Stylebook-Logo Fashion Week London stylebook

Foto: Getty Images

Party, Kitsch und gute Laune
von Thomas Helbing
Das Comeback des „F“-Wortes

Es ist DIE Botschaft der London Fashion Week: Mode soll Spaß machen. Ob mit Mickey-Mouse-Ohren, neonpinken Barbiekleidern und nicht zuletzt einer Fashionparty von Philip Treacy - „F“ wie in Fun streunt endlich wieder über die Laufstege.

  • 1/16

    Foto: Getty Images

    Eine Parade schriller Kopfbedeckungen zeigte der Hut-Designer Philip Treacy



Es war wie ein Befreiungsruf, den der Hut-Couturier Philip Treacy aus dem Royal Court of Justice in die Londoner Sonntagnacht schickte: mit einer gewaltigen Show in einer spektakulären Location und extravagenten Hutskulpturen setzte er alle Gesetzte außer Kraft, die das Fashionpublikum - darunter Lady Gaga , Dita von Teese, Kim Catrall, Kristen McMenamy, Vivienne Westwood - zum Toben brachten. Und wann hatte man das zuletzt bei einer Fashion Show gesehen...
 
Zehn Jahre hatte der 1966 geborene Treacy keine eigene Show mehr veranstaltet - viel zu lange! Natürlich arbeitete er zwischendurch für Designer wie Alexander McQueen und Karl Lagerfeld, und sah man seinen Kopfputz auf prominenten und royalen Köpfen wie denen von Sarah Jessica Parker, Grace Jones oder Camilla Bowles.
 
Der Applaus und Jubel unter dem kichturmhohen Saal im Königlichen Gerichtshof wurde nur noch von den Kreationen auf dem Laufsteg zu "Wanna Be Startin' Somethin'" von Michael Jackson überboten: Hüte aus ganzen Vogelfarmen bunter Federn, XXL-Schneckenhäuser, die sich um Hälse und Köpfe wickelten, ein Kopf zierte eine weiß glitzernde Fregatte, einen anderen ein Rummelplatz en miniature oder ein leuchtender und sich drehender Lampenschirm. Als dann auch noch mit unzähligen Swarovskikristallen besetzte Mickey-Mouse-Ohren von einem der ausschließlich schwarzen Models vorgeführt wurden, war spätestens dem letzten Skeptiker klar: Mode darf, auch wenn es herrlich altmodisch klingt, ja soll bitteschön kitschig, verspielt, oppulent, schrill, überschwänglich, verrückt sein (diesem Motto waren auch schon andere Londoner Designer gefolgt, zu sehen in der Fotogalerie).
 
Wie jene Personen, denen diese Show gewidmet war: Michael Jackson, Isabella Blow und Alexander McQueen. Ironie des Schicksals, dass ihnen allen zuletzt in ihrem Leben oft nicht zum Lachen zu Mute war und sie dieses durch Selbstmord beendeten. Aber diese Fashionparty hätte ihnen bestimmt Spaß gemacht.

Anzeige

Kommentare