Stylebook-Logo stylebook serienhelden und filmstars

Vom sexy Sixpack zum Charakter-Star
von Thomas Helbing
Matthew McConaughey: Endlich erwachsen!

Lange war Matthew McConaughey (44) eher für sein stattliches Sixpack als für seine schauspielerischen Leistungen bekannt. Bis jetzt. In seinen letzten Filmen überzeugt er als Charakter-Schauspieler, ist sogar für einen Oscar nominiert. Ganz still und heimlich hat sich McConaughey zum neuen „Golden Boy“ von Hollywood gemausert.

  • Matthew McConaughey

    1/15

    Foto: getty images

    Statt sich wie früher ständig sein Shirt vom Leib zu reißen und seine Muskeln zu präsentieren, trägt Matthew McConaughey jetzt lieber Designer-Anzüge. Doch nicht nur das macht ihn um einiges seriöser – sondern seine seit kurzem überzeugende Rollenauswahl

Ein Mann sollte im Leben drei Dinge tun: einen Baum pflanzen, ein Haus bauen, einen Sohn zeugen. In Hollywood kommt noch eine Sache dazu: einen Academy Award gewinnen. Matthew McConaughey ist kurz davor, das alles geschafft zu haben.

Er hat in Austin, Texas, 2012 ein 36.000 Quadratmeter großes Anwesen gekauft und bereits Jahre zuvor ein Haus in den Hollywood Hills selbst gebaut. Er ist mit dem Model Camilla Alves seit anderthalb Jahren verheiratet, hat mit ihr zwei Söhne und eine Tochter. Und jetzt ist auch der  Oscar zum Greifen nahe.

Nominiert ist McConaughey als bester Schauspieler für seine Darstellung eines HIV-Kranken im Drama „Dallas Buyers Club“, das ab dem 6. Februar in den deutschen Kinos gezeigt wird und für das er bereits einen Golden Globe bekam. Darin spielt McConaughey den Macho Ron Woodruff, der sich Mitte der 1980er-Jahre fleißig durch Texas pimpert und dabei mit dem HI-Virus ansteckt. Lebensprognose: 30 Tage. Doch Woodruff glaubt an einen Irrtum. Er, der Bullen reitet, Frauen flach legt, Schwule hasst und dann die „Schwulenseuche“ – das passt nicht in sein Weltbild. Bis er begreift, dass das Problem ganz woanders liegt...

„Dallas Buyers Club“ ist hart, schonungslos, tragisch-komisch, ohne rührend zu sein – vor allem durch die Schauspielleistung von Matthew McConaughey, der sich für die Rolle auch äußerlich komplett veränderte und 20 Kilo abnahm.

Wer hätte ihm das noch zugetraut? Kaum jemand. Denn lange Zeit sah es so aus, als würde Matthew McConaughey sein Talent als Hollywoods Flachpfeife in blassen Klamaukrollen verspielen. Produktionen wie „Wedding Planner“ (2001), „Wie werde ich ihn los in zehn Tagen“ (2003), „Zum Ausziehen verführt“ (2006), „Ein Schatz zum Verlieben“ (2008), „Surfer, Dude“ (2008) oder „Der Womanizer – Die Nacht der Exfreundinnen“ (2009) klingen leider schon im Titel nicht danach, um in Hollywood und beim Publikum ernst genommen zu werden.

Dabei hatte alles so gut begonnen. Als Rechtsanwalt Jake Brigance in der Verfilmung des John-Grisham-Thrillers „Die Jury“ gelang McConaughey 1996 der Durchbruch, wurde 1997 für sein Spiel mit dem MTV Movie Award als bester Nachwuchsschauspieler geehrt. Kritiker und Hollywood-Bosse waren sich einig: da reift einer vom Star-Format eines Tom Cruise oder Brad Pitt heran. Zumal McConaughey im selben Jahr auch einen Preis für seine Nebenrolle im Independent-Film „Lone Star“ gewann.

Was dann passierte? Darüber lässt sich nur spekulieren. Schlechte Agenten? Geldgier? Der Ehrgeiz, es unbedingt in der Traumfabrik Hollywood zu schaffen – egal wie?

Anzeige

Immerhin lagen dem Sunnyboy und Sportfanatiker McConaughey die Frauen zu Füßen, was ihm 2005 den Titel des „Sexiest Man Alive“ einbrachte. „Ich glaube nicht, dass die Leute wissen, wer ich wirklich bin. Vieles von mir ist öffentlich – aber nichts davon ist falsch oder bereue ich“, sagte McConaughey 2011 in einem Interview mit dem Magazin „Esquire“. Es zeigt: der Schauspieler ist nicht unbedingt auf jeden seiner Film stolz, aber auch die haben ihn letztendlich ganz nach oben gebracht.

Sein Glück: Hollywood-Produzenten vergessen schnell und erinnerten sich irgendwann an Matthew McConaugheys Potential. Die Wende: Nach einer zweijährigen Auszeit vom Filmgeschäft gelingt ihm mit der Rolle des vagabundierenden und gewieften Landanwalts Mick Haller im Gerichts-Krimi „Der Mandant“ ein gefeiertes Comeback. Sein einstiges Schönling-Image – Vergangenheit! Vielleicht hat McConaughey in der Midlife-Crisis eingesehen, dass mit romantischen Komödien auf Dauer außer Geld nichts zu holen ist.

Seitdem überzeugt er: 2011 in der schwarzen Krimikomödie „Bernie – Leichen pflastern seinen Weg“. 2012 in „The Paperboy“ an der Seite von Nicole Kidman, als Stripclub-Besitzer Dallas in „Magic Mike“ und als getriebener Südstaaten-Gauner in „Mud“. Bei den New York Film Critics Circle Award 2012 bekommt er gleich zwei Trophäen jeweils für seine Darstellung in „Bernie“ und „Magic Mike“. Zuletzt hatte McConaughey in „Wolf of Wall Street“ (seit 16. Januar im Kino) von Martin Scorsese an der Seite von Leonardo DiCaprio einen kurzen aber gefeierten Auftritt als skrupelloser Finanzhai.

Matthew McConaughey – das einstige Oben-Ohne-Phänomen hat sich zum Charakter-Star gemausert. Noch so ein Ding, das einen in Hollywood zum kompletten Kerl macht.



Kommentare