Beauty-Bloggerin schwört auf ungewöhnliche Gesichtsmasken
Kann Sperma schöner machen?

In der Kosmetik herrscht gerade ein riesiger Trend zu nachhaltigen Naturprodukten. Dieser Beauty-Tipp einer britischen Bloggerin ist den meisten von uns dann aber doch zu natürlich: Sie empfiehlt Gesichtsmasken aus Sperma. Ist das purer Unsinn oder bringt das was? Wir haben einen Hautarzt gefragt.

20 Minuten dauert das Video von Tracy Kiss, darin sieht man, wie sie sich zu verträumter Klaviermusik Sperma ins Gesicht schmiert. Nein, Tracy ist keine Pornodarstellerin, sondern ein ehemaliges Model und jetzt Beauty-Bloggerin mit 150.000 Social Media Followern. In ihrem Video-Tutorial legt sie uns nahe, warum sie jetzt auf diese ganz besondere Beauty-Wunderwaffe schwört – und zwar als Gesichtsmaske.

Täglich ins Gesicht geschmiert, sorge dieses natürliche Hausmittelchen für eine geschmeidige und gesunde Haut. „Es ist so angenehm kühlend und beruhigt die Haut“, schwärmt die Bloggerin von dem wertvollen Ejakulat. Sogar ihre von Rosacea – eine Hautkrankheit, die sich in fleckenförmigen, teilweise schuppig auftretenden Rötungen äußert – betroffenen Gesichtspartien seien durch die Sperma-Kur geheilt worden.

Zu Beginn des Videos verweist die 28-jährige zunächst darauf, dass sie „nicht persönlich in den Prozess der Samengewinnung involviert“ sei – ein Freund würde ihr sein Sperma täglich liefern. Die nächsten Minuten zeigen Tracy Kiss dabei, wie sie sich seine freundliche Samenspende mit kreisenden Bewegungen in ihre Gesichtshaut einmassiert. „Das Sperma lasse ich für 20 Minuten einwirken und spüle es dann mit klarem Wasser ab“, erklärt sie ihren Zuschauern.

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    Foto: Getty Images

    Dieses Bild zeigt natürlich kein echtes Sperma-Facial, aber wir tun einfach so!

„Für viele Menschen mag der Gedanke, sich Sperma ins Gesicht zu schmieren, zunächst vielleicht befremdlich scheinen, dabei ist es wirklich eine sehr natürliche und gesunde Sache“, so die Bloggerin im Video. Ah ja. Wir haben bei dem Dermatologen Dr. Reinhard Mrotzek nachgefragt, was wirklich dran ist, an der Sperma-Gesichtsmaske.

Hier seine 5 Gründe, warum Sperma NICHT der nächste Beauty-Hype wird:

1. Es gibt bisher keine wissenschaftlichen Belege
„Ob sich Sperma positiv auf die Gesichtshaut auswirkt, wurde bisher noch nicht wissenschaftlich untersucht, zumindest weiß ich von keiner entsprechenden Studie. Diese wäre natürlich auch etwas schwierig umzusetzen – fraglich wäre nämlich, wo man über einen längeren Zeitraum hinweg das ganze Sperma für hunderte Probanden herbekommen sollte.“

2. Es besteht die Gefahr der Krankheitsübertragung
„Zunächst einmal kann man sagen, dass Sperma für die Haut zumindest nicht schädlich ist, so lange der Mensch gesund ist. Natürlich können über die Spermaflüssigkeit Krankheiten übertragen werden, wie z. B. Hepatitis oder auch Aids. Nicht umsonst gibt es Kondome. Daher sollte man auf keinen Fall auf das Sperma von Fremdspendern zurückgreifen.“

3. Sperma ist hygienisch problematisch
„Im Fall der Bloggerin würde ich eher davon abraten, Sperma auf von der Hautkrankheit Rosacea betroffene Partien zu geben. Bei Rosacea finden entzündliche Prozesse in der Haut statt, weshalb man zur Behandlung normalerweise zu antientzündlichen Substanzen greift – aus hygienischer Sicht scheint mir Sperma da nicht gerade hilfreich zu sein, eher kann es den Entzündungsherd noch zusätzlich befeuern.“

4. Bloßes Einschmieren ist zwecklos
„Bei der Spermaflüssigkeit, die ja die darin enthaltenen Spermien am Leben hält, handelt es sich um eine vitalisierende Substanz, in der reichlich Enzyme, Proteine, Hormone und Spurenelemente stecken. Dies sind Inhaltsstoffe, die grundsätzlich sicher gut für die Haut sein können. Die Frage ist aber, wie diese in die Haut eindringen sollen, denn da reicht einfaches Auftragen nicht aus. In der Kosmetik verwendet man daher Trägersubstanzen, welche die Wirkstoffe in die tieferen Hautschichten transportieren, wo sie dann ihre Wirkung entfalten. Wollte man also die Nährstoffe aus dem Sperma zur Hautpflege einsetzen, müsste man in der Regel zusätzlich auf solche Trägersubstanzen zurückgreifen."

5. Nur Spermin taugt als Anti-Aging-Wirkstoff
„Tatsächlich hat eine norwegische Firma bereits etwas ähnliches getan und für die Formulierung einer Anti-Aging-Creme Spermin, einen natürlichen Zellstabilisator, der in Sperma und anderen Körperflüssigkeiten vorkommt, einfach chemisch nachgebaut. Ob nun aber auch pures Sperma zu einer guten Haut verhilft, hängt natürlich nicht zuletzt auch davon ab, wie oft und in welcher Menge man es verwendet. Ich bin da jedenfalls sehr skeptisch."

Die Herren der Schöpfung dürfen an dieser Stelle einmal aufatmen. Eure Freundinnen werden euch künftig nicht als persönlichen Lieferservice für Gesichtspflege verpflichten – diesen Beauty-Trend setzen wir ausnahmsweise lieber aus!

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