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Crystal Meth, Bows, Botanik...
von Thomas Helbing
Die fünf Top-Trends der London Fashion Week

Die London Fashion Week ist vorbei. Fazit: In London werden nicht nur Trends recycelt, sondern geboren. STYLEBOOK.de hat die fünf wichtigsten Strömungen für Sommer 2015 zusammengefasst.

  • Mary Katrantzou, Pringle of Scotland, Antonio Berardi, Christopher Kane, Simone Rocha

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    Foto: getty images

    Texturen

    Texturen und haptische Materialien, lösen den Musterwahn ab. Mary Katrantzou löst sich vom zweidimensionalen, ihre Muster entstehen durch die Struktur des Materials an sich (l.). Aufgebrachte, geometrische Kunststoff-Applikationen sorgen bei Pringle of Scotland (2. v. l.) für Haptik. Ausbrenner entstanden früher durch Ätze, heute werden die Stoffe mit Laser bearbeitet. Den Effekt kann man bei Antonio Berardi toll sehen (M.): Die Jacke zeigt drei verschiedene Texturen, ist aber aus demselben Stoff, da ist nix genäht, die Übergänge fließen. Mit Weben bei Christopher Kane (2. v. r.) und Prägen bei Simone Rocha (r.) werden ebenfalls 3D-Effekte erzielt

„In London weiß man nie, was einen erwartet. Das macht die London Fashion Week so aufregend“, lobte „Vogue“-Chefredakteurin Anna Wintour (64) vor der Presse das kreative Potential der Londoner Designer. Den Beweis lieferten sie die letzten fünf Tage: London ist nach wie vor DIE Brutstätte der Kreativität. Was die Designer dort entwerfen, ist neu, überraschend, wegweisend. Die fünf wichtigsten Strömungen...

1. Texturen
Schockstarre bei Mary Katrantzou: Sie eröffnet die Show mit einem völlig cleanen, cremeweißen Look. Wo sind die Muster? Katrantzou (31) hatte mit ihren großflächigen Kachelprints und Mustermixen vor vielen Saisons die Kritiker hingerissen. Die verpassten ihr prompt den Titel „Queen of Prints“. Muster von Kopf bis Fuß – das zeigten fortan alle. Und nun das. „Ich muss experimentieren, sonst stagniere ich“, so Katrantzou zu ihrem neuen Stil. Sie wolle sich jetzt mehr mit dem Material an sich auseinandersetzen. Die Botschaft: Texturen sind die neuen Muster. Katrantzou wechselt vom zwei- zum dreidimensionalen, kombiniert unterschiedliche Materialien, verwendet Spitze, zeigt bildschöne Stickereien. Auch andere Designer konzentrieren sich bereits aufs haptische durch gebrochenes Leder, geprägte Stoffe, Laser-Cuts.

2. Schleifen
Ohne Romantik geht's in der Mode nicht. Überall wurde Stoff zu üppigen Bows geknotet und drapiert. Schleifen auf Köpfen, Schleifen am Hals, Schleifen am Hosenbund, Schleifen auf der Brust, Schleifen in der Taille. Allerdings wirkt das gar nicht Girlie, sondern extrem raffiniert, erwachsen und mondän. 

3. Summer of Love
Sex, Drugs and Rock'n'Roll – das waren nicht nur die 60er- und 70er-Jahre, sondern kommt im Sommer 2015 zur Neuauflage. So wollen es jedenfalls Londons Designer. Heißt: Schlaghosen zu tief geknöpften Blusen, Mini-Rock, Fransen, psychedelische Muster. Also die perfekten Looks für den nächsten Festival-Sommer. Designer Tom Ford (53) zeigte fast obszöne Kleider, ließ sich für seine „Porno Chic“-Kollektion von Betty Catroux inspirieren, der legendären Muse von Yves Saint Laurent. Bei den beiden war ja bekanntlich die freie Liebe, Drogen und Partyexzesse Lebensinhalt bis zum Umfallen.

4. Botanischer Garten
Der Blumentrend ist nicht totzukriegen. Allerdings werden Blüten weniger romantisch, sondern naturalistischer gezeigt. Als würden die Designer uns zu einem Rundgang durch den Botanischen Garten einladen, inklusive robustem Schuhwerk wie Sandalen und Clocks. Designer Erdem Moralioglu ließ sich für seine Wild-Nature-Kollektion von der britischen Künstlerin Marianne North inspirieren, die im 19. Jahrhundert mit ihren botanischen Malereien berühmt wurde und deren Werke im Königlichen Botanischen Garten in London ausgestellt sind. Dass es in einem Garten nicht nur blüht, sondern auch flattert und krabbelt zeigten Burberry mit überdimensionale Bienendrucken und Marchesa mit aufsteigenden Vögeln auf Abendkleidern. 

5. Crystal Meth
Auf Londons Laufstegen funkelte und glitzerte es, wie sonst nur in der Weihnachtszeit. Der Einfluss von Swarovski war nicht zu übersehen. Der Marktführer für Schmuckkristalle aus Österreich unterstützt seit vielen Jahren Designer – nicht nur mit glitzernden Steinchen, sondern auch finanziell. In London z. B. den Chinesen und Central-Saint-Martins-Absolventen Huishan Zhang. Der drapierte unzählige Kristallketten zu Abendkleidern – keineswegs kitschig, sondern extrem glamourös, beinahe punkig.

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