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Thomas Hayo über den Fashion-Dreh bei GNTM
von Christiane Hoffmann
Warum ist Schauspieltalent so wichtig für Topmodels?

Können Heidi Klums Mädels auch schauspielern? Thomas Hayo, Juror bei „Germany's Next Topmodel“, dreht in der achten Folge mit den zwölf verbleibenden Konkurrentinnen kleine Fashion-Filme - in der klirrenden Kälte Utahs. Motto: Wilder Westen. STYLEBOOK sprach mit ihm, warum Schauspieltalent für Models so wichtig ist.

In Folge acht bei GNTM wird scharf geschossen. Erst posieren die Kandidatinnen im „Wild-West-Style“ für Fotograf Christian Anwander, danach geht es zum Fashion-Dreh mit Juror Thomas Hayo, der hier Regie führt. Einigen Kandidatinnen passt das aber gar nicht. Kandidatin Nancy (21) motzt: „Man fühlt sich als wäre man auf einer Schauspielschule, nicht auf einer Modelschule!“.

STYLEBOOK sprach mit Thomas Hayo über die notwendigen Fähigkeiten von echten Topmodels und den „Western“-Dreh, der heute Abend in der achten Folge von „Germany‘s Next Topmodel“ gezeigt wird.

STYLEBOOK: Wie wichtig ist schauspielerisches Talent für ein gutes Model?

Thomas Hayo: Schauspielerisches Talent ist für ein Model heutzutage wichtiger denn je. Die mediale Landschaft hat sich sehr verändert und damit natürlich auch die Kommunikation von Fashion-Unternehmen. Wo man früher noch einfach nur mit Bildmaterial geworben hat, ist die Darstellung einer Marke nach außen viel komplexer geworden. Das verändert natürlich auch das Anforderungsprofil eines Models. Es muss auch vor laufender Filmkamera ein gutes Bild abgeben! Denn für die Vielzahl der Kampagnen gibt es dazugehörige Werbespots oder Fashionfilme und für diese ist dann natürlich das schauspielerische Talent gefragt. Wenn man heute ein Model bucht, dann schaut man auch auf seine Fähigkeit, sowohl auf einem Fotos als auch im bewegten Bild eine gute Figur zu machen.“

Die Mädchen agieren völlig unterschiedlich vor Kamera - einige total gehemmt, andere als hätten sie nie etwas anderes gemacht... Wer war gut, wer nicht und warum?
Auch das sieht man immer wieder. Einige der Mädchen haben es einfach im Blut. Sie können sich auch vor laufender Kamera frei und natürlich bewegen und sich in eine Rolle glaubhaft hinein versetzen, so wie Ivana und Aminata. Andere sind wiederum noch extrem gehemmt, wie etwa Samantha, Lisa oder überraschenderweise auch Karlin. Ich denke es hat auch viel damit zu tun, dass die Mädchen noch nicht wissen, wie ein solcher ein Film entsteht und auf was es ankommt. Man braucht möglichst viele authentische Momente, die man dann im Schnitt zu einem stimmigen Ganzen kombiniert. Diese Momente können auch recht kurz sein, aber es ist immer wichtig, dass diese glaubwürdig vor der Kamera gespielt werden. Das ist natürlich nicht einfach, gerade für Novizen. Aber man kann es bis zu einem gewissen Punk auch lernen. Und je mehr die Mädchen verstehen, wie so ein Film entsteht und worauf es ankommt, desto größer ist die Chance, dass sie es beim nächsten Mal besser machen. Genau aus diesem Grund denke ich mir Challenges wie diese mit ihnen aus, um ihnen näher zu bringen, wie gewisse Dinge im echten Business kreiert werden um ihnen die Chance zu geben, möglichst viel zu lernen.“


Welche Topmodels sind auch gute Schauspielerinnen?
Durch die Tatsache, dass ich als Creative Director mittlerweile in sehr viele Werbefilme involviert war und immer noch bin, suche ich natürlich immer nach Models, die auch vor der Filmkamera überzeugen können. Über die Jahre hinweg habe ich auch mit vielen absoluten Topmodels gedreht, die mich dabei restlos überzeugt haben, wie z.B. Angela Lindvall, Lily Aldridge oder Erin Wasson. Und einige schaffen ja den erfolgreichen Schritt vom Fashionbusiness bis nach Hollywood. Man denke nur an Cameron Diaz, die ja auch als Model begonnen hat, Milla Jovovich oder „unsere“ Diane Kruger. Oder jüngste Beispiele wie Amber Heard: Eben noch das Gesicht der Guess Kampagne und jetzt auf dem Big Screen neben Harrison Ford, Gary Oldman oder Kevin Costner.

Nancy und Ivana motzen, sind aber nachher gut. Haben Sie eine Erklärung für das zickige Verhalten?
Die Erklärung ist in meinen Augen ganz einfach: Die Mädchen sind unerfahren und wissen noch nicht, wie gewisse kreative Produkte wie ein Fashionfilm entstehen. Sie können noch nicht sehen, zu welch tollem Ergebnis in ihren Augen „unsinnige“ Aufforderungen unsererseits führen können. Aber deshalb mache ich diese Workshops mit ihnen, um zu zeigen, dass ein Kreativer, sei es Fotograf oder Regisseur, eine bestimmte Vision verfolgt und dass es sich lohnt, dieser Person und deren Vision zu vertrauen. Sie müssen lernen sich fallen zu lassen, mitzugehen, um gemeinsam ein interessantes kreatives Endprodukt zu erschaffen. Genau dieser gewünschte Effekt ist auch bei den Mädchen eingetreten. Als sie die fertigen Filme gesehen haben, war das Staunen groß. Sie konnten kaum glauben, was aus so einem Shooting entstehen kann. Diejenigen, bei denen die Ergebnisse toll waren, haben sich extrem gefreut und waren stolz. Diejenigen, die an dem Tag nicht voll mitgezogen haben, haben sich im Nachhinein über sich selbst geärgert. Aber gelernt haben am Ende alle etwas und das war Sinn der Sache.

Was Nathalie betrifft, scheiden sich bei euch in der Jury die Geister. Warum polarisiert sie so sehr? Geben Sie einem Mädchen mit so einem Verhalten eine Chance?

Nathalie ist ein wunderschönes Mädchen, das sich leider in meinen Augen oft selbst im Weg steht. Sei es nun bei ihrer Performance auf Shootings und auf dem Laufsteg, oder generell im Umgang mit anderen. Sie hat sich ein Bild zurechtgelegt, wie ein Model zu sein hat und wie es agieren muss, welches nicht unbedingt der heutigen Realität im Business entspricht. Zumindest nicht dem, das ich aus New York und den anderen Modemetropolen kenne. Natürlichkeit, Authentizität und hier und da auch mal ein gewisses Understatement haben noch keinem Model geschadet. Deshalb sehe ich es als meine Pflicht an, sie darauf hinzuweisen und ihr zu helfen, sich von ihren eigenen Zwängen und falschen Vorstellungen zu befreien. Denn nur dann wird sie eine Chance im wirklichen Modebusiness haben, was ich ihr natürlich wünsche. Allerdings stimmt es, dass die Meinungen in der Jury, was Nathalie betrifft, ab und zu etwas auseinander gehen. Warum meine Kollegen die Gefahr, die Nathalie in meinen Augen für sich selbst darstellt, nicht erkennen, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Denn wenn wir sie nicht auf die Problematik ihres Verhaltens hinweisen oder sie sich darin bestätigt fühlt, dann wird es natürlich schwer für sie, sich weiterzuentwickeln.

  • Thomas Hayo

    Foto: dpa

    Thomas Hayo ist Kreativ-Director und Juror bei GNTM











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