Botox: 10 Dinge, die Sie über das Nervengift wissen sollten!

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Faltenkiller boomen auch in Deutschland
von Julia Wagner
10 Dinge, die Sie über Botox wissen sollten

Das Geschäft mit Faltenkillern boomt wie nie. Alleine 2013 ließen sich eine halbe Million Menschen in Deutschland Botox spritzen. Zum Vergleich: 2012 waren es noch 70.000. Doch die Methode ist noch immer umstritten. STYLEBOOK hat Experten die 10 wichtigsten Fragen zum Thema Botox gestellt.

Faceliftings sind out. Kleine, sogenannte minimalinvasive Eingriffe, dafür in. Besonders Botulinumtoxin A, kurz „Botox“ genannt, wird als „Falten-Killer“ immer beliebter. Es lähmt die Muskulatur und verhindert so, dass sich Falten tiefer eingraben. Wie die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtet, ließen sich 2013 allein in Deutschland eine halbe Million Menschen kosmetisch mit Botox behandeln.

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Auch wenn dank prominenter Beispiele der Eindruck entsteht, dass Botox fast schon so normal sei wie ein Besuch bei der Kosmetikerin, handelt es sich dabei um einen medizinischen Eingriff mit Risiken und Nebenwirkungen. Wir haben zwei Experten befragt, wie man mit Botox richtig umgeht: Die Ärztin Dr. Eva Wegrostek führt in Wien eine Praxis für ästhetische Medizin und gilt als „Botox-Queen“ Österreichs. Dr. Keywan Taghetchian ist Schönheitsarzt und ärztlicher Leiter von Smoothline in München und Zürich, einer Spezial-Klinik für Botox- und Fillerbehandlungen.

1. Wie finde ich den richtigen Arzt?
„Am besten funktioniert noch immer Mundpropaganda“, meint Dr. Eva Wegrostek. Außerdem sollte man in Erfahrung bringen, wie oft der Arzt die gewünschte Anwendung bereits durchgeführt hat. „Jemand, der mehrmals täglich Botox spritzt, kann es sicher besser als jemand, der es nur zweimal im Monat macht“, so die Beauty-Ärztin. Außerdem sollte man nach der fachlichen Ausbildung des Arztes fragen und der Zugehörigkeit in Fachverbänden, empfiehlt Keywan Taghetchian. Eine Liste mit Ärzten bietet zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Botulinumtoxin-Theraphie (DGBT) an.

2. Wie erkenne ich als Laie, ob ich richtig behandelt werde?
Ein guter Arzt führt von Beginn an eine ordentliche Computer- und Bilddokumentation durch und analysiert die mimische Muskulatur, um einen genauen, individuellen Behandlungsplan aufstellen zu können. Außerdem klärt er über Restrisiken auf: „Ein guter Arzt erklärt Ihnen, wenn aufgrund Ihrer speziellen Gesichts-Anatomie das Ergebnis befremdlich aussehen könnte“, so Wegrostek. So könnten bei manchen Patienten nach einer Botox-Behandlung etwa die Augenbrauen steil nach oben wandern. Ein „schlechtes“ Ergebnis wird von einem guten Arzt aber korrigiert – und zwar kostenlos! Bei der Erstbehandlung sollte der Arzt nach 14 Tagen das Ergebnis überprüfen.

3. Sind blaue Flecken nach einer Behandlung normal?
Ja, ein blauer Fleck bedeute nur, dass der Arzt beim Setzen der Spritze eine kleine Vene erwischt hat, was kein Grund zur Sorge ist. Sehr viele Hämatome sprechen allerdings nicht unbedingt für die Fähigkeit des Arztes.

4. Warum hält Botox bei manchen Patienten drei, bei anderen sechs Monate?
Das liegt vor allem an der Dosis, die individuell verabreicht wird und hängt außerdem von der Anatomie des Gesichtes ab. „Wenn jemand Botox in die Stirn gespritzt bekommt, aber sehr tief sitzende Augenbrauen hat, dann muss die Dosis zum Beispiel geringer sein – sonst würden die Brauen noch mehr absinken“, erklärt Taghetchian. Außerdem spielen der Stoffwechsel jedes Einzelnen eine Rolle dabei, wie schnell das Botox vom Körper abgebaut wird. Auch die Dicke des Muskels, in den gespritzt wird, kann die Dauer der Wirkung beeinflussen.
 
5. Wie vermeide ich das typische „Frozen Face“?
Richtig gut eingesetztes Botox ist niemals sichtbar, sondern wirkt wie ein Weichzeichner für das Gesicht. Die vielen Horror-Gesichter seien die Minderheit und ein Trugschluss, so Keywan Taghetchian, da die Mehrheit der natürlich gespritzten Gesichter einfach nicht auffallen würden. Die verallgemeinerte Angst vor einem „eingefrorenen Lächeln“ sei daher unbegründet: „Ein Spezialist weiß, in welche Muskeln auf keinen Fall gespritzt werden darf, um etwa das Lächeln nicht zu stören“. Außerdem sei es wichtig, nicht zu oft zu spritzen und entsprechend abzuwarten, bis der Körper das Mittel abgebaut hat. „Spritzt man zu häufig, wirkt das Gesicht unnatürlich und starr“, so Taghetchian. Als Faustregel gilt, dass man sich mindestens drei Monate zwischen den Behandlungen Zeit lassen soll.

6. Wie vermeide ich, dass sich mein Selbstbildnis so verzerrt, dass ich andauernd nachspritzen möchte – auch, wenn es längst nicht mehr gut aussieht?
„Ich erlebe häufig, dass Patienten ihre Objektivität verlieren. Auch das Auge adaptiert sich irgendwann und gewöhnt sich an das Aussehen“, so Tagetchian. „Als Arzt kann man da nicht nur Stopp sagen, sonst gehen die Patienten einfach zu einem anderen Kollegen. Wichtig ist vor allem eine gute Fotodokumentation vor und nach der Behandlung. Damit kann man oft einen „Aha-Effekt“ bei Patienten auslösen.“
 
7. Was muss ich nach einer Botox-Behandlung beachten?
Es gibt verjüngende Ultraschall-Theraphien für das Gesicht, die den Abbau von Botox fördern. „Zwischen zwei Botox-Behandlungen sollte außerdem auf jeden Fall ein längerer Zeitraum liegen, um eine Antikörperbildung zu verhindern“, so Wegrostek.
 
8. Gibt es ein Restrisiko?
Ja, denn es handelt sich hier um eine medizinische Behandlung. „Ein Arzt, der nicht über Restrisiken aufklärt, ist unseriös“, erklärt Taghetchian. Es können Allergien, Infektionen (durch den Gebrauch der Spritze) oder Asymmetrien auftreten, wenn das Botox nicht überall gleich wirkt. Die größte Gefahr, so Taghetchian, gehe heute aber von einem unsachgemäßen Gebrauch aus. „Wird eine Injektion falsch dosiert, können die Muskeln im schlimmsten Fall für einige Monate ihre Funktion nicht mehr richtig ausführen.“ Die Gefahr dauerhafter Schäden bestehe jedoch nicht, da das Botox an sich keine bleibende Wirkung habe, so der Experte.

9. Gibt es bereits Langzeitstudien zu Botox?
„Botox wird seit über 25 Jahren angewendet – auch in der klassischen Medizin. Bisher konnten dem Medikament keine bleibenden Schäden nachgewiesen werden“, so Taghetchian.

10. Stimmt es, dass Botox auch als Heilmittel eingesetzt werden kann?
Ja, das Nervengift wird bereits seit den 1980er-Jahren erfolgreich gegen Schielen angewandt und kommt heute oft zum Einsatz, wenn Muskeln krankheitsbedingt überspannt sind, etwa bei Stimmbandproblemen. Heute wird es außerdem erfolgreich gegen übermäßiges Schwitzen eingesetzt, bei Migräne, Zähneknirschen, Depressionen und sogar Akne. „Wir haben gerade als eine der ersten Kliniken in Europa eine Studie dazu abgeschlossen. Das Ergebnis: Bei mittelschwerer Akne können mit Botox sehr gute Ergebnisse erzielt werden“, so Taghetchian.

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