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Abnehmen mit Schwangerschaftshormonen?
Effektiv oder gefährlich – Was kann die hCG-Diät wirklich?

Eine Diät, die täglich 500 Kalorien erlaubt und zusätzlich Hormon-Spritzen vorsieht, klingt nicht sonderlich gesund. Trotzdem schwören immer mehr Menschen auf die sogenannte Stoffwechselkur hCG. STYLEBOOK.de hat mit einem Experten gesprochen: Welche Risiken birgt die Hormon-Diät?

  • Schlanke Frau

    Foto: Getty Images

    Die Einnahme von Schwangerschaftshormonen soll die Pfunde purzeln lassen. Aber kann das gesund sein?

Hormon wird Diätwunder
hCG (Abk. für „humanes Choriongonadoptrin“ ) wird während der Schwangerschaft in der Plazenta freigesetzt, damit dem Heranwachsenden alle nötigen Nährstoffe zugeführt werden. Sobald es dem Baby an etwas fehlt, stellt hCG die Versorgung um, dann werden die Fettzellen der Mutter angezapft. In den 50er Jahren war dies für den britischen Arzt Dr. A.T.W. Simeons († 70), der schon lange auf der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten von Fettleibigkeit war, eine bedeutsame Erkenntnis: In Verbindung mit einer kalorienreduzierten Ernährung könnte von außen zugeführtes hCG seinen Patienten beim Abnehmen helfen. Dass das Prinzip irgendwann auch von „gesunden“ Menschen missbraucht würde – eigentlich wenig überraschend.

Auch prominente Fans
In regelmäßigen Abständen erlangt die Diät neue Beliebtheit,  vor allem dann, wenn Promis sich darauf berufen. So machte etwa Schauspielerin Jessica Schwarz (39) keinen Hehl daraus, für die Rolle einer krebskranken Frau in „Heiter bis wolkig“ (2012) binnen kürzester Zeit acht Kilo abgenommen zu haben – dank hCG-Injektionen, die sie sich täglich selbst gesetzt haben soll. Auch Hollywood-Star Catherine Zeta-Jones (47) soll auf die Methode schwören, ebenso wie Sängerin Bitney Spears (34).

  • Jessica Schwarz

    Foto: Getty Images

    Sie steht dazu: Für eine Filmrolle soll die deutsche Schauspielerin Jessica Schwarz mit der hCG-Diät schnell an Gewicht verloren haben

So funktionieren die drei Phasen der hCG-Diät:

1. Die Ladetage
An Tag eins und zwei soll besonders tüchtig geschlemmt werden, dem Essen sind keine Grenzen gesetzt. Die extreme Nahrungszufuhr soll dabei helfen, den Stoffwechsel anzukurbeln und den Körper auf das Kontrastprogramm vorzubereiten.

2. Die Diätphase
In den folgenden 21 Tagen sind jeweils nur noch 500 Kalorien erlaubt – extrem wenig also! Der tägliche Bedarf einer erwachsenen Frau liegt immerhin bei etwa 1900 Kalorien, Männer benötigen sogar rund 2400. Streng verboten sind jetzt Kohlenhydrate (Zucker, Alkohol), Süßstoffe, Öle, Butter und alle weiteren Milchprodukte, lediglich kleine Einzelportionen Eiweiß, Obst und Gemüse kommen auf den Tisch. Diätbegleitend wird hCG injiziert, bzw. in Tropfen- oder Tablettenform oral eingenommen.

3. Die Stabilisationsphase
Das hCG wird abgesetzt, und nun gilt es, den Abnehmerfolg zu festigen und den Jojo-Effekt zu verhindern. Die Zahl der täglich erlaubten Kalorien wird nach und nach auf zwischen 1000 und 1200 Kalorien heraufgesetzt, damit sich der Organismus langsam an eine „normale“ Zufuhr gewöhnen kann; Zucker und Kohlenhydrate bleiben vorerst weiterhin tabu. Erst wenn  sechs Wochen vorbei sind, darf nach und nach wieder aus allen Lebensmittelgruppen gegessen werden – eine bewusste Ernährung wird weiterhin empfohlen.

Das sagt der Experte
STYLEBOOK.de wandte sich an einen, der sich mit dem menschlichen Stoffwechsel auskennt: Ernährungsexperte und Diätassistent Sven-David Müller („Wir essen uns schlank“, Verlag Mainz). Sein Urteil über die fragwürdige Diät fällt eindeutig aus: Sie ist nicht bloß „Quatsch“, sondern endet womöglich sogar tödlich. „Kommt der Hormonkreislauf durch falsche Manipulation durcheinander, kann sich das mit Herzgefäßerkrankungen rächen, die sich schlimmstenfalls nicht mehr behandeln lassen.“

Müller ist sich übrigens sicher, dass frei verkäufliche Präparate mit dem Versprechen, „hCG“ zu enthalten, in Wahrheit Mogelpackungen sind. Und Ärzte, die Zugang zum echten Hormon haben, würde dessen Einsatz im Dienste einer Diät niemals unterstützen. Dass die sechswöchige „Stoffwechselkur“ dennoch die Pfunde purzeln lässt, überrascht den Experten kaum: „Wer täglich nur 500 Kalorien zu sich nimmt, wird automatisch abnehmen, dazu braucht es keine vermeintlichen Hormone.“ Aber Achtung: Die Kalorienzufuhr so stark zu reduzieren, ist auch ohne Hormone schädlich. Wer seinen Körper über Wochen hinweg derartig einschränkt, riskiert Gesundheitsschäden wie Stoffwechselstörungen, Nierenschäden, Herzrhythmusstörungen und den Abbau von Muskeln – was fatalere Folgen haben kann, als man zunächst denkt: Immerhin ist auch das Herz ein Muskel. 

Besondere Vorsicht bei Babywunsch!
Vor allem Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten von der ungesunden Diät dringend Abstand nehmen. Zugeführtes hCG beeinflusst den weiblichen Zyklus und unterdrückt die Funktion der Hypophyse (also der Hormondrüse im menschlichen Gehirn, in der die Fortpflanzung geregelt wird), immerhin wird dem Körper vorgegaukelt, er sei bereits schwanger. Auch sollten Sie sich nicht wundern, wenn ein etwaiger Schwangerschaftstest fälschlicherweise positiv ausfällt...

Müllers Fazit: Von neuen, scheinbar innovativen Diäten ist in den meisten Fällen abzuraten. „Wer abnehmen möchte, sollte seine Ernährung auf gesunde Weise umstellen und sich mehr bewegen. Klingt langweilig, ist aber so.“

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