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Food-Trend aus New York: heiße Brühe ist der neue Cronut

Foto: Instagram/brodonyc

Der neueste Food-Hype aus New York
von Laura Pomer
Brühe To-Go ist der neue Cronut

Nach der klebrig-süßen Mischung aus Croissant und Donut – dem berühmten „Cronut“ – war es offenbar an der Zeit für etwas Herzhaftes: Die Stadt, die niemals schläft, stärkt sich jetzt mit heißer Brühe! Und die soll mega-gesund sein.

  • Heiße Brühe: der neue Food-Hype aus NY

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    Foto: Instagram/brodonyc

    Im Lokal „Brodo“ (italienisch für „Brühe“) im New Yorker East Village verkauft Marco Canora heiße, klare Suppe zum Mitnehmen. Und die geht weg wie warme Semmeln

Wer heute mit einem To-Go-Becher durch die Straßen von New York spaziert, hat wahrscheinlich keinen Kaffee dabei, sondern heiße Brühe. Und die gibt es in der Suppenküche des Italieners Marco Canora im East Village.

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Ein Run auf den Ausschank
„Alte und Junge, Übergewichtige und super-schlanke Yoga-Mamas“ stehen vor seinem Laden Schlange, erzählt der Betreiber des „Brodo“ im Interview mit „Cosmopolitan“, speziell zu den Stoßzeiten am Vor- und späten Nachmittag. Das lange Warten entschädigt wahlweise eine kleine Portion Brühe (etwa 230 ml) zum Preis von etwa vier Euro oder eine gr0ße (ca. ein halber Liter) für ungefähr 7,60 Euro. Zum Aufpreis von 60 Cent gibt es kalabresisches Chili-Öl, fermentierte Bohnen oder frisch geriebene Gelbwurz als Topping dazu.

Heiß und gesund?!
Satt wird man davon nicht, räumt Canora ein. Strenggenommen solle man sein Produkt ohnehin nicht als Zwischenmahlzeit sondern als gesundes Heißgetränk betrachten. Er selbst habe seinen Körper 20 Jahre lang mit zu viel Nikotin, Koffein und Alkohol geschunden. Die Idee, Fonds auf Basis grasgefütterter Kühe oder Freilandgeflügel mit frischem Marktgemüse einzukochen, war für ihn eine mineralstoffreiche Detox-Maßnahme, erklärt er im Interview.

Brühen erobern New York
Damit trifft Canora in Manhattan natürlichen einen Nerv: Hier ist nicht nur ein guter Ort für Food-Hypes, wie seit Sommer 2013 erst der tägliche Mega-Ansturm auf Dominique Ansels „Cronuts“ bewies, sondern vor allem für Verfechter des Detox-Gedanken. Seit einer Weile geht der Trend weg von Gemüse- oder Fruchtsäften, die viel zu viel Zucker enthielten und hin zu kohlenhydratarmen Fleischbrühen. „Sie liefern große Mengen an Calcium, Magnesium und Phosphor“, zitiert „Cosmopolitan“ die Ernährungswissenschaftlerin Tanya Zuckerbrot. Laut ihr sollen Markbrühen dank enthaltener Aminosäure-Verbindungen entzündungshemmend und heilungsfördernd wirken.

Was ist dran an der Detox-Brühe?
STYLEBOOK.de wandte sich an den Ernährungsexperten und Buchautor Sven-David Müller („Die 50 besten Erkältungs-Killer“, TRIAS Verlag, Stuttgart 2013), und wollte wissen, ob das Fleischfond-Schlürfen wirklich so gesund ist. Seine klare Antwort: nein! „Es handelt sich dabei um nicht viel mehr als heißes Wasser mit wenig Mineralstoffen und minimalen Mengen an Eiweiß“, klärt der Medizinjournalist auf. Ergo sei auch die allseits gelobte Hühnerbrühe als Erkältungskiller ungeeignet. „Beim Kochen gehen die Vitamine aus dem Gemüse kaputt, vom Fleisch bleibt kaum mehr übrig als Fettaugen.“ Vielmehr warnt Müller vor Mononatriumglutamat: dem Natriumsalz der Glutaminsäure, das in proteinreichen Lebewesen wie Hühnern und Kühen vorkommt und sogar „dick machen“ kann.

Das einzige gute Haar, das Müller ‚in ‘ der Suppe lässt, ist die Tatsache, dass es sich um heiße Flüssigkeit handelt – „so wird zumindest das Schwitzen angeregt“. Er empfiehlt, im Fall einer Erkältung dennoch lieber zu Tees mit etwas frischer Zitrone zu greifen.

Schöner und gesünder macht der neueste Food-Trend aus New York also nicht, schmecken tut's aber trotzdem.


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