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Ist das Mode oder kann das weg?
Saint Laurents Flohmarkt-Kollektion

Die Zeiten als es bei Yves Saint Laurent Glanz und Glamour auf dem Catwalk zu bewundern gab, sind leider vorbei. Was Saint Laurent-Designer Hedi Slimane (47) am Montagabend in Paris präsentierte, erinnerte eher an Lumpen als an Luxusklamotten: So trugen die Models schimmernde Stofffetzen, die mit Gummistiefeln und Gammeljacken kombiniert wurden.

Lieber Hedi Slimane, Sie haben doch sicherlich lange genug von der Paris Fashion Week gewusst, um zeitig mit der Kollektion zu beginnen. Warum bloß wirkt Ihre Saint-Laurent-Frühjahrslinie am Montagabend wie eine wilde Zusammenstellung aus der Altkleidersammlung?

  • Model für Saint Laurent

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    Foto: Getty Images

    Sinéad-O’Connor-Frise, schlechte Haltung und Nippelblitzer: So wie die anderen 69 Saint-Laurent Looks, die Hedi Slimane am Montagabend in Paris präsentierte, war dieser hier nicht die Krönung. Da halfen auch die windigen Diademe nicht

Kein Glamour bei Saint Laurent
Eigentlich also keine Überraschung, dass so mühelos eine Mammut-Kollektion mit 70 Looks zusammen kam. Dabei hat sich Hedi Slimane eindeutig vom Heroin-Schick der 90er-Jahre und dem Grunge-Look einer Courtney Love (51) inspirieren lassen: formlose Hängerchen in billig anmutenden Stoffen, teilweise glitzernd, transparent oder metallisch schimmernd; dazu wurden achtlos Leder-, Jeansjacken oder Felljacken kombiniert. Seine Kreationen vollendete der Designer mit hässlichen Gummistiefeln, die Yves Saint-Laurent († 71), der Namens- und Ruhmgeber des Modehauses, wohl nicht einmal zur Gartenarbeit getragen hätte.

Vom alten Saint-Laurent-Glamour fehlte jede Spur – da konnten auch die Diademe auf den Köpfen der Models nichts ausrichten. Dennoch ist zu erwarten, dass auch diese Trash-Mode zu gewohnt wahnsinnigen Preisen in den Handel kommen wird. Schließlich scheut Slimane auch nicht, einen mit Pailletten besetzten Blazer aus einem Polyester-Wolle-Mix mit 47.350 Euro auszuzeichnen.

Stehende Ovationen wären hier wirklich Fehl am Platz, für einige Gäste in der Front Row aber auch mit etwas Mühe verbunden gewesen: Schließlich hätten sie ihre Beine erst aus dem Schneidersitz entwirren und vom Fußboden aufstehen müssen. Echte Sitzgelegenheiten waren nur Top-Gästen wie „Vogue“-Chefin Anna Wintour (65), Schauspiel-Legende Catherine Deneuve (71) oder Star-Fotograf Patrick Demarchelier (71) vorbehalten – Front Row-Gäste, die noch den alten Yves Saint Laurent-Glamour kannten.


Auch die Models waren keine Highlights
Unter den Mannequins feierte übrigens ein Ex-Topmodel nach jahrelanger Auszeit ihr Comeback: Die Britin Agyness Deyn (32), die mit ihren langen, braunen Haaren fast nicht wieder zu erkennen war. Ansonsten muss man den Mädchen, die mit Augenringen und hängenden Schultern über den Laufsteg schlenderten, zumindest eines lassen: Sie verkörperten den schlampigen Style der lieblosen Kollektion perfekt.

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