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STYLEBOOK trifft den Designer Robert Geller
von Susanna Riethmüller
„Männer sind zu faul für Trends“

Wann ist ein Mann ein (gut angezogener) Mann? STYLEBOOK traf den deutschen Designer Robert Geller backstage nach seiner Show auf der New York Fashion Week – und sprach mit ihm über Trends, einfache Styling-Regeln, an die sich jeder Mann halten sollte – und die Frage, warum Männer in Sachen Mode oft so faul sind.

STYLEBOOK: Robert, wie sieht der gut angezogene Mann im Sommer 2013 aus?
Robert Geller: Lässig und gleichzeitig edel – das ist die neue Mischung. Ein Mann sollte nie danach aussehen, als hätte er stundenlang vor dem Spiegel gestanden. Aber eben auch nicht so, als hätte er gar nichts versucht. Was Farben angeht: Im Sommer 2013 tragen Männer ein frisches Grün, das wird der wichtigste Trend. Wem das zu witzig ist, setzt auf Off-Black, ein verwaschenes Schwarz, das ein bisschen used aussieht.  

Was geht gar nicht mehr in Sachen Männer-Mode?

Westen über Hemden! Wenn dann auch noch eine Krawatte dazu kommt... viel zu spießig. Wenn man unbedingt Westen tragen will, dann bitte einfach über einem alten, etwas zu großen T-Shirt. Übrigens für mich die perfekte Kombination. Das Problem vieler Männer ist ja, dass sie zwar gut aussehen wollen, ihnen Gemütlichkeit aber trotzdem das Wichtigste ist. Das miteinander zu kombinieren, ist nicht so einfach – aber die Kombi Weste plus T-Shirt kann das.  

Und was ist mit kurzen Hosen? Eigentlich noch immer ein No-Go, aber bei hohen Temperaturen im Sommer so verlockend...

Ich mag das ehrlich gesagt auch nicht. Bei Männern wirkt das immer irgendwie komisch, wenn man zwischen den Socken und der Hose das Bein sieht. Das sieht nun mal nicht so schön aus wie bei Frauen.  

Bitte ein Tipp für Männer, die keine Ahnung von Mode haben – aber trotzdem gut angezogen sein wollen?

Als Erstes muss ein Mann herausfinden, was ihm gefällt. Zweitens einen Designer finden, der das anbieten und der ihm steht. Und dann unbedingt mit einem Teil anfangen! Das ist das Wichtigste: Nicht zu viel auf einmal probieren, das geht immer schief, weil es verkleidet aussieht. Kleine Schritte machen, dann wird man mit der Zeit richtig gut. Einen guten Stil zu entwickeln, dauert – das klappt nicht über Nacht. Für Frauen ist das etwas leichter, weil sie sich mit schnellen Statements, zum Beispiel Accessoires, an einen Look herantasten können.




Für Männer ist es also schwieriger als für Frauen, gut angezogen zu sein?
Nicht unbedingt. Männer haben weniger Vorbilder als Frauen, es gibt weniger Magazine und Blogs für sie, von denen sie sich inspirieren lassen könnten. Das macht es schwieriger. Auf der anderen Seite ist das Angebot für Frauen viel größer, sie haben viel mehr Auswahl – und können dadurch auch viel mehr falsch machen. Wenn Männer erst einmal ihren Stil gefunden haben, müssen sie ihn nur noch durchziehen.
 
Gibt es eigentlich It-Pieces für Männer? Den einen Schuh, den alle haben müssen? Oder den einen Gürtel?
Nicht so exzessiv wie bei Frauen – weil das bei Männern ganz anderes und vor allem langsamer funktioniert. Männer fühlen sich nicht wohl bei dem Gedanken, dass sie gerade DAS Hemd tragen, das jeder haben muss. Wenn ein Mann ein bestimmtes Lieblingsteil von einem bestimmten Designer hat, dann wird er es die nächsten Saisons einfach immer wieder kaufen – vielleicht mal aus einem anderen Stoff oder in einer anderen Farbe, aber er wird dem Teil treu bleiben.

Sind Männer vielleicht einfach nur zu faul für Trends?

Könnte sein! Natürlich gibt es jede Saison den einen Look, der besonders gut läuft. Aktuell war das zum Beispiel ein Dip-Dye-Pulli, der sofort ausverkauft war. Aber weltweite Trends wie bei den Frauen, die man mitmachen MUSS – das ist Männern zu anstrengend.

Robert Geller, 1976 in Hamburg geboren, lebt seit 13 Jahren in New York. Zuerst arbeitete er dort für Marc Jacobs, 2007 gründete er sein eigenes Label und zeigt seitdem jede Saison eine Show auf der New York Fashion Week – als einziger deutscher Designer unter eigenem Namen. 2009 bekam er einen CFDA-Award in der Kategorie Bester Männer-Designer. Robert Geller ist verheiratet und hat eine Tochter.