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Ins Netz gegangen
von Thomas Helbing
Londons Designer revolutionieren das Online-Shopping

Sie denken, Sie wären besonders modern, weil Sie Ihre neueste Jeans im Internet eingekauft haben? So last Season! In London denken Marken und Designer schon längst einen Schritt weiter. Willkommen im Cybershopping 3.0!

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    Foto: Topshop.com

    Am Sonntag zeigte die Günstigkette Topshop seine Unique Kollektion. Die Show wurde per Livestream ins Internet übertragen, die Netzgucker konnten die gezeigten Looks direkt per Snapshot online bestellen


Wer kein Ticket zur Topshop-Show am Sonntagnachmittag ergattert hatte, konnte sich beruhigt zurücklehnen – zu Hause auf dem Sofa oder im Café. Denn die Show der britischen Modekette wurde per Livestream im Internet übertragen. So weit nicht ungewöhnlich. Viele Labels bei den Fashion Weeks von New York über Paris bis nach Mailand tun das (in London übrigens 70 Prozent der Designer). Die Front Row gehört schon längst nicht mehr ausschließlich den Anna Wintours und Carine Roitfelds dieser Welt.

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Doch bei Topshop geht der Dialog mit Mode im Internet einen Schritt weiter: Das interessierte Netzpublikum konnte während der Show per Snapshot-Button ein Screenshot-Foto vom jeweiligen Lieblingsoutfit machen und per Twitter und Facebook teilen sowie eine Tweet-Kritik abgeben, dabei Tickets für die kommende Show gewinnen.

Doch damit noch nicht genug: Mit der Funktion „Costumise the Catwalk“ konnten die gezeigten Looks in Farbe und Muster individuell bearbeitet und vorbestellt werden. Lieferung: Monate bevor die Sachen in die Läden kommen.

Nur noch mal zur Erinnerung: Wir reden von der Mode für den NÄCHSTEN Sommer. „Unsere Zielgruppe ist jung und vernetzt, das ganze Leben unserer Kunden spielt sich auf ihrem iPhone oder iPad, bei Facebook und Twitter ab“, erklärt Topshop-Marketingchef Justin Cooke das „Fast-Fashion-Konzept“ der Zukunft.

Das bestätigte auch die E-Commerce-Pionierin Natalie Massenet, die STYLEBOOK während der Fashion Week traf: „Die Modeindustrie beginnt erst, das Internet zu entdecken. Das Potential ist noch riesig und kann für die Mode nur gut sein.“ Massenet gründete vor zehn Jahren den Luxus-Online-Shop Net-A-Porter, der erfolgreichste und fortschrittlichste weltweit. Im kommenden Jahr wird die Online-Shopping-Queen Chairwoman des British Fashion Council.

Die Mode direkt vom Laufsteg per Mausklick vorbestellen – diesen Service bietet Burberry  seiner Internetklientel schon seit einigen Saisons an. Burberry hatte bereits 2009 erkannt, welches Potential das WWW bietet und seitdem seine Modenschauen als erstes Luxuslabel weltweit live ins Internet übertragen.

Noch mehr verschwimmen die Grenzen zwischen realer und virtueller Kleiderstange im vor wenigen Tagen eröffneten Burberry Flagship-Palast auf der Londoner Einkaufsmeile Regent Street. Überall flimmern Bildschirme, eine Soundanlage aus 500 Lautsprechern lässt virtuellen Regen plätschern. Alle Verkäufer sind mit iPads ausgestattet. Darin werden die Daten und Einkäufe jedes Kunden – ob klassischer Ladengänger oder Internetshopper – abgespeichert. Highlight: Betrachtet sich der Kunde in einem der riesigen Spiegel, verwandelt sich dieser in einen Bildschirm mit Runaway-Optik. Abgefahren oder blanke Spielerei?

„Burberry gibt es zwar schon seit 156 Jahren, aber altmodisch sind wir deshalb nicht“, sagt Burberry Geschäftsführerin Angela Ahrendts. „Wer in den neuen Store geht, betritt automatisch die Burberry Webseite. Das ist unser Verständnis vom Shoppen in der Zukunft.“ Ob allerdings ein Seidenkleid für knapp 1.500 Euro oder eine Bluse für 450 Euro aus der Premiumlinie Prorsum ebenfalls dem Modeverständnis junger, technikbegeisterter Leute entspricht, ist zu bezweifeln.

Zu dieser Generation zählt auch der Designer J.W. Anderson, einer von Londons angesagten Designtalenten. Für diesen Winter hat Anderson eine Kollektion für Topshop entworfen. Die konnte die netzbegeisterte Topshop-Kundin bereits vor Ladenverkaufsstart in einem Verkaufsprospekt mittels Smartphone und Barcode-Scanning bestellen. Alles andere wäre ja auch so last season!

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