Stylebook-Logo Fashion Week Berlin Stylebook Logo
Berlin Fashion Week: Designer Zac Posen im Interview

Foto: PR/ Peek & Cloppenburg

Lieblingsdesigner der Promis Zac Posen im Interview
von Tatjana Kaa
„Ich würde niemals Nackt-Selfies von mir posten“

Als Schirmherr für den Nachwuchsaward „Designer for Tomorrow“ ist Couturier Zac Posen (34) eine Inspiration für die fünf Finalisten und Gewinnerin Mareike Massing. Doch wer bringt den New Yorker zum Schwärmen? Im Gespräch mit STYLEBOOK.de gibt der Designer intime Einblicke in sein Privatleben und verrät, warum wir nie ein Nackt-Selfies von ihm sehen werden.

„Ich freue mich darauf, die Nachwuchsdesignerin zu begleiten und schon bald in meinem Atelier sowie bei meiner Show in New York begrüßen zu dürfen“, erzählte der New Yorker Designer Zac Posen bei der Verleihung des „Designer for Tomorrow“-Awards im Rahmen der Berliner Fashion Week. Nur einen Tag später trifft STYLEBOOK.de den Couturier in seiner Suite im Soho House Berlin. Hier empfängt uns der Designer wie gewohnt im schicken Anzug und verrät, dass er eigentlich auch ganz lässig kann...

  • Zac_Posen

    1/7

    Foto: Getty Images

    „Designer for Tomorrow“-Award

    Freut sich über seine Schirmherrschaft: Couturier Zac Posen im Mercedes Benz Modezelt im Rahmen der Berliner Fashion Week

STYLEBOOK: Bei Instagram zeigen Sie Fotos aus ihrem Showroom, Partys und neuerdings auch Impressionen Ihres Deutschland-Besuchs. Welchen Stellenwert nimmt die soziale Plattform bei Ihnen ein?
Zac Posen:
„Ich sehe Instagram als großartiges Kommunikations-Werkzeug für meine Marke. Es kreiert Tiefe hinter der Mode. Außerdem zeigt es jungen Menschen und Nachwuchsdesignern, was hinter meinem Erfolg steckt und was es dazu braucht. Sie sehen die Arbeit und meine Einstellung. Nur so verstehen sie, dass Erfolg eben nicht vom Himmel fällt.“

Ja, denn viele Instagram-Accounts heucheln einem Perfektion vor. Ein einfaches Leben...
Posen: „... ich weiß, was Sie meinen, aber das gibt es nicht. Oft fragen mich Menschen ‚Warum kann ich das nicht auch alles haben?‘. Denen sage ich dann, dass es außer Talent und Ehrgeiz auch eine große Portion Fleiß benötigt. Ich verbringe sehr viel Zeit in meinem Studio, dort bin ich eben am glücklichsten. Das teile ich dann mit meinen Followern – auch wenn ich es oft übertreibe und meine PR- und Marketing-Berater mit mir schimpfen (lacht).“

Übertreiben ist das Stichwort: Haben Sie den Penis-Post von Marc Jacobs gesehen?
POSEN: „
Oh ja. Es heißt, er hätte es versehentlich gepostet.“

Könnte Ihnen bei so vielen Instagram-Uploads auch so ein Nackt-Posting durchrutschen?
Posen: „(Lacht) Auf gar keinen Fall! Ich würde niemals Nackt-Bilder von mir posten. Ich besitze noch nicht einmal Nacktaufnahmen von mir. Und selbst wenn, ich würde sie niemals ins Internet stellen. Diese Art von Aufmerksamkeit brauche ich nicht.“

Stattdessen zeigen Sie Bilder beim Kochen?
Posen: „Exakt! Mein Account ist der Beweis: Menschen in der Modeindustrie essen. Ich zum Beispiel liebe die japanische Küche – und damit meine ich nicht nur Sushi. Die Küche ist kultiviert und so besonders, sie gleicht schon fast einer Religion. Sie ist ein grandioser Mix aus simplen und komplexen Handgriffen.“

Wie steht’s mit der deutschen Küche?
Posen: „Ich habe in Deutschland sicher die besten Eier meines Lebens gegessen. Die Qualität ist vorzüglich. Und das Brot – ich liebe es! Ich komme aber auch bei Deutschen Süßigkeiten ins schwärmen.“

Das sieht man Ihnen aber nicht an – gute Gene oder hartes Training?
Posen: „
Nein, nein, kein Training, aber ich schwimme gern. Als Kind habe ich getanzt bis ich achtzehn war. Die Muskelmasse aus der Zeit hat sich mein Körper wohl im Gedächtnis behalten. Aber auch wenn ich sage, dass ich nicht trainiere, so bin ich trotzdem sehr aktiv.“

Und wie sieht so ein aktives Leben aus?
Posen:
„Ich verbringe meine Wochenenden auf der Farm meiner Eltern und muss dort selbstverständlich mit anpacken. Da gibt’s keine Sonderbehandlungen. Ich zersäge Holz, schaffe es weg und ich kann auch einen Traktor fahren.“

Auch das dokumentieren Sie via Instagram. Apropos: Sie folgen fast 1700 Menschen. Aber wenn Sie nur einer Person folgen dürften, wer wäre das?
Posen: „Wow, da muss ich nachdenken. Hmm, ich denke es wäre mein Lebensgefährte und Creativ Director, Christopher Niquet. Er hat einen wunderbaren Account. Christopher hat ein unheimlich gutes Gespür für Trends, er ist kultiviert und ein absoluter Vorreiter, wenn es um Mode geht. Auf seinen Instagram-Account stellt er Personen vor, die nur wenig später für die Italienische Vogue verpflichtet werden.“

So wie er selbst auch, abgebildet vom legendären Steven Meisel (61). Da kann man schon ins Schwärmen kommen.
Posen: „
Das ist der Wahnsinn, oder? Dabei ist er kein Model. Er war Stylist bei Karl Lagerfeld bevor wir uns kennen lernten. Für mich ist er einer der belesensten Menschen, die ich je getroffen habe. Er vereint in sich das Wissen über unterschiedliche Kulturen, Mode und Stil.“

Klingt fast, als wäre er Ihre Muse.
Posen: „Wir inspirieren uns gegenseitig. Ich lerne ständig von ihm. Ich habe nicht seine Aufmerksamkeitsspanne. Er liest ständig hunderte Bücher im Jahr. Jeden Tag, wenn wir heimkommen, kommen neue Buchlieferungen. Unser Archiv ist beeindruckend, glauben Sie mir. Auch wenn ich gestehen muss, dass mir nach einem langen Tag die Augen zufallen. Er aber hat so viel Energie und er schreibt.“

Ihr Label steht für Handwerkskunst und Qualität. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Posen: „
Ja, ich habe mich der Qualität meiner Kleidung verschrieben. Es gibt nicht eine Kollektion von mir, die nicht nach dem höchsten Maß gefertigt wurde. Ich glaube einfach nicht an Mittelmäßigkeit in der Mode. Und schon gar nicht bei diesen Preisen.“

Sie spielen auf die schier unbezahlbare Couture an?
Posen:
„Exakt. Für mich geht es darum dem Kunden ausschließlich das Beste zu geben und nicht weniger. Dadurch werden die Stücke zu etwas Besonderem, etwas Seltenem. Heutzutage ist Rarität die Definition von Luxus. Denn sogar echter Luxus ist zu einem gewissen Grad Massenware. Das ist ein Produkt der Globalisierung. Bei diesem Wandel sind Technik und sich für etwas Zeit zu nehmen, um es perfekt zu machen, wahrer Luxus.“

Bedeutet es zwangsläufig, dass man sich bei einem Mini-Budget nicht besonders kleiden kann?
Posen: „
Aber nein. Das ist ein Teil der Selbsterschaffung. Bei einem kleinen Budget ist Kreativität gefragt. Unterstützung gibt es da von unseren Smartphones. Damit kann man wirklich gut spielen. Man breitet einfach seine ganze Kleidung auf dem Fußboden aus und beginnt, Outfits zu kreieren. Ohne Grenzen, ohne Angst etwas falsch zu machen. Das mache ich auch mit meinen Anzügen und Hemden, wenn ich eine Show drehe. Und das machen Stylisten wie Tabitha Simmons von ‚Vogue‘ auch! Es ist ein Spiel: Man stellt sich Outfits zusammen, macht ein Foto und hat immer wieder einen neuen Look – oder man verwirft es.“ 

Sie haben sicher einen riesigen Kleiderschrank?
Posen: „Seit ich 21 Jahre alt bin, werde ich so ziemlich jeden Tag fotografiert. Ich liebe es, mit meinen Outfits zu experimentieren. Deswegen trage ich niemals exakt dasselbe Outfit zweimal.“

An ein Jogginghosen-Foto von Ihnen kann ich mich auch nicht erinnern. Zufall?
Posen:
„Sicher nicht (lacht). Manchmal trage ich Jeans, aber Jogginghosen? Nein, ich besitze nicht mal welche. Zuhause trage ich meinen Pyjama. Ich hatte auch mal eine Reise-Hose, aber von der habe ich mich getrennt. Und wenn ich so überlege, sah selbst die richtig kombiniert aus, wie eine weiße Anzughose. Und dabei war sie so bequem.“

Sie wirken nicht so, als seien sie ein bequemer Typ.
Posen: „Doch, doch. Auch wenn es nicht so wirkt, habe ich eine sehr lässige Seite. Ich trage T-Shirts und  habe eine Sport-Linie für Brooks Brothers designt, die im September herauskommt. Ich freue mich schon sehr darauf den Leuten diesen gemütlicheren Teil von mir zu zeigen – auch wenn die Linie keine Jogginghosen umfasst. Und sowieso: Jogger sind keine Mode.“

Da denken Sie wie Karl Lagerfeld. Sie wissen, was er über Jogginghosen sagt?
Posen:
„Nein, was denn?“

Jemand, der in der Öffentlichkeit Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren, weil er durch die Gummibund nicht merkt, wenn er zunimmt.
Posen: „
Da stimme ich vollkommen zu. Ich verehre Karl Lagerfeld, er hat mich in meiner Karriere so unterstützt und inspiriert.“

Anzeige

Kommentare