Duft-Experte Tim Fischl im Interview
von Susanna Riethmüller
Parfum kaufen – aber richtig!

Tim Fischl leitet die Beauty-Abteilung im Berliner Nobel-Geschäft Departmentstore Quartier 206. Der ehemalige Personal Shopper ist Experte darin, für andere Menschen das perfekte Parfum zu finden. STYLEBOOK sprach mit ihm über Düfte: Wie man sie richtig kauft, wie man sie richtig benutzt, und – kurz vor Weihnachten besonders wichtig – wie man sie richtig verschenkt.

STYLEBOOK: Herr Fischl, das richtige Parfum zu finden ist gar nicht so einfach. Das Angebot ist unglaublich groß, ich weiß vielleicht gar nicht, was ich für ein Duft-Typ bin, und irgendwann riecht alles gleich... wie gehe ich also vor?
Tim Fischl: Ganz wichtig ist, sich unbedingt immer beraten zu lassen, und zwar professionell. Perfekt ist, wenn Ihnen der Verkäufer sympathisch ist und mit Ihnen auf einer Wellenlänger liegt. Dann können Sie ihm leichter vertrauen. Außerdem sollten Sie ohne vorgefestigte Meinung an die Sache ran gehen. Seien Sie offen, probieren Sie alles aus!

Darf  ich denn beliebig viele Düfte hintereinander testen? Oder nimmt meine Nase irgendwann keine Unterschiede mehr wahr?
Das ist individuell unterschiedlich, jede Nase ist ja anders. Der eine riecht mehr, der andere weniger... wer auf Nummer sicher gehen will: zwischendurch an Kaffeebohnen schnuppern oder einen Espresso trinken. Das neutralisiert komplett, danach können Sie noch einmal ganz von vorn beginnen.

Testete ich Parfums besser auf diesen kleinen Pappstreifen, die es in Parfumerien gibt, oder immer direkt auf der Haut?
Für die grobe Auswahl erst einmal auf Pappstreifen. Wenn’s ins Detail geht, unbedingt am Handgelenk oder auf dem Handrücken. Erst hier verrät ein Parfum, wie es an Ihnen riecht.

Und wie lange muss ich nach dem ersten Aufsprühen abwarten, bevor ich mich entscheide – weil sich der Geruch vielleicht noch verändert?
Zehn bis 15 Minuten sollten Sie sich nehmen. Dann wissen Sie, wie sich der Duft auf der Haut entfaltet und ob Sie sich wirklich mit ihm identifizieren können.

Warum verändern sich Parfums auf der Haut überhaupt?
Weil– zumindest natürliche – Inhaltsstoffe dann noch einmal eine eigene Dynamik entwickeln, sie reagieren zum Beispiel auf die Wärme des Körpers. Synthetische Ingredienzien verändern sich dagegen fast gar nicht mehr nach dem Aufsprühen. 

Apropos: Wie trage ich Parfum richtig auf? Wo? Und wie viel?
Eigentlich: wo Sie wollen. Hinter den Ohren, auf den Innenseiten der Handgelenke... sogar auf die Kleidung sprühen ist okay, da hält der Duft lange und wird durch die Körperwärme immer wieder aktiviert. Eine feste Anzahl an „Sprühern“ gibt es nicht, das ist individuell verschieden. Grundsätzlich wichtig ist aber: Ein Duft sollte seinen Träger nie übertünchen, sondern die Persönlichkeit unterstreichen, es sollte zu seiner Aura werden. Daran kann man sich orientieren.

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Bei Eau de Parfum darf man sparsamer sein als bei Eau de Toilette – weil letzteres schneller verfliegt, richtig?  
Eau de Parfum ist in der Regel höher konzentriert als Eau de Toilette. Das heißt aber nicht, dass es auch länger hält, das ist ein Trugschluss. Wenn ein Duft hochwertig und mit natürlichen Inhaltsstoffen konzipiert ist, hält ein Eau de Toilette sogar länger. Das muss man einfach ausprobieren – und dabei lieber erst mal weniger nehmen und gegebenenfalls nachlegen.

Am schwierigsten ist es, ein Parfum für jemand anderes zu kaufen, als Geschenk. Was kann ich beachten, damit’s unterm Baum kein langes Gesicht gibt?
Wichtig ist, die Person zu kennen – je besser, desto besser klappt es auch mit dem Parfum. Wenn man unsicher ist, sollte man sich auch hier unbedingt beraten lassen. Wenn jemand zu mir kommt und einen Duft als Geschenk sucht, versuche ich immer, möglichst viel über den Menschen, für den es bestimmt ist, heraus zu finden. Sportlich? Elegant? Wie alt? Beruf? Je mehr ich über jemanden weiß, desto sicherer ist auch mein Griff zum Flakon.

Departmentstore Quartier 206

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