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Magermodels bei Hedi Slimane für Saint Laurent

Debatte um Magerwahn bei Männer-Models Sind diese Jungs zu dürr?

von Susanna Riethmüller

Hedi Slimane beendete am vergangenen Wochenende mit seiner Kollektion für Saint Laurent die Herren-Modewoche in Paris. Er schickte dürre Model-Männchen ins Rennen – wie eine schlafwandelnde Zombie-Armee schleppten sie sich ausgemergelt über den Laufsteg. Die Branche ist irritiert.

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    Foto: dpa picture alliance

    Dünn, dünner, das neue alte Hedi-Slimane-Model. Für Saint Laurent bleibt er dem Look, für den er berühmt ist, treu: Bei der Männer-Modewoche in Paris schickte er eine schmale Kollektion an noch schmaleren Herren auf den Laufsteg

Hedi Slimane ist bekannt dafür, dass er ein bestimmtes Männerbild propagiert: extrem schlank. Schließlich müssen sie in die schmal geschnittenen Silhouetten passen, mit denen Slimane als Chefdesigner von Dior Homme berühmt wurde und die auch seine neue Herrenkollektion für Saint Laurent dominieren. Er gilt vielen als Erfinder des „Slimfit-Looks“ und definierte damit den Mann der Nullerjahre in Skinny Jeans, eng anliegenden Hemden, körpernahen Jacketts. Sogar Karl Lagerfeld nahm damals 40 Kilo ab – nur um diesen Style tragen zu können.

Auf der Männer-Modewoche in Paris war es so, als wollte uns Slimane an diesen Hype erinnern. Er zeigte eine angerockte Dandy-Kollektion aus knappen Lederjacken, engen Hosen, Karohemden. Getragen von Männermodels, die in solche Klamotten reinpassen: dünn, dünner, das neue alte Slimane-Model. Ausgemergelt schlafwandelten sie über den Catwalk. Eine Zombie-Armee, wenn auch eine sehr gut angezogene.

Das Irritierende: Die Mode von Saint Laurent ist für erwachsene Männer gemacht. Diese Models haben jedoch die Körper von Teenagern. Ein gefährlicher Widerspruch, den wir bisher nur aus der Damenmode kannten.

Susanna Riethmüller Stylebook,
Redaktion

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Die Branche schläft nicht und wurde sofort aufmerksam. Allen voran die britische Bloggerin Poppy Dinsey (wiwt.com). Sie twitterte: „Unverantwortliches Model-Casting bei YSL. Ich bin sprachlos.“ Sofort machte der Begriff „Manorexia“ im Netz die Runde, eine Zusammensetzung aus „Man“ und „Anorexia“ (deutsch: Mann, Magersucht).

Müssen auch männliche Models besser geschützt werden?


Verschiedene Fashion-Weeks, zum Beispiel die in Mailand oder zuletzt die in Tel Aviv, sprechen sich aktiv gegen den Magerwahn aus. Weibliche Models müssen beim Casting auf die Waage, um zu beweisen, dass sie nicht zu wenig wiegen. In Israel forderte man Models und junge Frauen kürzlich sogar per Plakat-Aktion auf, gesund zu essen.

Alles zum Schutz der Models – weiblicher Models. Männliche Models sind nicht betroffen, oder besser: schienen bisher nicht betroffen gewesen zu sein. In Zukunft werden wir genauer hinschauen.

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