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Grausiger Trend: Tierfell boomt!
Wetten, dass auch Sie Pelz tragen (und es nicht wissen)

Der aktuelle Pelz-Trend auf den Laufstegen hat nichts mit Ihnen zu tun? Irrtum! Auch wer eingefleischter Pelz-Gegner ist, trägt womöglich trotzdem echtes Tierfell. Wie das sein kann? Aufgepasst!

Der Trend für den nächsten Winter steht fest: Pelz! Eben wieder gut zu sehen bei den Männermodenschauen in Mailand und auf der Berlin Fashion Week: Ob bei Brioni, Sportalm oder den Fell-Schwerenötern Fendi – in endlosen Reihen marschieren die Models in schweren Pelzen über den Laufsteg. „Pfui!“, denken Sie und wissen vielleicht gar nicht, dass auch Sie mehr oder weniger unbewusst selbst ein süßes Tierchen tragen.

  • Antonio Marras

    Foto: getty images

    Designer Antonio Marras zeigt bei seiner Show wieder echte Pelze. Nicht das einzige Label, denen das schlechte Gewissen egal ist

  • Ralph Lauren Purple

    Foto: getty images

    Denn auch bei den Männerschauen in Mailand gab's dicke Felle ohne Ende, wie hier bei Ralph Lauren Purple, auf dem Laufsteg zu sehen

Pelzumsatz auf Rekordhöhe

Pelz ist längst nicht mehr nur der mondäne Mantel à la russische Millionärin. Tierfelle schmücken heute Kragen und Kapuzen, verzieren Manschetten und Stiefel, verstecken sich als lustiger Mützenpuschel – nicht nur bei Luxusmarken, auch in den Regalen der Textilketten. Das lässt Echtpelz boomen. 

  • Sportalm

    Foto: getty images

    Sieht nicht wie Fuchs aus, ist aber einer. Sogenannte Verbrämungen, wie Pelzbesätze oder Fellpuschel als Bommel wie beim Label Sportalm, machen mittlerweile den Hauptumsatz im Pelzhandel aus. Bei den Fell-Accessoires bleibt die Moral bei den Kunden oft auf der Strecke, weil sie damit nicht das Leid der Tiere in Verbindung bringen wie bei einer Pelzjacke

Bei den sogenannten Verbrämungen, die den Hauptumsatz an Pelzartikeln ausmachen, geht das schlechte Pelzgewissen im Plüsch-Rausch des Einzelhandels völlig unter. Und das, obwohl acht von zehn Deutschen das Töten von Tieren für die Pelzproduktion ablehnen. Aber der Fellkragen am hippen Winterparka hält doch gerade jetzt so schön warm. Und bei den puscheligen Ohrenklappen denkt kaum noch einer an ein süßes Häschen, dem hier das Fell über selbige gezogen wurde.

  • Brioni

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    Pelzkragen und -kapuze am hippen Winterparka – das sieht man nicht nur auf den Catwalks wie hier bei Brioni, sondern bei fast jedem zweiten Otto-Normalo auf der Straße

Kein Wunder also, dass der weltweite Pelzumsatz auf Rekordhöhe ist. Laut der International Fur Trade Federation (IFTF), dem Weltverband der Pelzhändler, ist der Umsatz in den letzten zehn Jahren um 70 Prozent gestiegen. Tendenz steigend.

Etikettenschwindel

Auch ein Grund für den Fellboom: Pelz sieht schon lange nicht mehr nach totem Tier aus. Beim violettfarbenen Fellkragen am Wollmantel glauben viele Konsumenten, dass es sich dabei um Kunstpelz statt echten Tierfellen handelt.

  • Fendi

    Foto: getty images

    Wer vermutet bei diesem kanariengelben Wuschelpulli schon, dass dieser aus echten Fellen gearbeitet ist. Da dieses Modell aber aus der eben gezeigten Winterkollektion von Fendi ist, dem berühmtesten Pelzhaus der Welt, ist nicht davon auszugehen, dass es sich hier um Fake Fur handelt

Mit dieser Unwissenheit der Kunden wird Profit gemacht und schlimmer Handel betrieben. Laut einer Untersuchung von Stiftung Warentest enthält ein hoher Prozentsatz von angeblichen Kunstfellen auch tierische Materialien, berichtet die Februar-Ausgabe von „test“. So fielen bei Stichproben in etwa 20 Geschäften Jacken und Mützen mit Pelzbesatz auf, der verdächtig echt aussah und demnach laut EU-Verordnung mit „enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ gekennzeichnet sein muss. Die Laboranalyse ergab: Alle fünf gekauften Textilien waren mit echtem Pelz bestückt. Die grausige Wahrheit: Echter Pelz aus heruntergekommenen Tierfabriken Chinas ist billiger zu produzieren als teurer Kunstpelz.

Pelztierfarm China

China hat sich zum größten Pelzproduzenten der Welt gemausert. Laut Greenpeace werden dort nach Schätzungen jährlich 70 Millionen Nerze, Füchse, Marderhunde ja sogar Hunde und Katzen getötet. Tierschutz ist dort ein Fremdwort, wie diese grausamen Bilder einer Recherche der Tierschutzorganisation „Animal Equality“ zeigen:

Hundepelz: Undercover Recherche in China

Oft als Polyester oder Waschbär getarnt, gelangen diese Felle legal in die EU und Deutschland, werden dann von der Mode-Industrie hierzulande oder gleich in China verarbeitet.

Selbst Händler wissen oftmals gar nicht, was sie verkaufen. So deckten Tierschützer 2014 auf, dass Tom Tailor und die Drogeriekette Müller als Kunstfell deklarierte Produkte tatsächlich aus Katzenfell gearbeitet waren. Animal Equality entdeckte erst kürzlich Marderhundfelle als Besatz an einer Jacke von Hugo Boss.

Dabei hatte die Marke 2015 noch erklärt, ab diesem Jahr vollständig „pelzfrei“ arbeiten zu wollen; nach dem Vorbild von Labels wie Calvin Klein, Tommy Hilfiger, Stella McCartney, ASOS und Zara.

  • J. J. Martin

    Foto: getty images

    Der Mode gefellt's wieder. Nachdem in den 90ern das Tragen von Pelzen extrem verpöhnt war, sind Tierfelle längst in der Szene salonfähig geworden. Modejournalistin J. J. Martin vor wenigen Tagen bei den Mailänder Schauen in kuscheliger Pelzweste

Wer auf Nummer sicher gehen will – so kann man Echtpelz von Fake Fur unterscheiden: Rupfen Sie ein paar Fasern aus und entzünden diese mit einem Feuerzeug. Tierhaar riecht wie menschliches Haar nach Horn und verbrennt normal, Kunstfasern riechen nach Plastik und zerschmelzen zu einem Klumpen.

Richtigstellung: In einer früheren Version des Artikels hatten wir ein Bild von Marc Cain benutzt und falsch behauptet, dass es sich um echtes Fell handelt. Richtig ist: Es handelt sich bei dem gezeigten Bild um einen Kunstfell-Schal aus Polyacryl. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler.

  • Marc Cain

    Foto: getty images

    Marc Cain zeigte bei der Berliner Fashion Week Felle aus Kunstfasern und verzichtet auf echte Pelze

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