Pflege-Irrtümer entlarvt
von Julia Wagner
12 Beauty-Mythen, die wir 2016 nicht mehr glauben

Viele Frauen lieben es, Kosmetikprodukte einzukaufen und Neues auszuprobieren – und geben dafür gerne viel Geld aus. Einige Produkte halten aber längst nicht, was sie versprechen und sind schlicht überflüssig. STYLEBOOK hat mit Experten den Beauty-Check gemacht, damit Sie im neuen Jahr nicht mehr in die Beauty-Falle tappen.

Viel hilft leider (nicht) immer viel. Einige Produkte, die fast alle von uns Frauen im Beauty-Schrank haben, erfüllen einfach nicht das, was sie versprechen. STYLEBOOK.de machte den Experten-Check, von welchen Produkten wir uns trennen sollten – und was stattdessen wirklich hilft:

1. Anti-Aging Cremes mit teuren Zusätzen
Inhaltsstoffe wie Gold, Kaviar, Q10 oder Hyaluronsäure klingen vielversprechend, bringen aber wenig. „Die Wirkstoffe sind grundsätzlich gut für die Haut, doch die Moleküle sind meist zu groß, um durch die oberste Hautschicht zu dringen. Ihre potenzielle Wirkung verpufft auf der Oberfläche“, so der Münchner Dermatologe Josef Pilz im STYLEBOOK-Interview. Fazit: Die teuren Pflegestoffe bleiben auf der Haut und setzen keinen Anti-Aging-Prozess in Gang.
Tipp: „Mit einer leichten, feuchtigkeitsspendenden und gut verträglichen Creme unterstützen Sie die Haut optimal und wirken auch ohne teures Anti-Aging-Programm der natürlichen Hautalterung entgegen”, so Josef Pilz. Sein Anti-Aging-Tipp: Auf Vitamin-A- und Vitamin-C-Säure in einer hohen Konzentration von fünf Prozent setzen.

  • Model Backstage Beauty

    Foto: getty images

    Wir alle lieben Beauty-Produkte. Doch viele von ihnen sind teuer und schlichtweg überflüssig


2. Teure Augencremes
Hier gilt dasselbe wie bei den kostspieligen Zusätzen in Anti-Aging-Produkten – sie können in die Haut nicht eindringen. Auch Cremes, die Hilfe gegen Augenringe versprechen, sind laut Josef Pilz eine Mogelpackung. „Augenschatten sind meist genetisch bedingt und können nicht weggecremt werden”, so Pilz. Augenpflege per se ist allerdings nicht schlecht, um die besonders dünne Haut um die Augen zu pflegen, erklärt auch Pilz.
Tipp: Eine feuchtigkeitsspendende Augenpflege reicht für ein gutes Hautgefühl aus. Gegen Augenringe hilft allerdings nur gelbe Abdeckcreme, die den Hautton neutralisiert.

3. Cellulitecremes
Cellulite-Cremes schaffen es nicht, tief unter die Haut in die Fettzellen einzudringen. Weder Studien noch Produkttests kamen bisher zu dem eindeutigen Schluss, dass diese Produkte gegen Orangenhaut helfen. Die Wirkung teurer Cellulitecremes geht nach Meinung von Josef Pilz nicht über die einer herkömmlichen Körperlotion hinaus – der Unterschied steckt hier vor allem im Preis. „Für ein besseres Hautbild sorgt einzig der Massageeffekt einer Creme, weil damit die Durchblutung angeregt wird”, so Pilz.
Tipp: „Nur gesunde Ernährung und Sport kann Cellulite effektiv mindern”, sagt Josef Pilz. Zur Massage empfiehlt er eine herkömmliche Bodylotion. Unser Tipp: Selbstbräuner auftragen, denn bei leicht gebräunter Haut wirken die unschönen Dellen weniger auffällig.

4. Detox-Produkte
„Aus wissenschaftlicher Sicht ist das Entgiften Blödsinn”, erklärt Ernährungsexperte Sven-David Müller. Sogenannte Detox-Tees, -Beautyprodukte oder Smoothies wirken meist bloß abführend. Gift wie Alkohol wird von der Leber abgebaut und nicht von einem Tee, Nahrungsergänzungsmittel oder einer Bodylotion ausgeschwemmt. Bei einer Umfrage der englischen Organisation Sense about Science 2009 konnte keiner der 15 befragten Anbieter von Detox-Produkten die vermeintlich schädlichen Gifte nennen, geschweige denn die Wirkung ihrer Produkte bestätigen. Detox-Produkte machen also einzig das Portemonnaie schlanker.
Tipp: Wenn Sie sich etwas Gutes tun wollen, dann gehen Sie viel an die frische Luft, machen Sie Sport und ernähren Sie sich gesund und ausgewogen – und zwar regelmäßig, empfiehlt auch Müller.

5. Porenverfeinernde Seren
„Die Größe unserer Poren ist genetisch bedingt, an der Anzahl der Poren können wir also nichts ändern, auch Crèmes oder Seren schaffen das nicht”, erklärt Josef Pilz. Sogenannte „porenverfeinernde” Produkte kaschieren diese also rein optisch. Dabei legen sich die enthaltenen Polymere in das Loch und verhindern so, dass sich das Licht in der Vertiefung bricht. Für das Make-up bildet sich hiermit eine scheinbar porenfreie Basis.
Tipp: Je praller die Haut ist, desto kleiner sind auch die Löcher. Setzen Sie also lieber auf feuchtigkeitsspendende Pflege. „Aknecremes mit leichter Fruchtsäure wirken wie eine milde Schälkur und lassen das Hautbild feiner wirken. Die bekommen sie sehr günstig vom Hautarzt verschrieben”, empfiehlt Josef Pilz. Sorgen Sie außerdem mit ausreichend Lichtschutz vor, denn wenn die Haut schneller altert, wird sie schlaff und die Poren dehnen sich zusätzlich aus.

6. Öle gegen Schwangerschaftsstreifen
Die schlechte Nachricht: „Gegen unschöne Schwangerschaftsstreifen hilft tatsächlich nichts, schon gar nicht vorbeugend”, so Dermatologe Josef Pilz. Der Grund: Wenn das Unterhautgewebe reißt, hilft auch kein Öl mehr. So weit kann ein Öl in die Haut gar nicht eindringen.
Tipp: „Versuchen Sie Ihr Gewicht möglichst konstant zu halten und nach einer Schwangerschaft relativ bald wieder zu normalisieren, dann bilden sich die meisten Schwangerschaftsstreifen von alleine wieder zurück”, rät Josef Pilz.

7. Make-up-Schwämmchen
Es gibt einen guten Grund, warum viele Make-up-Profis Foundation mit den bloßen Fingern auftragen – es sieht einfach natürlicher aus. Trägt man Make-up mit einem Schwämmchen auf, erwischt man meist zu viel und sieht schnell überschminkt aus. Außerdem sammeln sich auf dem Schwämmchen gerne Bakterien an, die zu Unreinheiten führen können.
Tipp: Foundation einfach mit den Fingern auftragen und sanft wie ein Serum einklopfen.

8. Wimpernzangen
Der Effekt, dass sich Wimpern dank Wimpernzange schön nach oben schwingen, hält nur wenige Sekunden an. Ohne Unterstützung von Mascara bleibt der schöne Schwung also nicht lange bestehen. Außerdem kann die falsche Anwendung oder ein günstiges Produkt mehr Schaden anrichten und die Härchen abbrechen.
Tipp: Sorgfältiges Tuschen mit Mascara reicht in den meisten Fällen aus. Wenn schon extra Schwung, dann unbedingt auf eine hochwertige Zange setzen mit Silikonpölsterchen zwischen den Metallschienen, damit die Wimpern nicht brechen.

9. 2 in 1 Produkte
Shampoo & Spülung in einem Produkt, klingt toll, kann aber nicht funktionieren. „Ein Produkt kann nicht waschaktive Substanzen enthalten und pflegen”, so der Berliner Friseur Michael Manthei. Viele dieser Produkte enthalten deshalb Silikon. Es legt sich um das Haar, glättet es und lässt es optisch gut aussehen, gepflegt wird es dabei allerdings nicht. Denn: Billigsilikone beschweren und verkleben das Haar – Pflegestoffe können dann nicht mehr eindringen. „Sie bekämpfen damit nur die Symptome”, so Manthei.
Tipp: „Nehmen Sie sich für die Haarpflege einfach ein bisschen Zeit”. Der Profi empfiehlt Shampoo und Kur extra anzuwenden. Wer es sehr eilig hat, sollte lieber etwas Haaröl in die noch feuchten Spitzen kneten, ohne es auszuspülen. Das sorgt ebenfalls für einen schönen Glanz – pflegt aber obendrein.

10. Intimwaschlotionen
Zuviel Pflege schadet dem Intimbereich, denn aggressive Reinigungsprodukte (vor allem diese mit Duftstoffen) zerstören den natürlichen Säureschutzmantel der Haut und trocknen die Schleimhäute aus. Das macht sie anfällig gegenüber Keimen, Bakterien und Pilzen, die leichter eindringen können. Die Folge können Scheidenpilzinfektionen sein.
Tipp: Waschen mit lauwarmen Wasser ist grundsätzlich ausreichend. Wem das nicht reicht, der sollte darauf achten, dass die Produkte frei von Duftstoffen sind und Milchsäure enthalten. Diese kann den natürlichen Schutzwall der Scheide unterstützen.

11. Vergrößerungsspiegel
Es ist nicht nur manchmal sehr deprimierend, seine Poren oder Mitesser aus der Nähe zu betrachten, sondern meist auch nicht förderlich für die Schönheit. Denn: Vergrößerungsspiegel verführen dazu, an Unreinheiten herum zu drücken – und diese damit auch zu verschlimmern. Wer außerdem seine Augenbrauen vor dem Vergrößerungsspiegel zupft, neigt dazu, zuviele Härchen zu entfernen. Problem: Irgendwann wachsen die dünnen Brauen nicht mehr nach.
Tipp: Schmeißen Sie den Vergrößerungsspiegel einfach weg. Unreinheiten und Augenbrauen sollten Sie ausschließlich Experten überlassen.

12. Aufhellende Zahncremes
Zahnpasta mit „Weiß-Effekt” kann den Zahn nicht bleichen, höchstens oberflächliche Ablagerungen wie etwa die von Wein, Kaffee, Tee oder Zigaretten abtragen und somit den ursprünglichen Zustand wieder herstellen. Das Problem: Aufhellende Zahncremes enthalten mehr Schleifkörper als herkömmliche Produkte. Bei einer regelmäßigen Anwendung wird der Zahnschmelz davon abgescheuert. Verantwortungsvolle Zahnärzte raten ihren Patienten daher von diesen Produkten ab.
Tipp: Greifen Sie zu normaler Zahnpasta und lassen Sie Ihre Zähne nur beim Zahnarzt aufhellen. Dieser kann abklären, welches für Sie die schonendste Methode ist und ob Ihre Zähne überhaupt für die Prozedur geeignet sind.

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