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„Ich weiß nichts über Fashion“
von Julia Wagner
Stylebook trifft Tilda Swinton

Schauspielerin Tilda Swinton (53) ist aktuell das Gesicht der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin – und reiste jetzt für einen Kurz-Besuch in die Hauptstadt. STYLEBOOK traf Swinton zum Interview und dabei verriet die Mode-Ikone, dass sie keine Ahnung von Fashion habe.

  • Tilda Swinton in Berlin

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    Foto: Getty Images

    Schauspielerin und Mode-Ikone Tilda Swinton ist das Gesicht der aktuellen Mercedes Benz Fashion Week in Berlin, die sie am Donnerstag besuchte. Erst ging es zu einer Modeschau, dann…

Tilda Swinton brachte am dritten Tag der Berliner Fashion Week eine Extra-Portion Glamour in die Hauptstadt. Die schottische Schauspielerin besuchte erst eine Show der österreichischen Designerin Roshi Porkar, dann eine Vernissage von Mercedes-Benz im Berliner Bikini House und gab schließlich noch einige wenige Interviews im Berliner Hotel Regent, gemeinsam mit Modedesigner Haider Ackermann und Regisseur Roe Ethridge. Mit den beiden drehte sie den etwas eigenwilligen Spot für die Mercedes-Benz Fashion Week.

STYLEBOOK: Wenn drei Kreative mit starken Persönlichkeiten wie Sie zusammenarbeiten, gibt es dann eher Streit oder Harmonie?
Tilda Swinton:
„Wir sind alle Teamarbeit gewohnt. Wir glauben zwar immer, wir sind Individuen, sind wir aber nicht, weder im Privatleben noch im Beruf. Und das war die Geburt eines neuen Teams. Für mich ist das sehr befreiend. Ich mag es gar nicht so gerne, auf mich alleine gestellt zu sein. Es ist eine große Gnade, ein gutes Team zu haben und festzustellen, dass man sich die richtigen Personen dafür ausgesucht hat.“
Roe Etheridge: „Wir haben sehr harmonisch zusammengearbeitet, wir hatten ja nicht viel Zeit zum Überlegen und mussten intuitiv arbeiten. Jeder hat verstanden, was seine Aufgabe war. Niemandem wurde etwas aufgebürdet, was er nicht wollte.“

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Der Spot ist eher außergewöhnlich und ganz schön mysteriös für einen Fashion-Week-Spot. Konnten Sie eigentlich tun und lassen, was Sie wollten?
Swinton: „Wir hatten absolute Freiheit. Die einzige Vorgabe war eigentlich dieses Auto. Sie haben uns, so gesehen, einen Film gesponsert, den wir wahrscheinlich sowieso gemacht hätten.“
 
Ist das überhaupt Arbeit, wenn man in einem Mercedes durch die schottischen Highlands cruist?
Swinton: „Nein, eigentlich nicht. Das war schon Luxus, vor allem, weil ich keinen Mercedes Benz habe.“
Haider Ackermann: „Jetzt hätten wir aber alle gerne einen.“ (lacht)
Ethridge: „Ich bin auch damit gefahren, der ist super. Fährst du 80 Stundenkilometer, fühlt sich das an wie 30 Stundenkilometer. Der Dreh war schon ein Glücksfall. Ich finde aber schon, dass es eine Fähigkeit ist, Glück zu haben und dass einem gute Dinge widerfahren.“
Swinton: „Absolut. Sein Glück muss man sich erst verdienen. Man muss manchmal die richtigen Entscheidungen treffen – und dann wups, hat man plötzlich Glück.“
 
Haben Sie was übrig für schöne Autos?
Swinton: „Ja, absolut. Ich fahre zwar einen alten Land Rover und einen Skoda als Familienauto, aber ich mag schöne Autos. Einen Mercedes S-Klasse kann ich mir allerdings nicht leisten, ehrlich nicht.“

Tilda, Sie haben Haider Ackermann ins Team geholt. Stimmt es, dass er Ihr Lieblingsdesigner ist?
Ackermann:
„Ich bin ihr liebster Mensch auf der Welt.“ (lacht)
Swinton: „Ich habe natürlich sofort an ihn gedacht, als die Anfrage für diesen Spot kam, weil ich ihn einfach sehr gerne mag. Außerdem wollte ich seine Kleider unbedingt mal in einer schottischen Landschaft inszeniert sehen – und zwar in einem Film und nicht nur auf Fotos.“

Herr Ackermann, ist Tilda für Sie so etwas wie die perfekte Frau?
Ackermann: „Ich denke nicht an Tilda im Speziellen, wenn ich Klamotten kreiere. Aber sie ist natürlich ständig irgendwie in meinen Gedanken.“

Tilda, Sie waren bereits in der Jury der Berlinale. Würde es Sie auch reizen, in einer Modejury Platz zu nehmen?
Swinton: „Für eine Fashion Jury wäre ich die absolut Falsche. Ich weiß nichts über Fashion. Das sollen lieber Leute mit mehr Fachwissen machen als ich.“
 
Herr Ackermann, Karl Lagerfeld sagte einmal, Sie wären der einzig legitime Nachfolger von ihm für das Modehaus Chanel. Ist das ein Job der Sie interessieren würde?
Ackermann: „Ach, Karl macht doch so einen guten Job. Da sollten wir über so etwas doch gar nicht sprechen. Als er das sagte, war das, glaube ich zumindest, nur eine sehr nette Geste von ihm, um die Medien auf mich aufmerksam zu machen. Und wenn der Meister etwas sagt, dann hören eben alle zu.“
 
Gibt es andere deutsche Designer, die Sie schätzen?
Ackermann: „Ach, man sollte doch nicht so in Länder-Kategorien denken. In französischen Modehäusern arbeiten doch mittlerweile auch alle Nationalitäten. Karl ist vielleicht deutsch, aber er arbeitet sehr international.“
 
Tilda, Sie meinten mal, dass Schauspielerei nur eine Ablenkung für Sie wäre von dem, was Sie wirklich machen wollen, nämlich schreiben…
Swinton: „Ja, ich schreibe immer und das ist eine schöne Zerstreuung von anderen Dingen. Aber ich schreibe im Moment nichts, was für die Öffentlichkeit bestimmt wäre.“
Ackermann: „Wenn sie mir SMS schreibt, dann ist das immer so toll und lange geschrieben, dass ich gar nicht weiß, wie ich darauf antworten soll. Ich habe sogar einige aufgehoben.“
Swinton: „Okay, ich schreibe also E-mails und SMS.“ (lacht)
Ackermann: „Ich will nur sagen, dass deine SMS lyrisch sind und mir darauf nichts Gutes einfällt.“
Swinton: „Stimmt, er antwortet nie auf meine SMS.“


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