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Nodels statt Models: Normalos erobern den Laufsteg

Normalos erobern den Laufsteg
von Laura Pomer
Nach den Models kommen die Nodels

Freak-Show? Nein: Modenschau! Statt mit Models zu arbeiten, schicken viele Designer ganz normale Typen auf die Laufstege. 90-60-90 und Waschbrettbäuche waren gestern. Hier kommen die No-Models, kurz Nodels.

„Du siehst aus wie ein Model“ war früher noch ein Kompliment. Inzwischen aber zeigen Designer ihre Kollektionen an ganz „normalen“ Menschen, manche von ihnen setzen mit Vorliebe auf Minderheiten und extreme Charaktere. Schönheitsmakel, Übergewicht, Behinderungen – alles keine Karriere-Killer mehr!

Makel sind jetzt in
So wäre es früher wohl nicht möglich gewesen, dass Madeline Stuart (18) trotz Down-Syndrom auf der Fashion Week modelt – so geschehen vor knapp zwei Wochen in New York. Wenige Tage später lief Grace, die 23-jährige Schwester von Schauspielerin Lena Dunham (29), für das Label Eckhaus Latta, mit raspelkurzem Haar und Stoppeln an den Beinen. Die Message: Geschlechterrollen waren gestern, Frauen dürfen aussehen wie Männer und umgekehrt.

  • Model auf der Ashish-Schau

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    Foto: Getty Images

    Dieser junge Mann lief für das Label Ashish in London: geschminkt und in einer Art Nachthemd mit aufgemalten, weiblichen Geschlechtsmerkmalen. Male-Model-Maße? Fehlanzeige!

Jeder kann modeln
Generell scheinen klassische Ästhetik-Vorstellungen fürs Modeln nicht mehr relevant zu sein. Sonst wäre „The Fat Jewish“ Josh Ostrovsky (30), Instagram-Star mit Plauze und einer großen Portion Selbstironie, wohl nicht in die Kartei der New Yorker Modelagentur One Management aufgenommen worden. Das hat ihn offenbar auf den Geschmack gebracht: So lud der Amerikaner kürzlich selbst zu seiner eigenen Modenschau. Auf dem Laufsteg: ganz „normale“ ältere Herrschaften, die man in der U-Bahn wohl nicht einmal wahrnehmen würde.

Was ist schön?!
Wer definitiv auffällt, ist die Britin Grace Neutral (24), die sich nicht in die Kategorie „klassische Schönheit“ einordnen lässt. Mit Narben im Gesicht, gefärbten Augäpfeln, Ganzkörper-Tattoos und Piercings könnte man sie wohl auch in der Geisterbahn vermuten, Designerin Ashley Williams schickte sie als Model auf den Laufsteg.

Dass ihre Wahl auf ein Mädchen fiel, das sich selbst als „Alien“ bezeichnet, nachdem sie zuvor mit hübschen It-Girls wie Model Georgia May Jagger (23) gearbeitet hat, erklärt Williams gegenüber „Dazed“ so: „Grace‘ Typ liegt am anderen Ende des Spektrums, aber sie ist noch auf derselben Wellenlänge. Ich finde, die Kollektion steht ihr wirklich gut.“

@graceneutral backstage at @ashleywilliamslondon #SS16 #LFW 🐜🐜🐜 📷 @emmahopeall

Ein von Dazed Fashion (@dazedfashion) gepostetes Foto am


Das Ende des Perfektions-Diktats
Normalo- und Anti-Models auf dem Laufsteg – was irgendwann als schnöde Provokation begonnen hat, ändert inzwischen die gesamte Dynamik der Industrie. Auch wenn der Anblick ungewöhnlicher Persönlichkeiten auf dem Laufsteg überrascht und vielleicht die tatsächlichen Looks überstrahlen könnte, zeigt die Entwicklung doch eins: Mode muss von jedem tragbar sein. Frauen müssen nicht in Size Zero passen, um Designer-Fashion zu tragen. Und Männer sind auch ohne Waschbrettbauch oder besonders maskuline Art vorzeigbar. Vielleicht wird so ja wirklich alles „normal“...

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