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Burberry vs. Pringle of Scotland auf der LFW
von Thomas Helbing
Wer hat mehr Brit-Chic?

Am Montag zeigten zwei englische Traditionslabels ihre Sommerkollektionen auf der London Fashion Week. STYLEBOOK lässt beide zum Stil-Battle antreten und vergleicht den Auftritt.

BURBERRY

Die Atmosphäre
Burberry setzte auf die ganz große Show, ließ extra für die Präsentation einen Mega-Glaspavillon mitten in den Londoner Hyde Park bauen. Ununterbrochen parkten davor schwarze Limousinen, mit denen die zahlreichen Promis angekarrt wurden. Alles erinnerte eher an eine große Filmpremiere denn ein Mode-Defilé. Trotz der imposanten Kulisse war die Stimmung sehr relaxt. Nach der Show gab es für alle Rosé-Champagner und Smalltalk mitten im Park. Extravagant!

Der Look
Handcrafting war das Thema der Kollektion: Grobe Materialien wie Bast, Leinen und geflochtenes Leder, Strick und handgearbeitete Perlenstickereien auf Taschen, Peeptoe-Plateaus und Krägen gaben dem Ganzen letztendlich einen rustikalen Look. Den Trenchcoat, eine Burberry Ikone, gab es gleich in vielen verschiedenen Varianten zu sehen: Slim mit geometrischen Mustern, aus butterweichem Leder oder aus Bast, die feminine Variante mit schmaler Taille und weitem Rock erinnerte an Diors Neue Linie der 50er Jahre, sportlich die abgeschnittene Blouson-Variante. Die Farben reichten von Kurkuma über Orange, Azur und Terrakotta bis zu einem Rote-Beete-Ton.

Lieblingsstück
Die Bastmützen mit Bommel – könnten auch von Männern getragen werden.

Front Row
Es war nicht nur gefühlt die längste Show der Londoner Fashion Week, sondern auch die mit den meisten Promis. Ein Auszug aus der Front Row: Sienna Miller, Kanye West, Sir Ben Kingsley, Rachel Zoe, Andy Murray, Mario Testino.

Die Goodie Bag
Eine Flasche des neuen Burberry-Duftes „Body“.

Der Designer
Kreativdirektor Christopher Bailey (40) gilt als Modernisierer. Geschickt kombiniert er immer wieder moderne britische Coolness mit Tradition. Seit seinem Antritt 2001 hat er die Marke konsequent modernisiert, wirtschaftlich extrem erfolgreich gemacht und fürs digitale Zeitalter präpariert, u.a. kann die gezeigte Kollektion im Internet schon jetzt vorbestellt werden.

Die Historie
Die Marke gehört zu Großbritannien wie Londons rote Doppeldecker-Busse und die Queen. „Gegründet“ wurde das Label 1856, als der Brite Thomas Burberry in Basingstoke, Hampshire, seinen ersten Laden eröffnete. Das Label hat sich mittlerweile vom Hoflieferanten des englischen Königshauses zur weltweit begehrten Luxusmarke entwickelt. Als Ikone gilt der Trenchcoat aus Gabardine – ein Modeklassiker.

Das Fazit
Eine gewaltige Kollektion mit Brit-Appeal, die allerdings in einigen Stücken für eine Sommerkollektion zu schwer wirkte. Nicht wirklich gefallen wollten die Ethno-Applikationen auf einigen Modellen.

PRINGLE OF SCOTLAND

Die Atmosphäre
Garagenatmosphäre in einem weißgetünchten, mit Neonröhren beleuchtetem Industrieraum. Die Gäste saßen eng zusammengerückt auf Bänken, die in Zweierreihen um den kleinen ovalen Catwalk aufgestellt waren. Das eher private Defilé: klein aber fein!

Der Look
Die Kollektion war eine geradlinige Neuinterpretation des Pringle-Looks mit reduzierten grafischen Prints auf Kaschmir-Twinsets, Intarsien-Strick und metallisch wirkenden Jacquards. Die federleicht wirkenden Kaschmir-Sweater, -jäckchen und -kleider waren im Rücken raffiniert aufgeknöpft oder tief ausgeschnitten. Einige Kleider hatten 3D-Oberflächen wie bei einem Reibeisen, waren geflochten oder asymmetrisch konstruiert. Die Farben reichten von Weiß, Grau und Schwarz mit gelben, türkisen und kupferfarbenen Highlights.

Lieblingsstück
Die Schuhe mit leichtem Plateau und metallischer Kupfersohle – eine Kollaboration mit der Designerin Chrissie Morris.

Front Row
Klar kam Pringle of Scotland-Testimonial Tilda Swinton, die uns Grüße nach Berlin mitgab. Außerdem saßen Front Row: Model Irina Lazareanu sowie Schauspielerin Rosario Dawson.

Die Goodie Bag
Eine Tasche exklusiv gestaltet von Künstler Liam Gillick, der auch demnächst exklusiv Taschen, Accessoires und Strick für das Label designen wird.

Der Designer

Es war die erste Kollektion des britischen Designers Alistar Carr, der seit März des Jahres Kreativdirektor des Labels ist. Zuvor war er Assistent von Nicolas Ghesquire bei Balenciaga. Einflüsse des modernen Balenciaga-Looks sind auch in der Pringle-Kollektion wiederzufinden.

Die Historie
Pringle of Scotland ist ein fast 200 Jahre altes Traditionsunternehmen, welches von Robert Pringle 1815 gegründet wurde. Ursprünglich wurden Strümpfe und Unterwäsche hergestellt. Anfang des 20. Jahrhunderts war Pringle die erste Firma der Welt, die Strickwaren als Oberbekleidung herstellte. Abgeguckt vom Golfsport, erfand Pringle das klassische Twinset, bestehend aus Pulli und Jäckchen, welches bevorzugt auf wohlhabenden Tee-Partys salonfähig gemacht wurde. Es ist eines der exklusivsten Kaschmirlabels der Welt.

Fazit
Eine cleane, reduzierte, moderne Kollektion, die dem Traditionslabel gut steht. Ein gelungenes Debüt des neuen Chefdesigners.

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