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Endlich mal ein Modetrend, der nichts kostet
Grins Dir die Sorgen weg...

... vorzugsweise mit einem Glas Champagner oder Wodka in der Hand. Depressive Trauer wegen 10-jährigem Jubiläum von 9/11, Milliardendefizit im US-Haushalt, erneute Terrorwarnungen zum Jahrestag – egal. Wie jeden September herrscht hier modisches High-Noon – die Hauptakteure der „Mercedes-Benz Fashion Week“ (mehr als 100 Designer präsentieren die Trends des nächsten Sommers) feiern einfach weiter. US-Mode-Darling Tommy Hilfiger sagt zu mir kurz vor seiner beklatschten Männer-Show: „Ja, wir gedenken der Toten in Demut, aber wir blicken nur nach vorn. In Mode ist immer nur die Zukunft.“

  • Foto: Splash News, Stylebook

Von der New York Fashion Week berichtet Carolin Dendler

MAGERSÜCHTIGES PORTEMONNAIE – egal! Kauf-Orgien sind der Schrei von Morgen, so die Botschaft von dieser NYC-Woche! Am Donnerstag in New York – Boutiquen-Alarm. Einkaufen, bis von der Krise nichts mehr übrig bleibt, so diktierte es die Hohepriesterin der Mode, die US Vogue-Chefin Anna Wintour. Sie hatte zum globalen Kaufrausch aufgerufen, der globalen „Fashion Night Out“.

Aufschwunghelfer der kränkelnden Modeimperien – Promis, wie Sarah Jessica Parker, die (welch Überraschung!) in ihrem Lieblings-Stöckelschuhladen (Louboutin) Autogramme gab. Top-Model Lara Stone erklärt mir bei Calvin Klein, sie shoppt wie ein Mann – „alles in fünf Minuten.“ Aber groß Shoppen gehen muss sie selbstverständlich nicht, Über-Schönheiten wie sie bekommen eh alles zum Nulltarif von den Designern.

Überall D-Janes in den Boutiquen, wie It-Girl Alexandra Chung bei Stella McCartney im Meatpacking-District, die 60s Musik spielt. Sonst dröhnt überall die Hymne von Aloe Blacc „I need a Dollar.“

Mein Shopping-Highlight war ein kostenloses „Vergnügen“ – ich lasse  mich  von Hundertschaften von durchgeknallten, weinenden Teenies überrollen. Im Shop von Dolce Gabbana! Kreischalarm, weil in einer Ecke ein Blondschopf mit Nerd-Brille Autogramme gibt. Das schmale Hemd heißt Justin Bieber, und ist der musikalische Über-Mensch für alles unter 18! Für 200 Dollar ( klar, wird für seine Charity gespendet) unterschreibt der bestverdienende Teenie-Star des Universums für die  Kleinigkeit von 200 Dollar auf T-Shirts. Die durchgeknallten Girls haben sogar seinen Bodyguard fotografiert. Der erzählt mir, dass er an dem Abend schon zwei Anzüge durchgeschwitzt hat bei so viel Zuneigung für seinen Justin. Übrigens, Justin Bieber hatte rund 20 Muskel-Gorillas, die versuchten ihn abzuschirmen. Anna Wintour „nur zwei“. Merke: Statussymbol Bodyguard ist auch in der nächsten Saison noch angesagt.

Auch komisch – als Ober-Rapper „Usher“ auch zur Shopping Night Out erscheint meinen sie nur – „Ach der!“ Chaos herrschte auch in der neuen Kardashian-Boutique. Es waren so viele Fans in dem Shop der Reality-Soap-Stars, dass die Polizei anrückte. Kim Kardashian ließ dann irgendwann im Geschäft das Licht ausmachen, weil die Fans nicht gehen wollten.

VOM STAR-FOTOGRAFEN ZUM UNTERWÄSCHEDESIGNER – Nun haben sogar Foto-Künstler wie Bruce Webber ihre eigene Unterwäschelinie, die er stolz im Biergarten des angesagten Standard-Hotels an sehr coolen, sehr schwulen Jungs präsentiert. Dazu gab es Brezeln, ein Weißbier und die Webber-Weisheit: „Ich war irgendwann gelangweilt nur zu fotografieren. Deshalb mache ich jetzt Unterwäsche.“ „Warum nur Kerle-Schlüpfer?“, frage ich. Er: „Die Girls können Sie auch anziehen, eben in XS.“ Ich hoffe, das dies nicht in Mode kommt.

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NEW YORK ZIEHT AN...noch bis kommenden Donnerstag. Die wichtigsten Schauen (Calvin Klein, Diane von Furstenberg, Alexander Wang, Ralph Lauren) kommen noch – deshalb habe ich mich für den Look – Augenringe entschieden. Sprich Party-Alarm.

Weil Mode immer wieder Kunst küsst, gibt Giorgio Armani in Coop mit Galerist Vladimir Roitfeld und dem Auktionshaus Phillips von Simon de Pury eine hippe Retrospektive von Street-Art-Künstler Richard Hambleton uptown. Rund 500 durchgestylte Hipsters treffen sich zum kollektiven Gesehen und Gesehen werden. Schöne Giraffen (Models) in einem Hauch von Nichts auf Empire-State-Building-Stillettos torkeln mit einem Glas Champagner durch die Ausstellung. Der Rest ist genauso hip und hört auf Namen wie Poppy oder Delfina. Da möchte man sich als Normalo-Frau schon mal unsichtbar mchen.

Am gleichen Abend gibt es unzählbare Parties...Interview-Magazine mit Tommy Hilfiger. Doch immer wieder heißt die Endstation Boom-Boom Room. Im 18. Stock des Standard Hotels. Am Mittwoch wurde die Saison mit einer Fendi-Sause eingeläutet. Im strömenden Regen warten Hunderte der New Yorker Spaß-Society. Wer nicht auf der Liste steht...dumm gelaufen. Der Fahrstuhl ist so überfüllt, dass keiner mehr atmen kann. In dem Party-Place selbst mit Blick über New York kann man eigentlich nicht tanzen, man wird geschupst.

Die angesagte Sängerin Lykke Li hat einen Live-Auftritt. Champagner Gläser klirren, die deutsche Star-Fotografin Ellen von Unwerth tanzt ausgelassen, und „Germany's Next Topmodel“ Moderator Thomas Hayo meint nur: „Die People hier sind schon cooler, verrückter. Dies ist das Wohnzimmer der Angesagten.“ An der Bar auf der anderen Seite, dem sogenannten „Les Bains“ riecht es nach Chlor, denn in einem Schwimmbecken tummeln sich hier einige Halbnackte. Von wegen prüdes Amerika.

Bei der Stöckelei durch die Meute büße ich morgens um drei einen Prada-Absatz ein und finde ihn nicht wieder. Dumm gelaufen. Irgendein Ober-Hipper sieht mein Schuhmaleur und hört mein Gemurmel: „Muss neue Schuhe kaufen.“ Er gibt mir den Rat: „Sex in the City ist eh besser als Shoppen in the City.“ Kein Kommentar! Ich beschließe die US-Modewirtschaft zu fördern und kaufe morgen neue Killer-High-Heels!

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