Erkältung. So viel Übung macht zum Experten – sollte man meinen. Und doch nehmen wir bis heute Ammenmärchen zum Thema Kranksein für bare Münze. STYLEBOOK.de hat sich von Dr. Thomas Georgi, Allgemeinarzt aus Berlin, über die hartnäckigsten Mythen aufklären lassen und welche Dinge Sie bei fiesem Schnupfen, Husten und Halsweh besser lassen.

  • Erkältete Frau

    Foto: getty images

    Herbstzeit ist Märchenzeit: STYLEBOOK.de deckt die hartnäckigsten Erkältungsmythen auf

1. Fehler: Heiße Zitrone trinken
Mythos:
Frische Zitrone ausgepresst, heißes Wasser drauf und Prost – das schlägt die Erkältung in die Flucht!
Was ist dran?
Wahr ist, dass Vitamin C aus Zitronen die Abwehrkräfte unterstützen kann. Das Problem: Es ist sehr temperaturempfindlich und wird, allzu stark erhitzt, unwirksam. „Besser, Sie geben den Zitronensaft erst ins Wasser, wenn es auf eine trinkbare Temperatur abgekühlt ist“, rät Dr. Georgi.

2. Fehler: Antibiotikum nehmen
Mythos:
Ein Antibiotikum beseitigt die Erkältung effektiv.
Was ist dran?
Es stimmt, dass Antibiotika bakteriellen Infektionen ein nachhaltiges Ende bereiten können. Die meisten Erkältungskrankheiten und Atemwegsinfektionen jedoch werden nicht von Bakterien, sondern von Viren verursacht – „und dagegen sind Antibiotika wirkungslos“, erklärt der Allgemeinarzt.

3. Fehler: Permanent das Bett hüten
Mythos:
Kranke gehören ins warme Bett und sollten bloß nicht vor die Tür gehen.
Was ist dran?
Der Unterschied zwischen der beheizten Wohnung und den kühlen Temperaturen draußen kann den geschwächten Körper belasten. „Der Organismus versucht, die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. Dadurch ziehen sich die Blutgefäße zusammen, die Durchblutung ist erschwert.“ Im schlimmsten Fall könnte sich das Befinden dadurch verschlechtern – aber: „Frische Luft tut gut! Solange Sie entsprechend warm gekleidet sind, brauchen Sie die Kälte nicht zu fürchten.“

4. Fehler: Grippeimpfung
Mythos: Wer gegen die Grippe geimpft ist, wird gar nicht erst krank.
Was ist dran?
Nicht viel! Da eine einfache Erkältung durch verschiedene Erreger ausgelöst werden kann, bietet die Impfung beim Arzt keinen zuverlässigen Schutz vor Krankheiten im Allgemeinen. Selbst mit der tatsächlichen Grippe, der sogenannten Influenza (eine ernstzunehmende und im schlimmsten Fall sogar tödliche Erkrankung) kann die Impfung es nur bedingt aufnehmen. Wie eine Studie des amerikanischen Zentrums für Gesundheitskontrolle (CDC) belegt, ist das Mittel nur gegen vier der unzähligen Influenza-Viren wirksam.

5. Fehler: Ein heißes Bad nehmen oder in die Sauna
Mythos: Ein paar Mal in die Sauna und schon ist man wieder gesund – denn wo sonst lässt sich die Erkältung besser rausschwitzen!
Was ist dran?
Es stimmt, dass wechselnde Temperaturen das Immunsystem stärken. Ist die Erkrankung aber bereits ausgebrochen oder fühlen Sie sich schlapp, sollten Sie keinesfalls in die Sauna gehen: „Die extreme Hitze stellt eine enorme Belastung für das geschwächte Kreislaufsystem dar“, warnt Dr. Georgi. Danach sind sie erst richtig krank. Und selbst die allseits gelobte heiße Wanne strengt zu sehr an. „Wer Fieber hat, sollte besser kein Erkältungsbad nehmen.“

6. Fehler: Heiße Milch mit Honig bei Halsschmerzen
Mythos: Ein Glas heiße Milch mit Honig tut dem Rachen bei Halsschmerzen gut.
Was ist dran?
Eher das Gegenteil ist der Fall. Durch die Wärme breitet sich die Halsentzündung erst so richtig schön aus und dauert gleich ein paar Tage länger. Außerdem verschleimt Milch zusätzlich den Rachen. Bedeutet: Bei Halsschmerzen ausschließlich lauwarmen oder abgekühlten Tee (z. B. Salbei) trinken. Auch säurehaltige Getränke wie die schöne heiße Zitrone (siehe Fehler 1) oder ein Glas Orangensaft reizen die Schleimhäute zusätzlich.

7. Nicht zum Arzt gehen
Mythos:
So eine Erkältung vergeht von selbst, zum Arzt muss man deshalb nicht.
Was ist dran?
Ein gewöhnlicher Schnupfen ist in der Regel nach neun Tagen vergessen – in dieser Zeit sind Anfangs-, Akut- und Spätphase inbegriffen. Nimmt Ihre Erkältung nicht den klassischen Verlauf, dauert länger oder wird von eitrig-gelbem Nasensekret begleitet, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Speziell mit Fieber ist nicht zu spaßen. Wer länger als zwei bis drei Tage unter stark erhöhter Temperatur leidet, sollte vom Experten untersuchen lassen, ob eine echte Grippe dahintersteckt.




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