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Interview mit Germany's Best Topmodel Esther Heesch
von Thomas Helbing
Wünschst Du Dir manchmal eine Model-Mama wie Heidi Klum?

Hübsch, hübscher, Esther! Die Deutsche zählt zu den derzeit gefragten Models der Welt. Im letzten Jahr lief die 17-jährige Schülerin aus Lübeck (Lieblingsfächer Geschichte, Deutsch und Sport) für über 100 Top-Designer über den Laufsteg. Jetzt auch auf der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin. Dort hat STYLEBOOK Esther Heesch zum Interview getroffen.

  • Esther Heesch

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    Foto: getty images

    Die aus Lübeck stammende Esther Heesch hat es ohne TV-Castingshow zum gefragten Topmodel gebracht. Sehen Sie selbst...

Es scheint, als hätte die Modelwelt auf Esther Heesch gewartet. Gemeinsam mit Kati Nescher, Franziska Müller und Antonia Wesseloh zählt Esther zu Germanys echten Topmodeln. Entdeckt wurde Esther nicht beim TV-Casting, sondern 2011 beim Einkaufsbummel mit ihrer Mutter in Hamburg. Die ersten Jobs – erste Sahne: Kampagne für Benetton, Laufstegdebüt bei der Couture-Show von Christian Dior im Juli 2012. Esther spielte von Anfang an in der Model-Oberliga.
Mit ihrer Mischung aus Coolness, klassischer Schönheit und Verletzlichkeit hat Esther Casting-Agenten und Topfotografen überzeugt und mit erst 17 Jahren noch eine große Zukunft im Business, vorausgesetzt ihr Typ bleibt gefragt. Doch Esther selbst scheint sich darum keine all zu großen Gedanken zu machen. Beim Treffen Backstage vor der Michalsky-Show wird schnell klar: Hier sitzt ein junges Mädchen – ein wenig schüchtern, extrem fröhlich, bildschön – das jeden Tag glücklich dafür ist, was da gerade mit ihr passiert, das genießt und Spaß daran hat, was sie tut. „Es ist einfach so in mein Leben gekommen“, sagt Esther Heesch. Die richtige Einstellung, um die Modewelt zu erobern.

STYLEBOOK: Esther, am Dienstag liefst Du in der Show von Filippa K in Berlin, am Donnerstag bei Marc Cain und heute für Michalsky, zwischendurch warst Du aber noch für Castings in Mailand. Ab Montag wirst du bei den Couture-Schauen in Paris laufen... Trotzdem gehst Du noch in Lübeck aufs Gymnasium. Nicht schon mal daran gedacht, die Schule einfach zu schmeißen?
Esther Heesch: Eigentlich nicht. Von Anfang an hat mich meine Schule unterstützt, so dass ich Modeln und Schule unter einen Hut kriegen kann. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich habe mich daran gewöhnt, immer mit meinen Schulsachen um die Welt zu reisen. Das ist nicht leicht. Schon gar nicht, den Stoff sich quasi selbst beizubringen. Aber ich probiere es. Wenn alles gut läuft, kann ich in zweieinhalb Jahren trotzdem Abitur machen.

Du wurdest in einem Schuhladen von einem Modelsucher entdeckt. Was hast Du im ersten Moment gedacht?
Ich war einfach nur überrascht. Ich wollte ja eigentlich nur Schuhe kaufen. Da denkt man ja nicht an so etwas.

Hast Du lange überlegen müssen?
Na ich habe nicht sofort ja gesagt. Ich habe schon mit meinen Eltern zusammen überlegt, ob ich das machen soll. Es war ja nie mein Wunsch, Model zu werden. 

Sondern?
Keine Ahnung. Ich hatte noch gar keine Vorstellungen, was ich nach der Schule machen wollte.

Dein erster Laufsteg-Job war die Couture-Show von Christian Dior im Juli 2012. Wie war das? Kanntest Du Christian Dior überhaupt?
Klar, Christian Dior kennt man doch. Ich war da aber sehr, sehr aufgeregt und komplett überwältigt. Ich hatte ja noch nie so ein tolles Kleid an. Und der komplette Raum war mit Rosen geschmückt. Das werde ich nie vergessen.

Mittlerweile bist Du so gut wie für alle großen Designerlabels über den Laufsteg gelaufen, im letzten Jahr allein über 100 Shows. Was war bisher Dein Highlight?
Definitiv die Kampagne für Tom Ford, für die ich letztes Jahr in London fotografiert wurde. Dafür wurde ich von einer Gruppe Männer-Models in einer Crowd-Surfing-Pose gehalten. Das war ziemlich cool. Schließlich wird man nicht regelmäßig von so vielen Jungs auf Händen getragen. Und natürlich die Valentino-Show im September 2012. Das war die erste Show, die ich eröffnen durfte.

Darf ein Model eine Show eröffnen, kommt das in der Branche einem Ritterschlag gleich, ähnlich wie das Brautkleid-Model am Ende einer Haute-Couture-Show.

  • Foto: Thomas Helbing/Stylebook.de

    STYLEBOOK-Redakteur Thomas Helbing traf Esther Heesch Backstage bei der Michalsky Stylenite

Was macht Dir mehr Spaß: Laufsteg oder ein Foto-Shooting?
Doch eher Shootings. Das ist ruhiger und entspannter. Die Modewochen sind ganz schön hektisch. Letzten September in Mailand hatte ich sogar einen eigenen Motorroller mit Fahrer, damit ich überall pünktlich bin.

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Trotz Deines Erfolgs musst du zu Model-Castings und kriegst sicher auch Absagen. Wie gehst Du damit um?
Ach das gehört einfach dazu. Ich weiß, dass ich nicht jedem gefallen kann. Das ist ganz normal. Ich freue mich über die Jobs, die ich habe. Dann kommt man über die Absagen gut hinweg. 

Was glaubst Du, ist das Wichtigste bei einem Casting?
Sein bestes geben, natürlich und höflich bleiben. Das ist doch wie in jedem anderen Beruf auch.

Ist das Modeln so hart und grausam wie oft beschrieben?
Grausam? Das finde ich nicht. Dann wäre ich schon längst ausgestiegen. Aber es ist total anders, als ich es mir vorgestellt habe. Es ist schon verrückt, dass man einfach für ein paar Stunden nach Mailand fliegt und dann wieder nach Paris.

Begleitet Dich jemand auf Reisen?
Eigentlich fliege ich immer allein. Einmal hat mich meine Mama begleitet und einmal mein Papa.

Guckst Du „Germany's Next Topmodel“?
Ich guck gar nicht so viel Fernsehen. Hab's mir aber schon mal angeschaut.

Was meinst Du, hat die TV-Show etwas mit der realen Modelwelt zu tun?
Ich glaub schon, dass es eine gute Vorbereitung für den Modeljob danach ist. Allerdings wenn ich unterwegs bin und arbeite, ist ja nicht ständig eine Kamera um mich herum und eine Jury, die mich bewertet. Das ist schon anders.

Wünschst Du Dir manchmal so eine Model-Mama wie Heidi Klum aus dem Fernsehen, die Dich unterstützt?
Nee, dann doch lieber meine Mama.

Was ist das Schwerste am Modeljob?
Wenn man wenig geschlafen hat, trotzdem gut auszusehen und gute Laune zu haben.

Und das Schönste?
Die vielen verschiedenen und tollen Leute, die man trifft und mit denen man plötzlich zusammenarbeiten kann. Und natürlich, die Welt zu sehen.

Was fällt Dir mittlerweile leichter als am Anfang des Modelns?
Das Reisen. Das ist mittlerweile Routine. Für meinen ersten Auftrag damals für Benetton bin ich das erste Mal in meinem Leben geflogen. Am Hamburger Flughafen kenne ich mich inzwischen ziemlich gut aus.

Du hast fast täglich mit Stylisten, Visagisten, Fotografen und Designern zu tun. Geben die Dir manchmal Tipps, wie Du Dich anziehen sollst? Hat sich Dein Stil verändert?
Ich bin schon aufmerksamer geworden, was gerade angesagt ist. Das ist ja ganz normal, wenn man ständig die schönsten Kleider tragen darf. Und ich habe viele neue Labels kennengelernt, die ich vorher nicht kannte. Aber eigentlich ziehe ich mich immer noch so an wie früher. Am liebsten Sneakers. High Heels in der Schule wären ja albern.

Wie sieht ein fauler Tag bei Dir aus, wenn Du mal keinen Modeljob hast, nicht zur Schule musst?
Eigentlich ganz normal. Dann genieße ich die Zeit mit meiner Familie, treffe Freunde, ich bin gerne in Lübeck. Ich mag die Stadt sehr.

Auch das berühmte Marzipan?
Nee, eigentlich nicht so.

Jetzt sag bitte, dass Du keinen Sport machst und nicht Kalorien zählst!
Doch ich mache Sport. Aber das habe ich auch schon vor dem Modeln gerne gemacht. Seit ich sechs Jahre alt bin, mache ich Ballett. Wenn ich in Lübeck bin, gehe ich mit meiner Schwester joggen. Im Sommer schwimmen, wir haben die Ostsee und viele Seen vor der Tür. Ansonsten habe ich keinen Diätplan! Aber ich achte schon darauf was ich esse, damit es meinem Körper gut geht. Das muss sein. Es gehört zum Job.

Welchen Rat würdest Du einer Model-Anfängerin mit auf den Weg geben?
Einfach natürlich zu bleiben. Und darauf achten, dass es einem dabei gut geht.

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