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Körzdörfer trifft deutschen Star-Designer
von Norbert Körzdörfer
Die Mode-Welt talkt über ihn. Aber: Wer ist Michael Michalsky wirklich?

Am 6. Juli blickt die Mode-Welt auf Berlins Fashion Week. Michael Michalsky (45) präsentiert seine 12. Show. Motto: „Personal Sunshine“ Neu: Zum 1. Mal eine große separate Männer-Catwalkshow. Zusätzlich zur Womanshow. Körzdörfers Begegnungen:

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    Foto: dpa picture-alliance

    Michael Michalsky ist DER deutsche Top-Designer

Er ist schnell, cool, schwul.
Er ist deutsch, spießig, facebooksüchtig.
Er ist Landei, Clubbing-King, Mickey-Mouse-Lover.
Michael Michalsky, 45, ist Mode-Kult, Deutschlands Designer Nr. 1 und der Mann, der „Adidas“ wieder cool machte. Lebende Widersprüche schmieden einen Star.

Jeder kennt MM – und keiner.
Globetrotter & Berlins Mode-King.
Egoist & Menschen-Liebhaber.
Er fährt Fahrrad, Mercedes G-Klasse und am liebsten U-Bahn (Kurz-Strecke: 1,40€): „Um Menschen zu schauen, zu spüren, Trends zu entdecken!“ Einmal pro Woche geht er 4 Stunden zu Fuß durch die City – als Ideen Scout.

What makes MM tick? Eine Vision: „Ein Mode-Imperium wie Ralph Lauren – nur für urbane Nomaden.
Wer ist MM?
„Ich sehe mich nicht als Künstler! Jede Krankenschwester hat einen wichtigeren Beruf als ich. Aber ich schenke durch meine Sachen Selbstvertrauen, Authentizität, Power, Individualität, Träume.“
MM ist Schutzengel – made by & in Berlin. Sein Geburtsort war ein Irrtum – oder ein Witz Gottes. Göttingen. Kindheit: Bad Oldesloe (bei Hamburg). „Landleben fand ich immer doof. Hier möchte ich nicht mal beerdigt werden!“ Seine Eltern sind, Gott sei Dank, Rock'n'Roller. MM wurde unehelich geboren. Im Schulbus wurde er als „Schwuli“ gehänselt. Seine Oase war der Bibliotheks-Bus: MM fraß sich durch Bücher!
Nach dem Abi ab nach London! 6 Jahre wildes Leben als wilder Vogel! Fashion-Uni & Club Nightlife als „Picker“ – der pickt den geilen Gäste-Mix raus. Lieblings Spruch: „Würdest du dich selbst reinlassen?“ Feiern in das Morgengrauen. MM lebte, liebte, lernte  – und startete durch. Erst „Levis“-Jeans – dann Jahre „Adidas“ (weltweiter Creativ-Chef)!
Aber  MM blickt nicht in den Rückspiegel: „Ich denke nicht an gestern! Vergangenheit interessiert mich nicht! An meinem Wandkalender im Büro reiße ich den abgelaufenen Monat ab – und schmeiße ihn weg! Ich misste auch alle 2 Monate meinen Schrank aus! Altes raus. Nichtgetragenes verschenke ich – z.B. an meinen Bruder. Platz für Neues!“ Ein Radikaler des täglichen Neuanfangs.

Wir treffen uns in seinem Wohnzimmer – dem Restaurant „Borchardt“, dem Medien-VIP-Nabel Berlins: „Wenn ich einen Roman schreiben würde, dann würde er hier beginnen, spielen, enden. Restaurants sind das neue Clubbing.“ Er spricht schnell. Seine Gedanken fliegen. Ein Überflieger.

Wie sieht er aus?
Sehr gut. Kurze Haare. Starke Augen. Geschmeidiger Gang. Neugierig. Fit. Einziges Accessoire: Kette am Handgelenk. Alles eher in Schwarz  mit selbstdesignten „MCM"-Basketball-Sneakers (er belebt die alte Kult-Marke –  jetzt made & owned by Korea).
Eigene Kaschmir-Jacke (außen: schwarz, innen: grau, flache Schultern). Klassisch blaue Bluejeans, aber „PRPS“, afrikanische Öko-Baumwolle auf alten Levis-Webstühlen in Japan handverarbeitet (trägt auch Brad Pitt). Er trinkt ein Glas Rosé Champagner und viel Sprudel-Wasser.

STYLEBOOK: Worauf schauen Sie bei Menschen zuerst?
MM: „Auf die Hände und die Schuhe.“
Er trägt keine Uhr – kaputt und unnötig, denn er lebt den Countdown zur Fashion Week. Ums rechte Handgelenk: Ein schwarzes Band mit Fischer-Haken (um das Schicksal einzufangen?) und helle schimmernde Jade-Kugeln, selbst ausgesucht in China. MM ist relaxed und bestellt Tartar – „mit viel Zwiebeln und viel Schnittlauch! Und zwei Spiegeleiern oben drauf!“ Er verzichtet aufs knusprige Brot – keine Kohlenhydrate abends.
STYLEBOOK: Wo & wie lebt er?
MM: „Mitten in Mitte. Ganz oben. Ein Glas-Nest. Ein Penthouse mit  360-Grad-Panorama. Ich schlafe und erwache mit der Skyline – Fernsehturm, Reichstag, Synagoge und Dom.“
STYLEBOOK: Wie sieht's innen aus?
MM: „Viel Schwarz und Weiß, sehr reduziert. Ich hab so viel mit Farben zu tun, dass meine Augen zu Hause Ferien haben. Ich sammle Fotos – meist auch schwarz-weiß."
STYLEBOOK: Wie sieht ein typischer Tag aus?
MM: „Ich bin sehr pünktlich, sehr ordentlich, sehr organisiert. Um 6.30 Uhr piept der Wecker. Ich habe eine Kaffeemaschine, trinke aber lieber beim Stamm-Bäcker-Café um die Ecke aus dem Papp-Becher to go. Im Stehen frühstücke ich entweder Mutzen mit Pflaumen-Füllung oder Eier-Brötchen oder, hmmmm, Mett-Schrippen! Die esse ich am Schreibtisch.
Danach: Termine im Team.
Mittags: Hänge ich mich irgendwo an.
Abends: Borchardt oder Grill Royal – da hab ich fast mal 1 Jahr gelebt.
Nachts: Clubs oder früh ins Bett. Früher feierte ich bis 8 Uhr oder 11 Uhr morgens. Heute schaffe ich noch 4 Uhr oder 6 Uhr. Aber das merke ich zwei Tage lang. Der Unternehmer in mir kann sich die Nacht-Eule in mir nicht nonstop leisten – aber Nightlife ist ja auch Job. Ich muss leben, um kreativ sein zu können.“

Berlin ist sein State-of-Mind: „Alles verändert sich. Alles wächst. Alles ist im Wandel. Berlin ist eine Metropole in the Making!“ Wie Michael Michalsky.

Lesen Sie morgen Teil 2  der Begegnung:
Selbstständigkeit ist Freiheit und Verantwortung.
Was er tragen würde, wenn er arm wäre.
Seine Philosophie: „Money comes, money goes.“
Warum Mode glücklich machen kann.
Seine Helden sind Karl Lagerfeld, Madonna und Mickey Mouse. Wovon MM träumt.



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