Thema

Macht Fett wirklich fett? Ist Fleisch ungesund?
von Laura Pomer
Die 10 hartnäckigsten Ernährungsmythen

Magerquark macht mager, Kohlenhydrate sind böse – Ernährungsweisheiten gibt es viele, vor allem viele, die überhaupt nicht stimmen. STYLEBOOK.de sprach mit einem Experten darüber, was an den Mythen dran ist, die sich seit Jahren hartnäckig halten.

In dem Versuch, möglichst gesund zu essen, nehmen wir vermeintliche Ernährungsweisheiten schnell für bare Münze – dabei sind viele von ihnen glatter Unsinn. Mit Unterstützung von Sven-David Müller, Medizin-Journalist und Buchautor („Die dicksten Diät-Lügen“, Schlütersche-Verlag), räumt STYLEBOOK.de mit den zehn hartnäckigsten Mythen auf.

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1. FLEISCH IST UNGESUND!
Der Mythos: Erhöhte Cholesterinwerte, Übergewicht, Gicht – Fleisch wird die Ursache für verschiedene gesundheitliche Probleme zugeschrieben.
Die Wahrheit:Fleisch liefert dem Menschen vor allem Eiweiß, Eisen und Energie“, klärt Müller auf. In Rindfleisch stecke eine Menge Zink, im verpönten Schweinefleisch B-Vitamine und in Huhn besonders viel Protein. Übertreiben sollte man es trotzdem nicht – immerhin sei speziell in Wurstwaren viel Fett enthalten.
Fazit: Pro Woche sind 600 Gramm Fleisch erlaubt und eher gesund als bedenklich.

2. KOHLENHYDRATE SIND „BÖSE“!
Der Mythos: Kartoffeln, Reis, Pasta und Co. sollen dick machen und aus gesundheitlicher Sicht völlig unnötig sein. In Zeiten von Low-Carb, No-Carb und der Paleo-Diät streichen daher immer mehr Menschen Kohlehydrate im Dienste der schlanken Linie völlig vom Ernährungsplan.
Die Wahrheit:Kohlehydrate sind, im Gegenteil, überlebenswichtig!“, widerspricht Müller. „Das Herz, das Gehirn und andere Körperzellen benötigen Kohlenhydrate, um zu funktionieren.“ Dass man durch das Reduzieren von Kohlenhydraten abnimmt, liegt daran, dass der Körper seine Stoffwechselprozesse langfristig umstellt und benötigte Energie aus dem Eiweiß zieht – eigentlich ein ungesunder Effekt, der aus Mangel entsteht.
Fazit: Ein gesunder Körper braucht täglich etwa 100 Gramm Kohlenhydrate. Und wohl nicht grundlos schwören Sportler auf Pasta für schnelle Energie – und die sehen doch ziemlich gesund aus, oder?

3. VEGANER HABEN MANGELERSCHEINUNGEN!
Der Mythos: Während Vegetarier noch Milchprodukte und Eier haben, um ihren Bedarf an Calcium, Eiweiß und Co. zu decken, sind Veganer dringend auf Nahrungsergänzungsmittel angewiesen – so denken zumindest viele.
Die Wahrheit:Auch eine vegane Ernährung kann optimal zusammengestellt sein“, weiß Diät-Experte Müller. So enthalten Meeresalgen große Mengen des Spurenelements Jod und verschiedene Gemüsesorten enthalten Eisen, was, speziell in Kombination mit Vitamin-C-reicher Kost, gut vom Körper aufgenommen werden kann. „Pseudogetreidearten wie Amaranth und Quinoa sind außerdem reich an Mineralstoffen, Vitaminen und Protein“, so Müller.
Fazit: Veganer haben es zwar schwerer, ihren Nährstoffbedarf zu decken, als jene, die sich von Mischkost ernähren. Mit einem guten Wissen über die Eigenschaften von Lebensmitteln und der Bereitschaft, sich täglich mit einem vielseitigen Speiseplan auseinanderzusetzen, funktioniert das aber problemlos. 

4. VON OBST KANN MAN GAR NICHT ZU VIEL ESSEN!
Der Mythos: Früchte werden als das perfekte Diät-Lebensmittel gehandelt: Sie schmecken herrlich süß, ohne dick zu machen – und sind obendrein gesund.
Die Wahrheit:Achtung! Obst enthält viel Fruchtzucker“, warnt der Diät-Experte. Und davon seien zu große Mengen genauso schädlich wie zu viel Haushaltszucker. Wer also zusätzlich zu seiner gewöhnlichen Ernährung drei Bananen isst (eine Banane kommt pro Stück auf etwa hundert Kalorien und fast 14 Gramm Zucker), hat eine ganze Menge Zusatzenergie getankt.
Fazit: Obst ist gesund, aber auch hier nur in Maßen. Ernährungsexperten empfehlen zwischen 250 und 350 Gramm Obst am Tag. Greifen Sie außerdem lieber zu Obst mit weniger Fruchtzucker wie etwa Blaubeeren statt zu sehr „süßen” Sorten wie Datteln oder Weintrauben.

5. LIGHT-PRODUKTE HELFEN BEIM ABNEHMEN!
Der Mythos: Den gleiche Geschmack, aber viel weniger Kalorien – Light-Produkte sind also ideal zum Abnehmen.
Die Wahrheit: Beim Schlankbleiben helfen Low-Fat-Lebensmittel trotzdem kaum, warnt Diät-Berater Müller. „Der gierige Mensch denkt: fettreduzierte Leberwurst? Dann darf ich sie umso dicker aufs Brot streichen!“ Genauso verhält es sich natürlich mit anderen Halbfett-Produkten. Wer doppelt so viel davon isst, hat am Ende nichts gewonnen.
Fazit: Hier ist Achtsamkeit gefragt. Nur wer „echten“ Zucker eins zu eins durch Süßstoff, spart tatsächlich Kalorien.

6. SAFT IST GESUND!
Der Mythos: Für die meisten Menschen gehört ein Smoothie oder ein Glas Orangensaft, gerne frisch gepresst, auf den Frühstückstisch – schließlich stecken darin viele Vitamine.
Die Wahrheit: Experte Müller warnt: „Wer sein Obst auspresst, zerstört seine Struktur und damit die gesunden Substanzen.“ Weil der Körper kaum Mühe hat, die aufgenommene Flüssigkeit zu verarbeiten, gelangt die Glukose ruckzuck über den Darm ins Blut. Dadurch schießt der Blutzuckerspiegel in die Höhe und es wird vermehrt Insulin ausgeschüttet – hier lauert die Gefahr für Diabetes und Übergewicht. Mehr Informationen zu Fruchtsäften finden Sie hier.
Fazit: Fruchtsaft ist lecker und natürlich nicht verboten. Genießen Sie ihn jedoch in Maßen und achten im Hinblick auf eine figurbewusste Ernährung auch auf seine Nährwerte – 200- Milliliter Orangensaft, also ein normal großes Glas, kommt auf fast 100 Kalorien, Traubensaft sogar auf 140!

7. SPÄT ESSEN MACHT DICK!
Der Mythos: Wer nach 18.00 Uhr noch ordentlich reinhaut, nimmt schneller zu.
Die Wahrheit: Ein fetter Schweinebraten mit Klößen hat mittags genauso viele Kalorien wie abends. Und „am täglichen Kalorienbedarf eines Erwachsenen ändert die Uhrzeit gar nichts“, so Müller. Wie der Ernährungsexperte weiter anführt, fällt die Hauptmahlzeit im südländischen Raum und in tropischen Ländern immer auf den Abend, da es vorher schlichtweg zu heiß wäre – „und dort sind die Menschen eher schlanker, als bei uns.“
Fazit: Ob jemand zunimmt oder nicht, hängt davon ab, wieviel er isst – und nicht wann.

8. GLUTEN IST SCHLECHT FÜR DEN KÖRPER!
Der Mythos: Die Kennzeichnung „glutenfrei“ auf Lebensmitteln ist dieser Tage gleichbedeutend mit „gesund“ oder „bekömmlich“, Gluten gilt gemeinhin als schädlich für den Körper.
Die Wahrheit:Sofern Sie nicht an Gluten-Sensitivität leiden, hat Gluten keinen negativen Effekt für Ihren Körper“, weiß der Ernährungsexperte. Wenn Sie permanent mit Bauchschmerzen zu kämpfen haben oder stark an Gewicht verlieren – „lassen Sie sich auf Zöliakie untersuchen“, rät Müller. Die Wahrscheinlichkeit auf diesen Befund ist jedoch sehr gering: In Deutschland sind nur 0,3 Prozent der Bevölkerung betroffen. Mehr Informationen über Gluten finden Sie hier!
Fazit: „Gluten ist nichts weiter als eine Backzutat, die für die elastische Konsistenz von Teig und Saftigkeit von fertig gebackenem Brot sorgt“, erklärt Sven-David Müller. „Für den gesunden Menschen bringt es keinerlei Vorteil, auf Gluten zu verzichten. Weder für den Darm noch sonst irgendwas.“

9. HONIG IST BESSER ALS ZUCKER!
Der Mythos: Zucker macht dick und ist schlecht für die Zähne, so heißt es, Honig hingegen ist entzündungshemmend und viiiiel gesünder.
Die Wahrheit: „Die vermeintlichen Heilkräfte von Supermarkt-Honig werden spätestens bei der industriellen Verarbeitung zerstört“, warnt Müller. Kalorien haben beide Süßmacher, wobei der im Honig enthaltene Fruchtzucker obendrein appetitanregend wirke. „Und seine klebrige Konsistenz ist im Hinblick auf Karies umso bedenklicher.“ 
Fazit: Der Vitamin- und Mineralstoffgehalt in Honig ist minimal höher als in Industriezucker. Wer gerne Tee mit Honig trinkt, soll ihn weiterhin genießen – aber danach gut Zähneputzen!

10. FETT MACHT FETT!
Der Mythos: Auf fettreiches Essen sollte generell weitgehend verzichtet werden, da es dick macht.
Die Wahrheit: „Das stimmt so einfach nicht!“ Laut Diät-Assistent Müller belegen verschiedene wissenschaftliche Studien sogar das Gegenteil. Eine Handvoll Mandeln, Macadamia- oder Walnüsse täglich helfen dabei, den Körperfettanteil zu reduzieren, „obwohl Nüsse zu den fettreichsten Lebensmitteln überhaupt gehören.“ Bei tierischen Fetten – Butter, Sahne, fettem Käse oder Fleisch – sei hingegen Vorsicht geboten. Hierbei handele es sich um sogenannte gesättigte Fett- und Transfettsäuren, die Herz, Gefäße und auch die schlanke Linie belasten.
Fazit: Keine Angst vor pflanzlichen Fetten (enthalten etwa in Raps- oder Leinöl, Nüssen, Avocado und Co.) oder Omgea-3-Fettsäuren aus Fischfett, wie etwa bei Lachs. Sie sind sogar gesundheitsförderlich und machen nicht dick.


 


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