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Offsite-Events der Fashion Week
von Stephanie Beckmann
Labels ohne Laufsteg

Nicht alle Labels können, dürfen oder wollen ihre Kollektion im Fashion-Zelt zeigen. Gut so! Denn oft sind es die „Offsite“-Veranstaltungen, die Spaß und Spannung bereit halten...

  • 1/12

    Foto: PR

    Augustin Teboul

    Im Berliner Salon Dahlmann präsentierte das Designerduo plissierte Stoffe und Häkelkunst in Schwarz vor üppigen Blumenbouquets

Augustin Teboul
Düstere Romantik beim deutsch-französischen Designer-Duo Augustin Teboul: Vor üppigen Blumenbouquets präsentierten Annelie Augustin und Odély Teboul ihre neue Kollektion unter dem Motto „Les Fleurs du Mal“ im Berliner Salon Dahlmann. Plissierte Stoffe und aufwendige Häkeleien in konsequentem Schwarz versprühten avantgardistischen Müßiggang. Dazu wurden bunte Macarons auf geblümten Porzellan-Etageren gereicht – wundervoll!

Lala Berlin
Die Designerin Layla Piedayesh präsentierte im The Grand einen sommerlichen Traum aus Seide. Für den Champagner-Hersteller Veuve Cliquot entwarf sie ein mondänes Seidentuch in leuchtendem Gelb-Orange und Olivgrün. Schöner hätte es Hermès auch nicht mustern können! Die Präsentation auf der Terrasse im Hinterhof mutete an wie ein Editorial-Shooting für ein High-Class-Magazin auf einer Yacht in der Südsee: Die Models in schlichten Seiden-Kaftanen trugen das neue It-Piece aus dem Hause Lala Berlin als verschlungene und gewickelte Turbane auf dem Kopf, das Styling war makellos! Der perfekte Soundtrack zum Event kam von DJ Bonnie, Inhaberin des Labels Musique Couture.

Mongrels in Common und Liebig
Die beiden Berlin-based Designerinnen boten in dieser Woche den lässigsten Auftritt. Bei strömendem Regen standen die Models trotzdem gut gelaunt im Garten des Pauly Saals in der Jüdische Mädchenschule und blieben extrem cool, während sich das Publikum unter weißen Schirmen drängelte. Die Kollektion wirkte fokussiert und intelligent konzeptioniert: Sehr tragbarer City-Schick aus schlanken Silhouetten, leuchtende Farben von Neongelb und Koralle, Schwarz, Weiß und Olivgrün, dazu klecksige Wachtel-Eier-Prints. Accessoires wie geflochtene Kappen im Jockey-Stil, grobe Lederhandschuhe und Baseball-Schläger betonten die Sportlichkeit der Kollektion. Das Styling kam von MAC und zeigte pinken Lidstrich zu betonten Augenbrauen. Das Label Liebig präsentierte nebenan bohème Seidenkleider mit hübschen 70ies-Mustern und Mini-Dresses in A-Linie – eine nette Liaison.

Vladimir Karaleev
Der Designer bleibt den ausgefransten Nähten treu, wie auch seiner musikalischen Vorliebe zur Show: Zu einem Slowdown-Remix von „Dear Prudence“ von Siouxsie and the Banshees und dem melancholischen Sound der The Doors bewegten sich die Models tranceartig bis apathisch. Die Location: Der Podewil Palais bietet Räume im Stil einer Schul-Aula, inklusive Linoleum-Geruch. Die Mode: grobe Baumwolle in Schlammfarben, fließende Schlauchkleider, zarte Seide, alles Oversized. Doch dieses Mal spielte sogar Karaleev ein bisschen mit Farbe: ein bunter Printdruck aus der Mondrian-Palette fand sich auf einzelnen Shirts, Kleidern und Tuniken. Gebrochen wurden die lässigen Silhouetten durch Westen, cropped Shirts, Midi- und Maxiröcke, Plisseefalten und Cut-Outs. Fazit: Leider büßte die relativ statische Präsentation ein bisschen der fließenden Dynamik seiner Laufsteg-Show vom letzten Mal ein. Der ungewohnte, plakative Farbeinsatz überraschte positiv!

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Don’t Shoot The Messenger
Das Chat Gris in der Rosa-Luxemburg-Straße platzte am Mittwoch aus seinen grauen Wänden, bis sich ein jeder die steilen Treppen abwärts gewagt hatte, in den dunklen Kellerbereich. Unter Lichtkegeln wie im Kreuzverhör tauschten vier verkniffen dreinschauende Modelle im Turnus ihre Positionen. Die Mode: Anleihen von Fetisch, doch subtiler als früher. Schnürungen, viel Schwarz und strenge Silhouetten, Lack und Leder, dazu zartfließende Seide in Eierschale. Sowohl die schicke neue Location als auch die Präsentation waren so anregend, dass das Publikum noch auf dem Bürgersteig stand, voller Phantasie und Tatendrang, als der Champagner längst alle war.

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