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Die unglaubliche Geschichte von Männermodel Mark Reay
Schön, erfolgreich, obdachlos

Mark Reay (56) arbeitet als Dressman und Fotograf in der Glitzerwelt New Yorks – und muss dennoch jeden Tag ums Überleben kämpfen. Die neue Film-Doku „Homme Less“ zeigt sein ungeschöntes und beeindruckendes Schicksal.

Den typischen Obdachlosen stellen sich die meisten als drogensüchtigen oder betrunkenen Penner vor, eine verlorene Seele – aber mit Sicherheit wird damit nicht ein glamouröses Modelleben in Verbindung gebracht. Doch jetzt zeigt die Doku „Homme Less“ des Österreichers Thomas Wirthensohn genau so ein Schicksal und zwar die des Models Mark Reay.

  • Mark Reay

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    Foto: dpa

    Wer den New Yorker Fotografen und Model Mark Reay (hier mit Mode-Designerin Ophelia Blaimer auf einem Event im Münchner Club „P1“) trifft, würde niemals vermuten, dass der smarte Silberfuchs bis letztes Jahr obdachlos war

Diese beginnt wie ein Werbeclip für ein Herrenparfum oder einen noblen Herrenausstatter: Ein gut aussehender Mann, Mark Reay, verlässt im perfekt sitzenden Anzug und maßgefertigten Schuhen eine öffentliche Toilette in New York.

Based on appearances, like the photo above, Mark Reay seems to have his life in order. He wears suits, nice shoes, and shoots backstage at shows like Alexander Wang and for many fashion magazines. But in reality, he was living as a homeless man, getting ready for photo shoots in public bathrooms and sleeping on a roof in the East Village. Homme Less is a documentary that follows Reay as he goes to work and keeps up appearances as a prosperous man with a bright career. The juxtaposition between his shooting backstage at a fashion show and his reality as someone using public showers is harsh. The documentary starts a conversation about the differences between appearances and reality and the pressure some people feel to keep up a façade of success in a society that stigmatizes homelessness. Homme Less is set to be released on August 7. #VisionaireWorld #MarkReay #HommeLess

Ein von Visionaire (@visionaireworld) gepostetes Foto am

Doch hier hat sich Mark Reay nicht kurz frisch gemacht, sondern sein Badezimmer verlassen. Mark Reay war obdachlos, nicht ein paar Tage, sondern sechs Jahre. Von 2008 bis 2014. Sein Schlafzimmer war auf dem Dach eines Wohnhauses im East Village. Unter einer Plastikplane hatte sich der Amerikaner notdürftig eine Schlafstelle eingerichtet. Obwohl er als Freelance-Fotograf unterwegs war und immer noch als „Silversurfer“-Model gebucht wurde, reichte sein Einkommen nicht für eine Wohnung.

Vom Model zum Obdachlosen
Doch wie konnte das einstige erfolgreiche Model so tief abstürzen? Seine Geschichte beginnt 1984, als der 1,90 Meter große Amerikaner im Südfrankreich-Urlaub entdeckt wird. Bis in die späten 80er-Jahremodelt Reay erfolgreich für Labels wie Versace, Moschino oder Missoni. Nach einer langen Auszeit in New York und Rio de Janeiro geht er 2008 als Fotograf zurück nach Frankreich – und wird nicht gebucht. Keine Jobs, kein Geld. Als seine Ersparnisse aufgebraucht sind, kann er sich nur noch ein Rückflug-Ticket nach New York leisten und ein Hostel-Zimmer für zehn Tage. Mark Reay ist zu stolz, um Freunde nach Übernachtungsmöglichkeiten zu fragen. 

Zwischen Glitzerwelt und Gosse
Während seiner Obdachlosen-Zeit arbeitet er weiterhin als Model und Fotograf. Doch wenn Mark vom Magazin „Dazed & Confused“ als Backstage-Fotograf gebucht wurde, erhält er 700 Dollar (umgerechnet circa 644 Euro) für eine ganze Woche – zu wenig, um in New York für die Miete aufzukommen.

So verdient er sich zwischendurch als Statist für Filmproduktionen (unter anderem „Sex and the City“) sein Geld und im Winter spielt er in Kaufhäusern den Weihnachtsmann, um wenigstens einigermaßen über die Runden zu kommen und Geld für Kleidung (Die Optik eines Models ist die wichtigste Visitenkarte) und sein Foto-Equipment zu haben. Für 90 Dollar (ca. 83 Euro) leistet er sich zusätzlich eine Mitgliedschaft für das „YMCA“, hier kann Mark duschen und das Fitnessstudio nutzen sowie seine Kleidung waschen und bügeln. Von seiner Existenz unterhalb der Armutsgrenze weiß keiner. Wie auch, jeden Morgen startet Mark frisch rasiert, geduscht und stilvoll angezogen seinen Tag.

„Ich habe viel erlebt, aber nicht viel erreicht“, meint Reay nüchtern in der Doku. Mark Reay scheint alles verloren zu haben, aber nicht seinen Lebensmut. Mittlerweile lebt Mark mit seiner Mutter in einem kleinem Apartment in New Jersey, von seinem einstigen Schicksal weiß seine Mutter nichts.

Der Dokumentarfilm „Homme Less“ hat am 7. August seine Premiere in New York. Ein deutscher Filmstart steht noch nicht fest. Den Trailer gibt's hier:

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