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Modemesse Bread & Butter in Finanznot
von Thomas Helbing
Nach Absage kommt jetzt Guerilla-Messe

Jeden Tag Neuigkeiten aus dem „Bread & Butter“-Lager: Nachdem am Dienstag die Modemesse im Januar 2015 offiziell abgesagt wurde, kommt Veranstalter Karl-Heinz Müller schon mit einem neuen Konzept um die Ecke. Offensichtlicher Hintergrund: Finanz-Not.

In einer offiziellenPressemitteilung am 9. Dezember teilten die Veranstalter mit: „Bread & Butter setzt im Januar 2015 aus. Die geplante Edition der Bread & Butter im Januar 2015 findet nicht statt.“ Da wurde schon gemunkelt, dass es trotzem eine Mini-Version der einst größten Jeans- und Streetwear-Messe geben wird.

Guerilla-Messe geplant
Nun wurde ein Schreiben bekannt, welches von B&B-Veranstalter Karl-Heinz Müller direkt an 30 Aussteller, darunter Drykorn, Nudie Jeans und Campus, ging. Darin: „Stellt euch folgendes vor: wir machen eine Guerilla Messe auf der Straße in Berlin ... Hoffentlich schneit es, wir fahren Schlittschuh und spielen Eisstockschießen.“ Wer das als Galgenhumor versteht, dem sei gesagt: Dies ist ernst gemeint. Der Blog „Dandy Diary“ hat den kompletten Brief abgedruckt.

Den Grund für die Aktion liefert Müller in seinem Schreiben selbst: „Wirtschaftlich kann es (die Absage der Bread & Butter, Anm. d. Red.) für uns/mich das Schlimmste bedeuten ... nachher am Nachmittag kommen die Banken ins Haus, sicher kein besonders angenehmer Termin.“

Veranstalter in Finanznot
Fakt ist: der Modemesse steht das Wasser bis zum Hals. 2009 unterzeichnete Müller einen Mietvertrag bis 2019 für den ehemaligen Flughafen Tempelhof für zweimal fünf Wochen im Jahr. Die Höhe der Miete ist geheim, soll aber 1,6 Millionen Euro betragen. Auch wenn die Messe ausfällt oder an einem anderen Ort stattfindet, muss die Bread & Butter dem Land Berlin weiter die Miete zahlen.

Wie „RBB“ erfahren hat, will die Bread & Butter diesen Mietvertrag jetzt ändern. Das bestätigte der neue Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) dem Fernsehsender. Es gebe Interesse an weniger Raum und weniger Zahlungen.

Skepsis angebracht
Ob die Mini-Version der Modemesse allerdings von Erfolg gekrönt sein wird, bleibt fraglich. Wie das Branchenblatt „Textilwirtschaft“ berichtet, sollen einige Aussteller die Pläne Müllers eher wütend kommentiert haben: „Gehen Sie zur Bank und zahlen uns unsere 17.000 Euro Anzahlung zurück!“

Auch Müller bleibt skeptisch: „Wie ich es finanzieren soll, weiß ich noch nicht, ich habe ja schon von euch Geld bekommen, aber leider schon ausgegeben.“

Wie es so weit kommen konnte?
Immer mehr Aussteller kehrten der einst so erfolgreichen schon im Juli 2014 den Rücken, die Lücken auf der Messe waren nicht zu übersehen. Unter vorgehaltener Hand wurde über den nicht mehr vorhandenenen „coolen Vibe“ getuschelt. Um der Messe neuen Schwung zu geben, verkündete Müller, die Bread & Butter im Januar in Barcelona statt Berlin auszurichten  – und schoss sich damit ein Eigentor. Seitdem gab es Wirbel um den Termin und die Standorte, immer mehr Aussteller wurden verprellt.

Für die bisher parallel stattfindenden Konkurrenzmessen wie Seek, Premium oder Panorama sowie die Fashion Week könnte es allerdings eine Chance sein, endlich aus dem Schatten der riesigen Konkurrenz herauszutreten. 

Die zweimal jährlich organisierte Bread & Butter ist DIE Jeans- und Streetwear-Party-Messe schlechthin. Ihre Premiere feierte sie 2001 in Köln, 2003 zog die Messe nach Berlin, 2007 ging es für zwei Jahre nach Barcelona. Seit Sommer 2009 fand die Bread & Butter wieder in Berlin statt. Die Winterausgabe war eigentlich im Rahmen der Berliner Fashion Week vom 19. bis 21. Januar 2015 geplant.

  • Bread Butter Berlin

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    Foto: getty images

    Die Januar-Ausgabe der Modemesse Bread & Butter wurde vor wenigen Tagen vom Veranstalter abgesagt. Seit 2009 fand diese zwei Mal im Jahr im ehemaligen Berliner Flughafen Tempelhof statt

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