Stylebook-Logo Fashion Week Berlin Stylebook Logo
Carine Roitfeld auf Berlin Fashion Week – Interview mit Stylebook

Ex-„Vogue“-Chefin Carine Roitfeld kommt nach Berlin
von Julia Wagner
Stylebook trifft die coolste Stylistin der Welt

Seit Carine Roitfeld (58) vor zwei Jahren bei der französischen „Vogue“ gekündigt hat, ist sie noch erfolgreicher als zuvor. In der Modewelt läuft weiterhin nichts ohne sie. Jetzt beehrt die Modeikone zum ersten Mal die Mercedes Benz Fashion Week in Berlin. Mit STYLEBOOK plauderte sie über deutsche Mode, Karriere – und High Heels.

Anna Wintour mag die mächtigste Chefredakteurin der Modewelt sein – Carine Roitfeld war die coolste. Als sie ihren Sessel bei der französischen „Vogue“ vor über zwei Jahren freiwillig räumte, brachte ihr das schließlich noch mehr Respekt ein. Heute arbeitet sie mehr als zuvor, zum Beispiel als globaler Fashion Director für „Harper's Bazaar“ oder als Herausgeberin ihres eigenen Hochglanzmagazins „CR-Fashion Book“. Gerade erst inszenierte sie auch die internationale Mercedes-Benz-Fashion-Week-Kampagne für Frühling/ Sommer 2014.

STYLEBOOK: Würden Sie sagen, dass Berlin als Modestadt jetzt mit Paris oder Mailand mithalten kann?
Carine Roitfeld: Berlin kann als Modestadt sicher so wichtig wie Paris oder Mailand werden, aber wie alles braucht es dafür auch etwas Zeit und viel Arbeit – von Seiten der Kreativen genauso wie der Wirtschaft.
 
Welche deutschen Designer schätzen Sie?
Ich bewundere Jil Sander. Sie verkörpert für mich deutsche Mode. Aber Deutschland liegt ja auch gleich neben Österreich, woher einer meiner absoluten Lieblingsdesigner und guter Freund von mir kommt: Helmut Lang. Ich freue mich aber, jetzt endlich Gelegenheit zu haben, neue, deutsche Modetalente kennenzulernen. Für mich ist es ja das erste Mal, dass ich an der Mercedes-Benz Berlin-Fashion Week teilnehme.

  • Carine Roitfeld

    1/4

    Foto: Getty Images

    Carine (58) & Tochter Julia Restoin-Roitfeld (32)

    Die Mode-Gene hat Carine an ihre hübsche Tochter weitergegeben. Julia arbeitet ebenfalls im Fashion Business als Artdirektorin. Vor einem Jahr brachte sie ihre kleine Tochter Romy zur Welt – und machte Carine zur coolsten Oma der Welt. Denn kaum war Carine Großmama, modelte sie zum ersten Mal und zwar für den Kosmetikriesen MAC



 
 

Eine aktuelle Studie sagt, dass Frauen eher erfolgreich sind, wenn sie sich wie Männer verhalten und wenig lächeln. Was ist Ihr persönlicher Karriere-Tipp an uns Frauen?
Um im Mode-Business erfolgreich zu sein, muss man als Frau nicht nur gut aussehen, sondern auch sehr stark sein. Für Frauen ist es einfach schwieriger, Karriere zu machen, als für Männer. Die Messlatte für uns Frauen liegt höher. Allerdings ist es niemals zu spät, um ein berufliches Abenteuer zu starten. Mein Idol ist Coco Chanel – sie hat ihr Modeimperium nach dem Krieg im Alter von 70 Jahren neu gestartet. Nichts ist unmöglich, wenn man fest entschlossen ist, Erfolg zu haben.

Anzeige

Sie haben mal gesagt: „Folgen Sie niemals der Mode“. Gilt dieser Ratschlag noch immer?
Sie müssen sich einfach die Trends aussuchen, die gut zu Ihnen und Ihrem Lifestyle passen. Wenn Sie sich vollkommen der Fashionwelt verschreiben, dann laufen Sie schnell Gefahr, eine Modekarikatur zu werden.
 
Sie sehen immer so unangestrengt, aber super gestylt aus. Wie schnell entscheiden Sie morgens, was Sie anziehen?
Leider bin ich morgens meistens in Eile und habe tatsächlich wenig Zeit, mir zu überlegen, was ich anziehen soll. Aber auch, wenn etwas super gestylt wird, sollte das Ergebnis stets unangestrengt aussehen.
 
Würden Sie jemals das Haus in etwas anderem als High Heels verlassen?
Nein, eigentlich nicht. 

Wann haben Sie angefangen, Ihre typischen zehn Zentimeter hohen High Heels zu tragen, die mittlerweile als Ihr Markenzeichen gelten?
Das war vor 20 Jahren, als ich anfing, mit Fotograf Mario Testino zu arbeiten. Stöckelschuhe waren die einzige Möglichkeit, größer zu werden und ihm in die Augen sehen zu können. Danach habe ich mich irgendwie an High Heels gewöhnt. Man geht und verhält sich anders, wenn man Stöckelschuhe anhat. Ich mag das Gefühl und die Power, die einem das Gehen in hohen Schuhen verleihen. 

Stimmt es eigentlich, dass Sie keine Handtaschen mögen?
Ich mag Handtaschen als Objekte, aber manchmal können sie einen Look auch stören. Ich bevorzuge Jackentaschen, die sind praktischer. 

Können Sie dann den Hype um neue It-Bags verstehen?
Es ist ein großartiges Phänomen, auch wenn ich es nicht richtig verstehen kann. Aber ich weiß natürlich, dass es für die Modeindustrie wichtig ist, dieses Obsession zu haben und zu kreieren.

Sie sind bereits Großmutter und sehen noch immer umwerfend und sexy aus. Gibt es trotzdem etwas, das Sie nicht mehr anziehen würden?
Ich würde niemals tragen, was auch meine Tochter trägt. Das ist keine gute Idee. Ich würde auch niemals mit ihr Klamotten tauschen. In ein paar Jahren werde ich wohl dann auch sagen können, dass ich niemals anziehen würde, was meine Enkeltochter trägt.   

Ihre neueste Leidenschaft ist Ballett. Wann haben Sie damit angefangen?
Vor zwei Jahren. Ballett ist eine super Möglichkeit, zu üben, wie man seinen Geist fokussiert. Es besteht nämlich aus 70 Prozent Konzentration und 30 Prozent körperliche Anstrengung. 

Wie lautet Ihr Fashion-Tipp für alle Frauen, die für ihr Styling nur ein sehr kleines Budget  zur Verfügung haben?
Wenn Sie nicht genügend Geld haben für Klamotten, sollten Sie in ein richtig gutes Paar Schuhe investieren. Am besten High Heels natürlich.


 
STYLEBOOK live auf der Mercedes Benz Fashion Week Berlin! Folgen Sie uns auf Twitter, Instagram, Facebook!

Kommentare