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Die Apotheken-Lüge
von Laura Pomer
Sind Erkältungsmittel wirkungslos?

Der erste Anflug eines Schnupfens führt die meisten von uns direkt zur Apotheke: Erkältungsarznei besorgen. Glaubt man aber aktuellen Untersuchungen, könnten wir uns diesen Weg getrost sparen.

Was haben Erkältungsmedizin und Karamellbonbons gemeinsam? Sie sind gleichermaßen effektiv gegen Schnupfen: nämlich quasi gar nicht. Das besagen zumindest wissenschaftliche Studien.

  • Helfen Erkältungsmittel?

    Foto: Getty Images

    Sind Erkältungsmittel wirklich rausgeschmissenes Geld?

Zweifel an der Wirksamkeit
In den USA hatte die Pharmafirma Merck die Untersuchung von Phenylephrin beauftragt. Dabei handelt es sich um einen Arzneistoff, der wegen seiner vermeintlich abschwellenden Wirkung in Erkältungsmedikamenten zu finden ist; ebenso wie das hier gebräuchliche Pseudoephedrin. Um seinen Effekt auf verstopfte Nase, drückende Stirn- und Nebenhöhlen zu überprüfen, verabreichten Forscher erkälteten Testpersonen einmal ein Placebo und einmal ein Phenylephrin haltiges Präparat. Das erstaunliche Ergebnis, nachzulesen in der September-Ausgabe des „Journal of Allergy and Clinical Immunology“: Beide „Mittel“ hatten die gleiche, geringfügige Wirkung auf geschwollene Schleimhäute.

Erkältungsmittel nur Placebos?
STYLEBOOK.de fragte in einer Berliner Apotheke nach, ob es auch in Deutschland für Schnupfen-Klagende nur Blindpräparate gibt. Und tatsächlich seien die Zeiten, als frei verkäufliche Mittel bei Erkältungssymptomen Sofortlinderung verschafft haben, vorbei. So wurde früher eine Verbindung aus Schmerzmitteln und dem Wirkstoff Ephedrin verwendet. Doch der ist seit 2011 rezeptpflichtig. Der Grund: seine Nebenwirkungen. „Ephedrin hat die Begleiterscheinung, aufputschend zu wirken“, erklärt uns die Pharmazeutin, die gerne anonym bleiben möchte. „Das haben viele Konsumenten ausgenutzt, um sich einen Kick zu verschaffen.“

Heute enthalten frei verkäufliche Präparate Pseudoephedrin, dessen chemische Struktur sich bloß ein wenig von Ephedrin unterscheide. Die Wirkung des Stoffs sei jedoch bedeutend schwächer, weshalb gängige Erkältungsmittel nur noch „leicht abschwellend“ funktionierten.

Fazit: Wie die Apotheken-Fachangestellte erklärt, handelt es sich bei Schnupfenerregern in aller Regel um Viren, die sich im Prinzip gar nicht bekämpfen ließen. Und bei genauerem Hinsehen verspricht kein frei verkäufliches Medikament, die Ursachen einer Erkältung wirklich zu bekämpfen. „Man kann also eigentlich nur warten, bis es vorbeigeht,“ so die Expertin.

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