Oscar-Anwärter „The Artist“
Stummer Film, laute(r) Mode

Dieser Film verschlägt uns die Sprache: „The Artist“. Dank des französischen Regisseurs Michel Hazanavicius erlebt der Stummfilm eine Renaissance: Der bereits für zehn Oscars nominierte und von Kritikern hoch gelobte Schwarz- Weiß-Streifen ist ein wahres Gegenstück zum modernen Tonfilm und dem 3D-Hype – Maxi Zöckler wirft einen Blick auf Film und Fashion.

Hinsehen anstatt Hinhören, heißt es in „The Artist“, der gerade in den deutschen Kinos angelaufen ist und uns sowohl inhaltlich als auch stilistisch in die 20er Jahre zurückversetzt. Ein Film, der auf Musik, Dialogeinschübe und Zwischentitel reduziert ist. Mimik, Komik und Gestik treten in den Vordergrund, das Bild wird zum Hauptmedium.

  • 1/10

    Foto: PR

    Bestickte Kleider, lange Handschuhe, eine strassbesetzte Haarbänder. Die "goldenen 20iger Jahre" ließen die Abendgarderobe glamourös ausfallen

Hollywood, Ende der 20iger Jahre: Jazzmusik, Smoking, Prunk-Kinos. Der fiktive Charakter George Valentin (Jean Dujardin) ist einer der größten Stummfilmstars seiner Zeit. Nach einer Filmpremiere fällt ihm die junge Statistin Peppy Miller (Bérénice Bejo) förmlich vor die Füße, als sie beim Tanzen stolpert. Valentin erkennt schnell Peppies Talent. In der Zeit des Umbruches zwischen Stummfilm und Tonfilm, nimmt die Geschichte seinen Lauf: George ist zu stolz und überzeugt von sich, um sich der neuen Technik zu fügen. Er beginnt mit einer Stummfilm-Eigenproduktion. Peppy wendet sich voll und ganz dem neuen Filmmedium zu: Sie wird schnell zum großen Kinostar der 20er Jahre. George, der nicht wahrhaben will, dass der Tonfilm die neue Zukunft ist, steht am Ende seiner Karriere und kämpft um seine Existenz.

Zwei Menschen, deren Rollen sich in der Gesellschaft in Zeiten des Film-Umbruchs drastisch wenden. George Valentin verliert seinen Ruhm, seine Frau und zum Schluss auch noch seinen Verstand. Peppy kann sich mit ihrem Tanz- und Sprachtalent voll und ganz in die moderne Form des Films einfügen und der Erfolg liegt ihr zu Füßen.

In den 20er Jahren revolutionierte Coco Chanel mit ihrem Stil die Modewelt. Die Nachwirkungen des 1. Weltkriegs führten zu einem neuen Selbstbewusstsein der Frau, was sich auch in ihrem Stil widerspiegelte. Durch die Entwicklung des Films als Massenmedium erschlossen sich für die Frau neue Berufsfelder. 

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Auch in „The Artist“ wird der Mode eine große Rolle zuteil. Während die eher schlichten und geradlinigen Schnitte tagsüber und am Abend gleich ausfielen, nahm man den im Nachhinein entstandenen Begriff  „Die goldenen Zwanziger“ abends wörtlich: an die Stelle von Jerseystoffen rückten nun edlere Materialien wie Pailletten, Seide, Tüll und Samt. Auch an den Accessoires wurde nicht gespart. Glitzernde Stirnbänder, Federboas und auffällige Pelzmäntel waren unersetzlich. Die Haare wurden kurz und lockig getragen. Beim Make-up setzte man auf knallrote Lippen. 

Knallrote Lippen? Auch in diesem Jahr auf den internationalen Runways und roten Teppichen gern gesehen: Das italienische Modelabel Gucci präsentierte eine von den 20iger Jahren inspirierte Frühjahrskollektion. Abendkleider, mit bis zur Taille reichenden Ausschnitte oder hochgeschlossen. Und ein für diese Zeit sehr typisch fransiger Bund am knielangen Hängerchen. Pailletten, viel Gold, Schwarz und Weiß dominierten.
Etro setzte ebenso auf Schnitte der 20ier in Kombination mit Printmustern. Geradlinige Schnitte und Fransen, jedoch hielt die Desigerin die Farben in Pastelltönen in Kombination mit Braun- bis Rosttönen. Ebenso Marc Jacobs, der auf Federn an seinen Kleidern nicht verzichtete und seine Models mit klassischen Kopfbedeckungen, ebenso auf die Zeit der 20iger zurückgreifend, ausstattete.

Diese Mode darf immer gerne wieder kommen!

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